Schwerer Rückschlag für SAS
Bombardier stoppt Unglücksmaschine

Nach einer einmaligen Pannenserie mit Turboprop-Maschinen des Typs Dash-8 Q 400 hat der kanadische Hersteller Bombardier ein generelles Flugverbot für die Maschine ausgesprochen. Zuvor hatte es einen neuen Zwischenfall gegeben – ein Exemplar war im litauischen Vilnius bei der Landung lädiert worden.

STOCKHOLM. Betroffen sind von den bislang weltweit verkauften 160 Maschinen allerdings nur die mit mehr als 10 000 Starts und Landungen. Experten gehen davon aus, dass das Flugverbot damit rund 60 Maschinen betrifft.

Die ungewöhnliche Maßnahme ist die Folge von vier, zum Teil schweren, Zwischenfällen mit den Flugzeugen nur in den vergangenen fünf Tagen. Betroffen waren ausschließlich Maschinen der skandinavischen Fluggesellschaft SAS. Der jüngste, dramatische Zwischenfall ereignete sich in der Nacht zum Mittwoch, als die Besatzung einer Dash 8 auf dem Weg von Kopenhagen in den litauischen Urlaubsort Palanga kurz vor der Landung Probleme am Fahrwerk bemerkte. Der Pilot entschied sich für eine Notlandung auf dem größeren Flughafen der litauischen Hauptstadt Vilnius. Das rechte Fahrwerk knickte beim Aufsetzen ab. Die 48 Passagiere und vier Besatzungsmitglieder kamen mit dem Schrecken davon. Die Maschine, so teilte die SAS in Stockholm mit, sei „kräftig demoliert“ worden.

Bereits am vergangenen Sonntag trat der erste Defekt auf, als sich bei einer Dash 8 vor der Landung im dänischen Aalborg das Fahrwerk nicht ordnungsgemäß ausfahren ließ. Bei der eingeleiteten Notlandung knickte das rechte Fahrwerk ab und die Maschine fing kurz nach dem Aufsetzen Feuer. Fünf der 69 Passagiere wurden leicht verletzt. Nur einen Tag später mussten zwei weitere Maschinen dieses

Typs auf dem Weg von Kopenhagen nach Berlin und Prag wegen technischer Probleme umkehren.

Für die von vielen Streiks in den vergangenen Monaten krisengeplagte SAS sind die Zwischenfälle und das jetzt ausgesprochene Flugverbot ein erneuter, herber Rückschlag. Die Airline war erst kürzlich wieder in die schwarzen Zahlen geflogen. Aufgrund des Flugverbots muss sie nun allein in Dänemark mehr als 100 Flüge einstellen. In Schweden wurden insgesamt 13 Flüge, darunter auch Verbindungen nach Deutschland und ins Baltikum gestrichen.

Wie lange das Flugverbot gilt, wollte der Hersteller noch nicht sagen. Man arbeite mit Hochdruck an einer Lösung, erklärte ein Bombadier-Sprecher. Unklar ist auch noch, wer für den finanziellen Schaden aufkommt. „Das ist eine interne Diskussionen zwischen uns und der SAS“, sagte der Sprecher. Die SAS schätzt den täglichen Verlust auf umgerechnet rund 1,3 Mill. Euro, „Das ist fast das Schlimmste, was der SAS passieren konnte“, urteilt der dänische Analyst Jacob Pedersen von der Jyske Bank Auch die Lufthansa setzt die Dash 8-Q 400 ein: Vier Maschinen seien von dem Flugverbot betroffen, sagte ein Lufthansa-Sprecher. Zunächst wurden Flüge von Genf, Graz und Krakau nach München gestrichen.

Die skandinavische Fluggesellschaft SAS unterhält mit ihren 28 Maschinen die größte Dash 8-Flotte. Die Airline war auch die erste, die 2000 das neue Flugzeug orderte. Seitdem hat es ungewöhnlich viele Zwischenfälle mit dem Typ gegeben. Allein in den ersten sechs Monaten dieses Jahres gingen bei der schwedischen Luftfahrtsbehörde 16 Berichte über technische Fehler ein.

Helmut Steuer berichtet für das Handelsblatt aus Skandinavien. Regelmäßig ist er auch in der Ukraine unterwegs.
Helmut Steuer
Handelsblatt / Korrespondent
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