Schwerlaster
Volvo-Chef nährt Zukauf-Spekulationen

Der schwedische LKW-, Motoren- und Baumaschinenhersteller Volvo will weiter wachsen. „Wir sind an Zukäufen interessiert“, sagte Volvo-Chef Leif Johansson. Sein Sprecher präzisiert, dass Akquisitionen bei Schwerlastern in Europa und den USA nicht diskutiert würden.

STOCKHOLM. Das käme aus Wettbewerbsgründen nicht in Frage, da Volvo nach Daimler-Chrysler die weltweite Nummer zwei in diesem Segment sei und deshalb Schwierigkeiten hätte, grünes Licht für eine Fusion mit einem Konkurrenten zu bekommen.

Der Kauf eines chinesischen oder russischen LKW-Herstellers sei jedoch nicht ausgeschlossen. Auch eine Aufstockung des 13-prozentigen Anteils an Nissan Diesel und die geplante Kooperation mit dem chinesischen Konkurrenten Dongfeng gehören in Johanssons Wachstumsszenario.

Dass Volvo öffentlich seine Wachstumsstrategie diskutiert, hat einen guten Grund: Seit Monaten tauchen immer wieder Gerüchte auf, dass Hedge Fonds und Investmentgesellschaften den Konzern übernehmen wollen. Ihr Ziel sei die Aufteilung des Konzerns, der neben LKWs auch noch Busse, Baumaschinen sowie Schiffs- und Flugzeugmotoren produziert. Mit seiner Ankündigung will Johansson Kritikern den Wind aus den Segeln nehmen.

„Tatsächlich hat man einen etwas höheren Umsatz an Volvo-Aktien in der letzten Zeit beobachten können“, sagt Anders Bruzelius, Analyst bei Swedbank Markets. Seiner Meinung nach geht es allerdings nicht um eine eventuelle Volvo-Übernahme. „Die wollen Druck auf die Konzernleitung ausüben, damit die Dividende erhöht wird“, sagte er dem Handelsblatt. Tatsächlich hat Volvo derzeit mit rund 20 Mrd. Kronen (2,2 Mrd. Euro) eine prall gefüllte Kasse. Volvo-Chef Johansson hat immer wieder betont, dass er die Barmittel brauche, um sich bei konjunkturell schwächeren Zeiten besser positionieren zu können. Das reicht jedoch den Fonds nach Meinung von Bruzelius nicht. „Die wollen Bargeld sehen.“

Die Spekulationen über eine Volvo-Übernahme hat in den vergangenen zwei Monaten zu einem kräftigen Kursanstieg geführt: Die A-Aktie zog seit Juni um 30 Prozent an, die B-Aktie um 20 Prozent.

Bereits im Frühjahr dieses Jahres tauchten Gerüchte auf, dass Fonds ihren Volvo-Anteil erhöhen wollen. So soll Nordic Capital schon im April auf der Suche nach Mitfinanziern gewesen sein, um ein Übernahmeangebot für den schwedischen Konzern unterbreiten zu können.

Im Juli folgten dann Meldungen, nach denen die Investmentgesellschaft Cevian Capital des schwedischen Finanziers Christer Gardell stimmrechtstarke A-Aktien aufkaufe. Und vor einer Woche hat der Hedge Fonds Castlerigg des Schweden Tomas Sandell offenbar versucht, weitere Investoren für eine Volvo-Übernahme zu gewinnen.

Nach Meinung von Analysten ist aber eines sicher: „Eine Volvo-Übernahme wäre außerordentlich schwierig durchzuführen“, sagt Swedbank-Markets-Analyst Bruzelius. Volvo ist ebenso wie der Telekommunikationskonzern Ericsson ein nationales Kleinod. Die staatlichen Pensionsfonds, die einen Anteil von mehr als zehn Prozent an dem Nutzfahrzeug- und Motorenhersteller halten, würden alles tun, „damit Volvo ein schwedisches Unternehmen bleibt“, erwartet Bruzelius.

Helmut Steuer berichtet für das Handelsblatt aus Skandinavien. Regelmäßig ist er auch in der Ukraine unterwegs.
Helmut Steuer
Handelsblatt / Korrespondent
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