Senseo-System
Nestlé geht mit Kaffeepads fremd

Der Schweizer Nahrungsmittelmulti Nestlé hat sein Kaffeeangebot auf dem deutschen Markt erweitert. Ab Ende August bringt die Nestlé Erzeugnisse GmbH Kaffeepads für die Senseo-Kaffeemaschinen des niederländischen Konsumgüterherstellers Philips auf den Markt.

VEVEY. Der Schweizer Nahrungsmittelmulti will am Erfolg des Konkurrenten Senseo (Philips/Sara Lee) partizipieren. „Wir schließen damit eine Lücke auf dem Markt für Einzelportionen“, sagte Marc-Aurel Boersch, Vertriebsgeschäftsführer der deutschen Nestlé-Tochter, dem Handelsblatt. Philips hat allein in Deutschland bisher rund fünf Millionen Senseo-Systeme verkauft. Zwar arbeiten die Niederländer eng mit dem US-Konzern Sara Lee zusammen, der Pads der niederländischen Kaffee-Marke „Douwe Egberts“ liefert. Doch für das System besteht kein Patentschutz, so dass auch alle anderen Kaffee-Anbieter, von Jacobs über Dallmayr bis hin zur Handelsmarke von Aldi, kompatible Pads herstellen.

Jedoch möchte Nestlé nicht im Niedrigpreis-Sektor den Wettbewewerb mit den Discountern aufnehmen, sondern liefert mit „Nescafé Capuccino“, „Caffé Latte“ und „Choco“ drei Produkte auf Milchschaumbasis, die das Prädikat „Premium“ beanspruchen. Zwar bieten auch schon andere Hersteller ähnliche Produkte, die meist aus zwei Komponenten bestehen, an. Doch die Schweizer setzen auf ihre ausgefeilte Lebensmitteltechnologie, die dem Milchschaum der Fertiggetränke nach eigenen Angaben eine außergewöhnliche Stabilität verleiht.

Außerdem haben die Nestlé-Leute den Begriff „Löffelschaum“ beim Deutschen Patent- und Markenamt in München schützen lassen. Mit diesem Schachzug wollen sie vor allem auf dem deutschen Markt punkten. „70 Prozent des Kaffees in Deutschland wird mit Milch getrunken“, weiß Lars Wöbcke, Marketing-Direktor der deutschen Nestlé-Tochter. In den Coffeeshops hier zu Lande führten die Kaffee-Varianten "Latte Macchiato" und "Cappuccino" die Rankings an, hätten die Marktforscher von Nestlé herausgefunden.

„Löffelschaum auf Knopfdruck“ liefert auch das Tassen-System „Nescafé Dolce Gusto“, das Nestlé vor zehn Monaten auf den deutschen Markt brachte. Bis Ende Juni verkaufte Maschinen-Partner SEB (Krups) mehr als 125 000 Geräte für patentgeschützte Kaffee-Kapseln auf dem deutschen Markt. Damit setzte sich das Nestlé-System in nur kurzer Zeit hinter dem „Eigengewächs“ Nespresso und dem Konkurrenzprodukt Tassimo von Kraft Foods wertmäßig auf Rang drei in Deutschland – mit steigender Tendenz. Rechtzeitig zum Weihnachtsgeschäft wird das "Nescafé-Dolce-Gusto"-Maschinenangebot um eine silberfarbene Variante erweitert.

Wenig Datenmaterial über sein Kapsel-System Cafissimo liefert hingegen der Kaffee- und Konsumgüterhändler Tchibo. In der Hamburger Konzernzentrale werden genaue Zahlen als „Betriebsgeheimnis“ eingestuft. Doch Branchenkenner schätzen unwidersprochen, dass seit Anfang 2005 bisher rund 500 000 Cafissimo-Geräte in den Tchibo-Filialen verkauft wurden.

Da Portionssysteme für Kaffee offenbar beliebte Weihnachtsgeschenke sind, wird Nestlé im letzten Jahresquartal seine Marketing-Anstrengungen noch einmal erhöhen. Von einem zweistelligen Millionenbetrag oberhalb von zehn Millionen Euro für Werbeaufwendungen ist in der deutschen Nestlé-Zentrale in Frankfurt die Rede.

Dass der Boom bei den Einzelportionen samt Geräten noch lange nicht vorbei ist, leiten die Nestlé-Experten auch von der demografischen Entwicklung ab: Denn schließlich nimmt die Zahl der Single-Haushalte, die allesamt zu den potenziellen Kunden zählen, weiterhin deutlich zu.

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