Sensibles Geschäft
Araber werfen ihr Netz nach U-Boot-Bauer HDW aus

Der arabische Schiffbauer Abu Dhabi Mar will beim Kieler U-Boot-Bauer Howaldtswerke Werft-Deutsche (HDW) einsteigen. Im Gespräch ist eine Beteiligung von 24,9 Prozent an dem zu Thyssen-Krupp gehörenden Unternehmen, wie das Handelsblatt aus Kreisen der beteiligten Unternehmen erfuhr. Die Bundesregierung hat jedoch ernste Bedenken.
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PARIS/DÜSSELDORF/BERLIN. Ein Sprecher von Abu Dhabi Mar bestätigte ein Interesse seiner Gesellschaft: "Im Zuge der Due Diligence von Blohm+Voss haben wir auch über eine Beteiligung an HDW gesprochen", sagte er. Zu Details hielt er sich bedeckt. Thyssen-Krupp äußerte sich nicht dazu.

Den Kreisen zufolge ist Thyssen-Krupp offen für die Avancen der Araber. Das Unternehmen wolle aber zunächst abwarten, wie die Zusammenarbeit bei den Überwasserschiffen anlaufe, hieß es. Mitte Oktober hatte Thyssen-Krupp den Verkauf von weiteren Teilen der Hamburger Traditionswerft Blohm+Voss an den Werftenkonzern aus dem Emirat Abu Dhabi angekündigt. Neben diesem zivilen Geschäft vereinbarten die Konzerne eine enge Zusammenarbeit bei Fregatten und Korvetten.

Anders als bei den Überwasserschiffen will Thyssen-Krupp bei den U-Booten jedoch aus politischen Gründen die alleinige Führung behalten. Die Beteiligung liege daher knapp unter 25 Prozent, ein Mitspracherecht habe Abu Dhabi nicht, hieß es. Thyssen-Krupp will damit mögliche Bedenken der Bundesregierung entkräften, bevor der Konzern überhaupt den Antrag auf Genehmigung des Deals stellt. Denn bei einem Rüstungsunternehmen wie HDW könnte Berlin den Einstieg eines ausländischen Investors aus Gründen der nationalen Sicherheit untersagen.

Angst vor Ausverkauf exklusiver deutscher Technologie

Im Jahr 2004 hat der Bund ein Vetorecht für Beteiligungen an deutschen Waffenschmieden im Außenwirtschaftsgesetz festgeschrieben. Hintergrund war der damals drohende Verkauf von HDW an einen US-Konkurrenten. Eigner der Werft war der amerikanische Finanzinvestor One Equity Partners (OEP). Im Jahr 2005 schlüpfte HDW unter das Dach von Thyssen Marine Systems-Krupp (TKMS); an der neuen Gruppe war OEP bis zum Jahresanfang mit 25 Prozent beteiligt.

Auch diesmal hält sich die Begeisterung der Regierung in Grenzen - die bereits einen Verkauf an französische Investoren aus industriepolitischen Gründen abgelehnt hatte. Im Verteidigungsministerium gab es auch Bedenken gegen den Blohm+Voss-Deal. Im Falle der U-Boote wird der Ausverkauf exklusiver deutscher Technologie etwa des U-Boot-Antriebs befürchtet.

Das Geschäft ist auch deshalb sensibel, weil sowohl Israel als auch Ägypten in Berlin angefragt haben, ob sie U-Boote von HDW kaufen können. Bei einem Einstieg der Scheichs bei HDW könnte das Geschäft etwa mit den Israelis noch komplizierter werden. Andererseits wird im Kanzleramt durchaus eingeräumt, dass die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) berechtigtes Sicherheitsinteresse haben.

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  • Die Vorbehalte der bR sind durchaus angebracht. Die HDW gehört zu den deutschen Rüstungsschmieden. Gerade um U-bootbau sind die weltweit führend. Hier sollte niemand leichtfertig und aus rein monetären Gründen handeln, sondern durchaus im nationalen Sinn. Eines Lockmittels, um U-boote beauftragen zu können, bedarf es nicht. ich kann mir gut vorstellen, daß die HDW den Emiraten ihre U-boote auch so verkaufen, wenn die bR und andere Kreise dies für richtig halten bzw. sich nicht dagegen sperren.

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