„Schwierige Verhandlungen“: Gnadenfrist für Opel Bochum

„Schwierige Verhandlungen“
Gnadenfrist für Opel Bochum

Jetzt ist es offiziell: GM gewährt dem Standort Bochum eine Gnadenfrist bis 2016. Damit können sich die Gewerkschaften nur teilweise durchsetzen. Der Konflikt mit der eigenen Belegschaft ist damit vorerst abgewendet.
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Rüsselsheim/BochumDie IG Metall hat sich mit dem kriselnden Autohersteller Opel auf einen Zukunftsplan für die deutschen Werke verständigt. Für den bedrohten Ruhrgebietsstandort Bochum sehe die Vereinbarung vor, dass auch nach dem Ende der Autoproduktion ab Ende 2016 dort "weiterhin mindestens eine vierstellige Zahl hochwertiger Industriearbeitsplätze erhalten bleiben solle", teilte die IG Metall am Donnerstag in Frankfurt am Main mit. Der Betrieb solle von drei auf zwei Schichten umgestellt werden, wofür 700 Beschäftigten Abfindungen angeboten würden. Im Werk Bochum arbeiten 3300 Menschen.

Die abgeschlossene Vereinbarung für Opel in Deutschland umfasse einen Zeitraum von zehn Jahren bis Ende 2022, erklärte Opel-Betriebsratschef Wolfgang Schäfer-Klug. Betriebsbedingte Kündigungen im Unternehmen seien bis Ende 2016 ausgeschlossen. Der Standort Bochum werde umgebaut. Künftig würden dort Teile für Opel hergestellt und die Logistik abgewickelt. Auch für die anderen Werke sei eine "konkrete Zukunftplanung und -absicherung" vereinbart worden.

"Wir müssen zwar noch Details regeln und die Vereinbarungen in einen Tarifvertrag und Betriebsvereinbarungen gießen, aber im Grundsatz ist das jetzt der Durchbruch", erklärte Schäfer-Klug. Mit den jetzt erreichten Vereinbarungen habe die Schließung des Standorts Bochum verhindert werden können, betonte er.

Mit dem Ende der Autoproduktion werde den Beschäftigten für zwei Jahre der Übergang in eine Transfergesellschaft angeboten, sagte der Gesamtbetriebsratsvorsitzende. Zuletzt beschäftigte Opel noch rund 3300 Menschen in Bochum.

Nach Betriebsratsangaben wurden auch alle Überlegungen begraben, die zentrale Fertigungsplanung oder den Prototypenbau von der Rüsselsheimer Zentrale an Fremdfirmen zu vergeben oder ins Ausland zu verlagern. Im Ingenieursbereich galten deshalb 700 Jobs als bedroht. Das sei nun vom Tisch, sagte Schäfer-Klug: „Im Engineering bleiben alle Stellen erhalten.“

Der Bochumer Opel-Betriebsratsvorsitzende Rainer Einenkel hat den Sanierungsplan kritisiert. Für das Bochumer Opel-Werk enthalte die Rahmenvereinbarung nichts außer Absichtserklärungen, sagte Einenkel. Er habe gegen die Vereinbarung gestimmt, „weil alle Punkte für Bochum weiterhin offen sind“. Es bestehe die Gefahr, dass 2016 mehr als 2000 Menschen in Bochum vor einer Kündigung stehen. „Das muss doch vorher geklärt werden.“ Das Management habe auf seine Fragen aber keine Antworten gegeben.

Seit Juni 2012 hatten das Management, die IG Metall und der Betriebsrat über ein Sparprogramm für den defizitären Autobauer verhandelt. Opel leidet unter der Absatzkrise in Europa, fährt massive Verluste ein und muss die Kosten daher drücken. Die US-Mutter General Motors (GM) erwartet zur Mitte des Jahrzehnts wieder schwarze Zahlen in Europa.

Davon ist Opel noch weit entfernt: Im vergangenen Jahr schrieb GM in Europa einen operativen Verlust von 1,8 Milliarden Dollar (1,3 Mrd Euro). Allein im Schlussquartal verloren die Amerikaner auf dem schwierigen europäischen Markt rund 700 Millionen Dollar - und damit genauso viel wie im gesamten Jahr 2011.
Auch 2013 dürfte schwer werden, wie Opel-Personalvorstand Holger Kimmes erst am Montag auf einer Betriebsversammlung in Bochum sagte: „Reden wir nicht lange drum herum: Auch 2013 werden wir noch deutliche Verluste schreiben.“ Allerdings rechnet Opel mit Rückenwind durch neue Modelle wie den SUV Mokka oder den City-Flitzer Adam. Das Ergebnis solle 2013 besser ausfallen als im Vorjahr.

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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  • GM/Opel macht Profit und worum es geht ist Profitsteigerung!So krank es auch ist...das ist Kapitalismus!!!Was wir Bochumer Opelaner alles an Verzicht geleistet haben brachte uns die enttäuschende Erkenntniss wo wir jetzt stehen.Aber was wäre wenn wir Arbeiter zusammen halten?...Konzern übergreifend...Länder übergreifend.Wenn das Erwirtschaftete sinngemäß eingesetzt wird und nicht in die Yachten und Golfbälle der Aktionäre.Gruß Christian

  • Hätte mich auch nicht erpressen lassen.
    Die Arbeiter von Opel haben nun einige Mal auf Geld verzichten müssen.Merken die Opel-Leute nicht,daß GM nur die Löhne der Werker drücken will um sich selber zu bereichern.
    Eine Masche die zum Schluss nicht aufgeht.Aber das wissen Sie ja selber.Nach dem Motto,vor dem Ende nochmal abschöpfen und vor Insolvenz die bevorstehenden Allgemeinkosten reduzieren.
    Wenn es Gm ernst mit der Marke Opel meinen würde, hätte man doch schon lange die Märkte für Opel geöffnet.
    GM hat nur das eine Ziel,Ihre eigene Marke Chevrolet platz zu machen.

  • Bis es soweit ist, können ja noch Facharbeiter aus Südeuropa und Rumänien eingestellt werden...

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