Schwieriger Heimatmarkt
Windkraftbranche profitiert vom Export

Die deutsche Windkraftbranche profitiert vom weltweiten Boom in diesem Energiemarkt. „Mit 38 Prozent am weltweiten Umsatz ist die deutsche Windindustrie Spitzenreiter“, sagte Norbert Giese, Vorsitzender der Windkraftbranche im Maschinenbau-Verband VDMA und Geschäftsführer der Siemens Wind Power.

DÜSSELDORF. „Die deutschen Hersteller haben ihre Position im Weltmarkt gefestigt.“ Die deutsche Branche steigerte im vergangenen Jahr ihre Exporte von Anlagen und Komponenten nach Angaben des Verbandes um 55 Prozent auf 2,9 Mrd. Euro. „Für 2006 rechnen wir mit ähnlich guten Ergebnissen, da die Exportmärkte weiter boomen“, sagte Giese. Größte Märkte sind für die deutschen Hersteller die USA, Spanien und Indien, aber auch China, wo die neu installierte Leistung im vergangenen Jahr um 65 Prozent stieg. Allerdings liegt die gesamte Windkraft-Kapazität in China erst bei knapp 1 300 Megawatt gegenüber mehr als 18 000 Megawatt in Deutschland und 9 000 Megawatt in den USA.

Die deutsche Windkraftindustrie hat das Exportgeschäft kräftig gesteigert. Die Exportquote lag im vergangenen Jahr bei 71 Prozent gegenüber noch 59 Prozent im Jahr 2004. Damit hat das Auslandsgeschäft für diese Branche inzwischen einen gleich hohen Anteil wie im gesamten Maschinenbau.

„Die deutsche Industrie hat aus der Not eine Tugend gemacht“, sagt Patrick Hummel, Energie-Analyst bei der Landesbank Baden-Württemberg. In Deutschland wird das Geschäft zunehmend schwieriger, da die guten Standorte meist vergeben sind. Der Absatz im Inland sank für die Industrie 2005 um elf Prozent auf 1,2 Mrd. Euro. Deshalb sucht die deutsche Industrie Chancen im Ausland. Die großen deutschen Hersteller wie Nordex und Repower haben inzwischen Exportraten von über 50 Prozent. Globale Marktführer im Bau von Windkraftanlagen sind die Hersteller Vestas aus Dänemark und General Electric Wind aus den USA.

In Deutschland nahmen im ersten Halbjahr überraschend viele neue Windanlagen den Betrieb auf. Die installierte Leistung stieg auf 880 Megawatt gegenüber 510 Megawatt im ersten Halbjahr 2005. Der Verband führt dies auf Sondereffekte zurück. Durch den weltweiten Boom habe es Lieferengpässe besonders bei Turbinen gegeben, wodurch sich die Auslieferung vieler Projekte in das Jahr 2006 hinein verzögert habe. „Im zweiten Quartal wurden bereits deutlich weniger Projekte realisiert“, sagte der Geschäftsführer des Bundesverbandes Windenergie, Ralf Bischof. Für das Gesamtjahr 2006 erwartet Bischof in Deutschland eine neu installierte Leistung aus Windkraft von 1 600 bis 1 800 Megawatt gegenüber 1 808 Megawatt im vergangenen Jahr. 2004 waren es noch 2 037 Megawatt. Ende Juni standen in Deutschland rund 18 000 Windkraftanlagen, die rund 6,8 Prozent des deutschen Strombedarfs decken.

Wegen des schwierigeren Heimatmarkts haben die großen deutschen Windkraftanlagenbauer Nordex und Repower im vergangenen Jahr rote Zahlen geschrieben. „Der deutsche Markt war schwach, und im Auslandsgeschäft haben sie sich bei einigen Projekten verkalkuliert“, erläutert Analyst Hummel. Diese Schwierigkeiten seien aber behoben. Deshalb erwartet Hummel für die deutschen Hersteller im laufenden Jahr schwarze Zahlen.

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