Schwerindustrie
Deutsche Stahlproduktion halbiert sich

Die Wirtschaftskrise hat die deutsche Stahlindustrie fest im Griff: Im März ist die deutsche Stahlproduktion im Vergleich zum März vor einem Jahr um die Hälfte zurückgegangen.

DILLINGEN. Die deutsche Stahlindustrie muss ihre Hoffnungen auf eine zügige Erholung der Nachfrage begraben. Im abgelaufenen Monat halbierte sich die Produktion der Hüttenbetreiber auf 2,1 Mio. Tonnen, wie das Statistische Bundesamt gestern mitteilte. Damit fiel der Rohstahlausstoß auf den Stand der fünfziger Jahre zurück. Im Februar hatte der Rückgang noch 32,4 Prozent betragen.

Hintergrund des rapiden Einbruch ist die gesunkene Nachfrage aus allen Kundengruppen, wobei sich vor allem die Massenabnehmer aus der Fahrzeug- und Maschinenbauindustrie zurückhalten. Nach Branchenangaben schrumpften alleine die Aufträge der Lkw-Bauer um 80 Prozent. „Das Geschäft ist damit praktisch zum Erliegen gekommen“, sagte ein Manager eines Stahlproduzenten.

Folgenschwerer ist die Zurückhaltung der Automobilkonzerne, die die Schwergewichte Thyssen-Krupp und Salzgitter belastet. Die Hersteller verbuchen Absatzeinbrüche im zweistelligen Prozentbereich. Die Abwrackprämie, mit der die Bundesregierung dem Autoverkauf auf die Sprünge helfen will, ist aus Sicht der Stahlindustrie keine große Hilfe. Die Prämie helfe zwar, sei aber nur ein Tropfen auf dem heißen Stein, sagte Klöckner-Chef Thomas Ludwig. Denn es würden wohl nur 60 000 Tonnen Stahl für die zusätzlichen Autos verbraucht. Der Chef von Georgsmarienhütte, Peter van Hüllen, warnte zudem: „Die Gefahr besteht, dass dies ein Strohfeuer ist und nach dem Auslaufen der Prämie ein großes Loch kommt.“

Neben der Fahrzeugindustrie werden auch andere Schlüsselbranchen von der Rezession gebeutelt. Der Maschinenbauverband VDMA musste kürzlich seine im Februar genannte Prognose für das Gesamtjahr senken. Statt eines Produktionsrückgangs von sieben Prozent rechnen die Maschinenbauer nun mit einem Minus von zehn bis zehn Prozent.

Hoffnungsträger, die den Abschwung der Stahlbranche abfedern könnten, sind nicht in Sicht. Denn auch die Windkraftindustrie, die bislang Jahr für Jahr höhere Mengen an Stahl in ihren Anlagen verbaute, wird von den Auswirkungen der Finanzkrise getroffen. Da sich die Banken mit Krediten für Windparks zurückhalten, mussten Hersteller wie Repower und Nordex ihre ambitionierten Wachstumspläne zumindest für dieses Jahr begraben. Eine Erholung erwarten Analysten erst für das kommende Jahr.

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