Sechs Fragen an: Holger Karsten
„In China gehen immer mehr Kostenvorteile verloren“

Holger Karsten ist Leiter des Automobilbereichs bei Spencer Stuart. Im Gespräch mit dem Handelsblatt erklärt der Manager, warum es in China einen Mangel an Führungskräften gibt und wie ausländische Konzerne ihre Spitzenkräfte halten können.

Hersteller in China klagen über einen großen Mangel an Führungskräften. In welchen Unternehmensbereichen ist die Not am größten?

Es geht eigentlich um obere Führungskräfte in allen Bereichen: Entwicklung, Produktion, Qualitätskontrolle, aber auch im Finanzwesen und im Marketing.

China bildet jedes Jahr ein riesiges Heer an Managern und Ingenieuren aus. Wie passt das zusammen?

Ja, es gibt in der Volksrepublik sehr viele Absolventen. Aber damit sind sie noch lange nicht geeignet für den Managermarkt. Bis sie in Top-Positionen kommen können, dauert das seine Zeit. Bei allem Fortschritt: Chinas Umstellung von einer Planwirtschaft in eine Marktwirtschaft ist ein sehr langer Weg.

Dann ist alles nur eine Frage der Zeit?

Nicht nur. Die Abgänger von Chinas Universitäten sind sehr gut, das ist keine Frage. Aber es fehlt oft an Kommunikationsfähigkeiten und an Berufserfahrung. Darum suchen ausländische Autohersteller in China verzweifelt Talente.

Spielen auch die andere Unternehmenskultur und Sprachhürden eine Rolle?

Sicher, der Stil in Chinas Firmen kennt noch immer selten Eigenverantwortung, Teamgeist und Kritik. Die Sprache ist dagegen nicht das größte Problem für ausländische Autohersteller, ergab unsere Studie. Hauptschwierigkeit ist der Mangel an fachlichen Kompetenzen.

Welche Folgen hat die hohe Fluktuation im Topmanagement?

Zunächst einmal geht dadurch der Kostenvorteil am Standort China verloren. Ein Wechsel im Topmanagement kostet im Schnitt ein Jahresgehalt, diese Regel gilt überall auf der Welt. Bei ständigen Abgängen wie in China wird das richtig teuer.

Wie können ausländische Konzerne ihre Führungskräfte halten?

Die Firma wird in China immer noch als Familie verstanden. Es ist wichtig, dass die Führungskräfte vor Ort dies verstehen. Die deutschen Autobauer zum Beispiel müssen der Belegschaft klar machen, dass wirklich alle Aufstiegschancen im Unternehmen haben. Das ist noch längst nicht immer der Fall. Deutsche Marken haben vor Ort noch keinen Chinesen als obersten Statthalter. In diese Richtung muss es aber gehen.

Die Fragen stellte Andreas Hoffbauer.

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