Selbstheilung statt Gift

Körper, wehr dich!

Statt mit Gift behandelt zu werden, soll sich der Körper von Krebserkrankten bald selbst helfen können. Pharmafirmen wie Roche kommen bei der Suche nach Mitteln voran, die das Immunsystem zur Abwehr von Tumoren stärken.
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Statt auf Gift setzen Pharmakonzerne auf die körpereigene Abwehr und Selbstheilung Quelle: Imago JOKER
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Statt auf Gift setzen Pharmakonzerne auf die körpereigene Abwehr und Selbstheilung

Düsseldorf, FrankfurtFür viele Krebserkrankte ist es ein Hoffnungsschimmer, für die Pharmaindustrie ist es ein umkämpfter Markt: Die Erforschung neuartiger Medikamente gegen Krebs macht große Fortschritte. Es geht um eine vollkommen neue Art der Bekämpfung dieser Krankheit. Die so genannte Immuntherapie zielt darauf ab, dass sich der Körper selbst gegen die Tumorzellen erfolgreich wehrt – ein Weg, den viele Forscher für den besten Weg im Kampf gegen Krebs halten. Denn das eigene Immunsystem ist grundsätzlich stark genug, gegen Tumore anzugehen. Allerdings erkennt unser Körper bislang diese Gefahr nicht. Der Krebs ist listig.

Die größten Pharmakonzerne der Welt
Platz 20: Astellas
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Gemessen am reinen Pharmaumsatz ist Astellas die Nummer zwei der japanischen Pharmaindustrie. Der Schwerpunkt liegt auf Transplantationsmedizin, Onkologie und Antiinfektiva. Die Japaner kamen im vergangenen Jahr auf einen Umsatz von 11,1 Milliarden Dollar.

Platz 19: Boehringer
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Das Labor von Boehringer Ingelheim: Der zweitgrößte deutsche Pharmakonzern ist fest in Familienhand. Die Schwerpunkte liegen auf Mittel gegen Atemwegserkrankungen wie etwa das Lungenmittel Spiriva. Ein weiteres bekanntes Mittel ist Pradaxa, das zur Thrombose-Prävention eingesetzt wird. Geschätzter Umsatz 2015: 12,6 Milliarden Dollar.

Platz 18: Takeda
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Takeda ist der größte japanische Pharmahersteller und bietet Mittel in verschiedenen Therapiegebieten. Die Japaner haben sich 2014 durch die Fusion mit Nycomed deutlich vergrößert und kamen voriges Jahr auf einen Pharmaumsatz von 13,8 Milliarden Dollar.

Platz 17: Allergan
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Allergan hieß früher einmal Actavis und ist unter anderem Hersteller von Botox. 2015 machte das Unternehmen einen Umsatz von 15,1 Milliarden Dollar.

Platz 6: Bayer
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Der größte deutsche Pharmakonzern hat sich im Gegensatz zu dem Jahr 2015 um ganze zehn Platze verbessern können. Der Umsatz 2017: 43,1 Milliarden Dollar. Top-Produkte sind beispielsweise der Gerinnungshemmer Xarelto und das Augenmedikament Eylea.

Platz 15: Novo Nordisk
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Die Produktion von Langzeitinsulin der Firma Novo Nordisk: Der dänische Arzneihersteller ist einer der weltweit führenden Anbieter von Mitteln gegen Diabetes. Er kam im vergangenen Jahr auf einen Umsatz von 16,1 Milliarden Dollar.

Platz 14: Bristol-Myers Squibb
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Der New Yorker Konzern hat seinen Schwerpunkt bei Mitteln gegen HIV und in der Immunologie, aber auch in der Onkologie. Der Pharmaumsatz lag 2015 bei 16,6 Milliarden Dollar.

Die Pharmabranche arbeitet weltweit an Medikamenten, die das Immunsystem gegen Krebs aktivieren können und kommt dabei voran. Das lässt sich an der wachsenden Zahl positiver Studien aus den Wirkstofftests ablesen. Am Dienstag meldete der Schweizer Arzneihersteller Roche einen Erfolg in der zweiten Studienphase einer Immuntherapie zur Bekämpfung von Lungen- und Blasenkrebs.

Der Wirkstoff mit dem Namen Atezolizumab hat demzufolge in Tests an Menschen seine Wirksamkeit bewiesen. Bei den behandelten Patienten, die an einem nicht-kleinzelligen Bronchialkarzinom leiden, sei der Tumor geschrumpft, teilte Roche mit.

An diesem Beispiel lässt sich die Wirkung der Immuntherapie gut beschreiben. Krebszellen sind listig. Sie gaukeln dem Körper vor, dass es sich bei ihnen um körpereigenes Gewebe handelt, das nicht bekämpft werden muss. Das schaffen sie mit Hilfe von Rezeptoren. Der neue Wirkstoff von Roche blockiert nun offensichtlich mit Erfolg ein Protein, das den Angriff des Körpers auf den Tumor bislang verhindert.

Der Konzern will das Mittel nun schnellstmöglich auf den Markt bringen. Entscheidend dabei ist die Zulassung in den USA durch die dortige Gesundheitsbehörde FDA. Sie hat der Immuntherapie von Roche bereits den Status der so genannten Breakthrough Therapy gegeben. Dies bekommen nur Wirkstoffe, von denen ein Durchbruch bei der Behandlung einer Krankheit erwartet wird. Analysten gehen davon aus, dass Roche bereits in den kommenden Monaten einen Zulassungsantrag für Atezolizumab stellen könnte. Ob und wann das Mittel auf den Markt kommt, ist aber auch nach dem jetzt erzielten Fortschritt noch offen.

Immuntherapie im Kampf gegen Krebs
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