Schweres Geschäft
US-Autobauer: Es wird noch schlimmer

Für die angeschlagenen US-Autobauer kommt es noch schlimmer: Experten befürchten, dass der Autoabsatz dort auch kommendes Jahr noch schrumpft. Durch das massive Überangebot könnten zusätzlich die Preise fallen. Vor allem Obamas Plan zur Förderung umweltfreundlicher Autos könnte die heimischen Hersteller in Schwierigkeiten bringen.

HAMBURG. Die Aussichten für die schwer angeschlagenen US-Autobauer sind noch düsterer als bislang befürchtet. Die Talsohle auf ihrem Heimatmarkt dürfte erst 2010 erreicht sein - und nicht wie von Herstellern und Experten erhofft schon in diesem Jahr. Zu diesem Ergebnis kommt eine bislang unveröffentlichte Analyse der PA Consulting Group, die dem Handelsblatt vorliegt. Demnach sinkt der Fahrzeugabsatz in den USA in diesem Jahr auf neun Mio. Stück - nach 13,2 Mio. im Vorjahr.

Billige Kredite, befeuert vom Boom der Hauspreise, und hohe Rabatte der unter gewaltigen Überkapazitäten leidenden US-Hersteller hatten die Nachfrage im Jahr 2000 auf mehr als 17 Mio. Stück getrieben. Der Tiefpunkt soll kommendes Jahr bei acht Mio. verkauften Einheiten liegen. "Dem amerikanischen Automarkt stehen bis Ende 2010 schmerzhafte Zeiten bevor", sagt Branchenkenner Engelbert Wimmer von PA.

Mitten in der Finanzkrise dämmen fehlende Kredite den Verkauf. Dazu kommt ein Überangebot an Autos aus zweiter Hand, angeschafft in der Zeit des billigen Geldes. "Ein Berg junger Gebrauchtwagen zerdrückt die Nachfrage nach Neuwagen", sagt Branchenkenner Wimmer. Weitere Automassen aus auslaufenden Leasingverträgen drängten auf den Markt. Aktuell kommt ein Bestand von gut 800 Autos auf 1 000 Amerikaner - Weltrekord.

Von den 51 Autowerken in den USA lastet die Nachfrage derzeit gerade einmal die Hälfte aus. Die US-Regierung müsse deshalb wie ein guter Winzer vorgehen, sagt PA-Mann Wimmer. "Zurückschneiden, um Qualität zu bekommen - aber nicht so sehr, dass die Entwicklung gehemmt wird." Sonst drohe den USA das Schicksal Englands: Deindustrialisierung und Bedeutungsverlust als Volkswirtschaft mit eigenständigen Autobauern.

Als politisch brisant könnte sich der Kurs der neuen US-Regierung von Präsident Barack Obama herausstellen, einheimischen Herstellern wie im Fall von Chrysler nicht um jeden Preis beizuspringen, parallel aber am Plan zur Förderung umweltfreundlicher Autos festzuhalten. Die Folgen könnten mangels verfügbarer verbrauchsarmer Technologien vor allem für den ehemaligen Platzhirschen General Motors bitter sein: "Verweigert Präsident Obama den US-Herstellern die Hilfe, legt aber gleichzeitig ein Verschrottungsprogramm auf, wirkt sich das als Turbo für ausländische Konkurrenten aus Japan und Europa aus", prognostiziert Berater Wimmer. Nutzen würde das Toyota und Honda, aber auch Volkswagen. Die Deutschen wollen ihre neue Fabrik 2010 hochfahren - perfektes Timing.

"Nach 2010 besteht eine reelle Chance zur nachhaltigen Gesundung des US-Marktes", prognostiziert Wimmer. Im Gegensatz zu Deutschland wachse die US-Bevölkerung dank ungebrochenen Zuzugs weiter. Selbst bei einer geringeren Fahrzeugquote pro Kopf steigert das die Nachfrage. Bereits im Jahr 2011 sieht PA den US-Markt wieder bei elf Mio. Fahrzeugen. Ab dem Jahr 2016 sind sogar 14 Mio. Stück drin.

Mark C. Schneider
Mark C. Schneider
Handelsblatt / Redakteur
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