Sechs Mitglieder des Kontrollgremiums gehen
IWKA-Aufsichtsräte flüchten vor Wyser-Pratte

Die sechs Vertreter der Anteilseignerseite des Karlsruher Anlagenbauers IWKA haben ihren Rücktritt angekündigt und den Machtkampf mit den Investoren um den US-Bürger Guy Wyser-Pratte aufgegeben.

HB STUTTGART. Finanzvorstand Hans Lampert signalisierte angesichts drohender Verluste Bereitschaft zu der von den Anlegern verlangten tief greifenden Bereinigung des Portfolios. Der streitbare Großaktionär Wyser-Pratte, der Anfang Juli erneut ultimativ eine Neubesetzung des Aufsichtsrates gefordert hatte, äußerte in einem Interview mit der „Stuttgarter Zeitung“ (Samstagausgabe) Genugtuung über den Schritt und sieht sich in seinem Drängen auf einen Strategiewechsel vor dem Ziel: „Heute ist ein guter Tag für die IWKA. (...) Die Drei-Säulen-Strategie ist tot.“ Er erwäge, selbst für den Aufsichtsrat zu kandidieren. „Vielleicht nehme ich dafür sogar einen Deutschkurs“, sagte der Investor, der nach eigenen Angaben 6,5 Prozent an IWKA hält.

Ein neuer Aufsichtsrat soll spätestens Ende Oktober auf einer außerordentlichen Hauptversammlung gewählt werden. Bis dahin wollen Aufsichtsratsvorsitzender Reinhard Engel - ehemals stellvertretender Vorstandschef des Heizungsbauers Buderus - und seine fünf Kollegen im Amt bleiben. Die Kritik von Wyser-Pratte hatten insbesondere die ehemaligen Automanager Jürgen Hubbert (Mercedes) und Volker Doppelfeld (BMW) auf sich gezogen. Er warf ihnen Interessenkonflikte vor. Wyser-Pratte hatte bereits vor der Hauptversammlung Anfang Juni Engel und Hubbert zum Rücktritt aufgefordert, seinen Antrag nach dem Rücktritt von Vorstandschef Hans Fahr aber zurückgezogen. Vorstand und Aufsichtsrat waren von den Aktionären nicht entlastet worden.

Ein neuer Vorstandschef soll rasch gefunden werden. Er habe bereits einen Wunschkandidaten, sagte Wyser-Pratte, ohne einen Namen zu nennen. „Da wird es sehr schnell eine Entscheidung geben“, kündigte er an. In den Aufsichtsrat solle unter anderem der frühere Bosch-Manager Rainer Beutel (45) einziehen. Wyser-Pratte drängt seit mehr als eineinhalb Jahren auf den Verkauf des Bereichs Verpackungstechnik und hat dafür mehr und mehr Mitstreiter - vor allem ausländische Finanzinvestoren - um sich geschart. IWKA solle auf die Robotersparte beschränkt werden, der Umsatz würde damit auf eine bis 1,2 Milliarden Euro von zuletzt 2,1 Milliarden schrumpfen. „Wir werden uns endlich auf das margenstarke Kerngeschäft mit Robotern konzentrieren, also vor allem auf Kuka“, sagte er. IWKA und Kuka seien falsch geführt worden.

Finanzvorstand hält an Drei-Säulen-Konzept fest

Finanzvorstand Lampert stellte nach einer außerordentlichen Aufsichtsratssitzung eine gründliche Überprüfung des Portfolios von IWKA in Aussicht, hält aber an den drei Geschäftsfeldern Roboter-, Automobil- und Verpackungstechnik fest. Das bedeute aber nicht, dass die Sparten unverändert bleiben müssten, sagte Lampert. Es gehe darum, „ob jeder Baustein nach wie vor den Anforderungen des Konzerns gerecht wird beziehungsweise für die Erreichung unserer strategischen Ziele erforderlich ist“, betonte er.

Im Kern der Überlegungen steht die schwäbische Ex-Cell-O, die Maschinen für die Antriebsfertigung baut. Zunächst sei ein striktes Sparprogramms geplant, und auch einen Verkauf schloss Lampert nicht aus. Dies könne das Ergebnis des Konzerns um einen zweistelligen Millionenbetrag belasten. Großprojekte führten bei Ex-Cell-O zu erheblichen Mehraufwendungen.

Wegen des verschärften Margenverfalls und der Verschiebung von Aufträgen in der Robotertechnik droht dem Karlsruher Konzern 2005 nach eigenen Angaben sogar ein Verlust. Erst 2006 sei mit einer Stabilisierung der Auftragslage zu rechnen, teilte IWKA am Freitagabend mit. Die Umsatzrendite vor Steuern und Zinsen (Ebit-Marge) werde voraussichtlich auf zwei Prozent schrumpfen. 2004 hatte IWKA noch 4,8 Prozent erreicht. IWKA ist zu rund 60 Prozent von der Automobilindustrie abhängig, die mit schwacher Nachfrage zu kämpfen hat.

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