Selbsthilfeeinrichtung der Wirtschaft
Konzerne bluten für Arcandor-Pleite

Die steigende Zahl von Firmenpleiten reißt große Löcher in die Kassen des Pensions-Sicherungs-Vereins (PSV).

mjh KÖLN.Die steigende Zahl von Firmenpleiten reißt große Löcher in die Kassen des Pensions-Sicherungs-Vereins (PSV). Vorstand Martin Hoppenrath kündigte gestern auf der Mitgliederversammlung des PSV in Köln eine drastische Erhöhung der Beitragssätze von 0,18 Prozent auf 1,35 Prozent für 2009 an. Damit würde der bisherige Gesamtbeitrag der Mitglieder von 506 Mio. auf fast 3,8 Mrd. Euro steigen. Das ist der höchste Beitrag in der Geschichte der 1974 gegründeten Selbsthilfeeinrichtung der Wirtschaft.

Allein als Folge der Insolvenz des Handels- und Touristikkonzerns Arcandor rechnet der PSV nach eigenen Angaben mit mindestens einer Mrd. Euro Schaden in diesem Jahr. Den ersten Großschaden in Höhe von einer Mrd. Mark musste der PSV 1982 mit der AEG-Pleite verkraften. Damals betrug der Beitragssatz 0,69 Prozent.

Auf Industriekonzerne wie etwa Thyssen-Krupp kommen zusätzliche Belastungen in mittlerer zweistelliger Millionenhöhe zu. Denn der Beitrag für den PSV richtet sich nach der Höhe der Pensionsrückstellung in der Steuerbilanz. Im Jahr 2008 zahlten die 73.100 Mitgliedsunternehmen einen Durchschnittsbeitrag von 7.000 Euro. Allerdings sind die Lasten ungleich verteilt: Nur sechs Prozent der Mitglieder mussten 90 Prozent der Beiträge aufbringen.

Bereits bis Ende Juni ist der PSV von 463 Insolvenzen betroffen. Das bedeutet einen Anstieg zum Vorjahreszeitraum von 80 Prozent. Allein für die Betriebsrentner aus den Neuinsolvenzen dieses Jahres muss der PSV nach eigenen Angaben 2,9 Mrd. Euro aufwenden.

Der PSV ist der gesetzliche Träger der Insolvenzsicherung der betrieblichen Altersversorgung. Er gewährleistet die Zahlung der Betriebsrenten bei der Insolvenz eines Unternehmens. Zu den Versorgungsberechtigten zählen Betriebsrentner, aktuelle Beschäftigte sowie ausgeschiedene Mitarbeiter, die mit Eintritt ins Rentenalter Ansprüche auf Betriebsrente haben. Endgültig beschlossen wird der Beitragssatz im November.

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