Schwierige Ermittlungen
Schmiergeldprozess um den Eurofighter zieht sich

Die Ermittlungen im Schmiergeldskandal um den Eurofighter-Deal mit Österreich werden erst im kommenden Jahr beendet. Viele Zeugen arbeiten nicht mehr bei EADS - und wollen sich nicht mehr an der Aufarbeitung beteiligen.
  • 2

MünchenDie Ermittlungen zum Verdacht von Schmiergeldzahlungen bei dem Verkauf von Eurofightern an Österreich ziehen sich in die Länge. Wie ein EADS-Sprecher dem Handelsblatt (Mittwochausgabe) bestätigte, sind Ergebnisse der internen Ermittlungen wohl erst Anfang kommenden Jahres zu erwarten - und damit später als erwartet. Als Grund nennt der Sprecher die komplexen Zeugenvernehmungen. Einige der damaligen Akteure sind zudem aus dem Unternehmen ausgeschieden und offenbar wenig willig an der Aufarbeitung der Affäre mitzuwirken. Zudem sei es schwierig, die Daten und Akten des Geschäftes zusammenzutragen, so das Unternehmen. EADS hat mit der Aufarbeitung des Falles die Anwaltskanzlei Clifford Chance beauftragt.

Die Staatsanwaltschaften in Wien und München ermitteln seit November 2012 gegen EADS, das Industriekonsortium Eurofighter und 14 Beschuldigte. Der Verdacht lautet auf Schmiergeldzahlungen bei dem Verkauf von Kampfflugzeugen an das österreichische Militär. Die Staatsanwälte interessieren sich insbesondere für vertraglich vereinbarte Kompensationsgeschäfte, mit denen sich die EADS verpflichtet hat, Waren und Dienstleistungen im Wert von 3,5 Milliarden Euro in Österreich zu bestellen. Der Verdacht der Ermittler: Für einige der Zahlungen hat es keinen realen Gegenwert gegeben. EADS-Chef Tom Enders hatte Ende 2012 eine schnelle Aufklärung versprochen.

Zugleich kündigt EADS-Chef Enders eine Straffung des Eurofighter-Konsortiums an. „Eurofighter ist heute weniger integriert als Airbus in den 80er Jahren“, sagt EADS-Chef Tom Enders dem Handelsblatt. Enders hat bereits Gespräche mit seinen Partnern Alenia und BAE Systems aufgenommen, um die Strukturen zusammenzuführen und die Kosten zu senken. „Jetzt muss es darum gehen, den Eurofighter wettbewerbsfähig zu machen und verstärkt Exportchancen zu suchen, wie beispielsweise in Südkorea oder in den Vereinigten Arabischen Emiraten.“

Die weltweite Vermarktung des Eurofighters ist Sache der einzelnen Partnerfirmen. Ohne den Export des Kampfjets droht der Produktion im Jahr 2018 das Aus, wenn die Bundeswehr die letzte bestellte Maschine abgenommen hat. Bislang waren die Exporterfolge überschaubar: So gelang es BAE Systems die Maschine an Saudi Arabien und den Oman zu verkaufen. EADS verlor 2012 eine Ausschreibung in Indien an den Konkurrenten Dassault Rafale. Österreich ist bislang der einzige EADS-Exporterfolg.

Kommentare zu " Schwierige Ermittlungen: Schmiergeldprozess um den Eurofighter zieht sich"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Obacht!

    Diese widerliche, korrupte Handelsblättchen-Redaktion hat das aktuelle Thema zu AfD geschlossen!!!

    Machen Sie nur so weiter Herr Oliver Stock, Sie Möchtegern Mona Lisa der Presselandschaft!!!

    Mann, sind Sie peinlich!!!

    Pfui Deibel!!!

  • Sicherlich muss da noch Einiges geschräddert werden bevor man etwas an die Staatsanwaltschaft übergeben kann. Aber ich denke es ist eh alles egal. Holt mich ab.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%