Sechs Männer auf Intensivstation
Pharmafirma betreibt Schadensbegrenzung nach Test-GAU

Ein Medikamententest hat sechs Männer in Lebensgefahr gebracht. Eine deutsche Pharmafirma hatte ein neues Mittel namens TGN 14 in Großbritannien testen lassen. Nun bemüht sich das Unternehmen um Schadensbegrenzung. Der Verband Forschender Arzneimittelhersteller sprach von einem absoluten Ausnahmefall.

HB LONDON. Das Würzburger Unternehmen Tegenero, in dessen Auftrag das Mittel in London an sechs Männern getestet wurde, habe deren Familien um Verzeihung gebeten, teilte Forschungschef Thomas Hanke mit. Er sei „schockiert“ über den Verlauf des Medikamententests. Im Versuch an Tieren seien keine entsprechenden Probleme aufgetreten. Das Medikament soll zur Bekämpfung von Multipler Sklerose, Blutkrebs und Rheuma eingesetzt werden. Alle weiteren Tests wurden gestoppt. Trotzdem rollen auf die Firma möglicherweise Millionen-Forderungen zu. Im Auftrag von Angehörigen prüft bereits eine Anwältin eine Klage.

Nach Informationen der Tageszeitung „The Times“ bekamen die Teilnehmer des Tests das Mittel gleichzeitig verabreicht, was gegen die Vorschriften sei. Widersprüchliche Angaben gab es darüber, ob es bei Tierversuchen bereits Probleme gegeben habe. Eine Freundin eines der Opfer sagte, die Firma habe zugegeben, dass bei Tests ein Hund und mehrere andere Tiere gestorben seien. Hanke entgegnete, dass es bislang keinen Grund zu Sorgen wegen der Sicherheit gegeben habe.

Die sechs Probanden liegen auf der Intensivstation eines Londoner Krankenhauses. Bei zwei Männern besteht Lebensgefahr. Der Leiter der Intensivstation des Northwick Park Hospital, Ganesh Suntharalingham, nannte eine baldige Verbesserung ihres Zustandes am Donnerstag „unwahrscheinlich“. Der Gesundheitszustand der anderen vier Intensiv-Patienten habe sich leicht verbessert. Das Mittel TGN 1412 war von dem US-Forschungsunternehmen Parexel im Auftrag von Tegenero erstmals an Menschen getestet worden.

Er habe den reinen Horror gesehen, sagte ein Testteilnehmer, der statt des Medikaments ein wirkungsloses Placebo erhalten hatte. Die sechs jungen Männer hätten sich binnen Minuten übergeben und über Kopfschmerzen geklagt. Kopf und Hals eines 21-jährigen seien auf das dreifache der normalen Größe angeschwollen, schilderten Angehörige. Die Freundin eines Probanden hatte der BBC erklärt, alle inneren Organe des Mannes hätten versagt. Mit dem deutlich angeschwollenen Kopf sehe ihr Freund aus „wie der Elefantenmann“, eine Figur aus einer Monströsitätenschau des viktorianischen Großbritanniens, bei der der Schädel breiter als die Taille war.

Für den Versuch hatten sich am Montag in einer Klinik des US- Konzerns Parexel insgesamt acht Männer im Alter von 18 bis 40 Jahren freiwillig das neue Mittel verabreichen lassen. Als Gegenleistung sollten sie umgerechnet 2 900 Euro bekommen. Wie bei solchen Versuchen üblich, erhielten zwei der Männer nur ein Placebo-Präparat ohne Wirkung. Die anderen sechs mussten innerhalb von wenigen Stunden auf die Intensivstation gebracht werden.

Seite 1:

Pharmafirma betreibt Schadensbegrenzung nach Test-GAU

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%