Sergio Marchionne: Kapitän im Auge des „Carmageddons"

Sergio Marchionne
Kapitän im Auge des „Carmageddons"

Kein Automanager hat das Jahr geprägt wie Fiat-Chef Marchionne. Mitten im „Carmageddon“, wie er die Autokrise nennt, wechselte er mutig den Kurs. Fraglich ist aber, ob er auch die Stürme im neuen Jahr umschiffen kann.
  • 5

DüsseldorfEs mag dieses Jahr erfolgreichere Automanager gegeben haben als Sergio Marchionne: VW-Chef Martin Winterkorn beispielsweise, der die Marktanteile der Wolfsburger in der Krise gesteigert hat und mit einem Investitionsprogramm von 50 Milliarden Euro nun die Weltspitze ins Visier nimmt. Oder BMW-Chef Norbert Reithofer, der im Dreikampf der Premiumhersteller nicht nur die Spitzenposition behauptet – sondern den Vorsprung sogar ausgebaut hat. Doch kein Automanager hat das Jahr 2012 so geprägt wie der Fiat-Chef Sergio Marchionne.

Keiner verkörpert das Auf und Ab der Autoindustrie besser: die Wiedergeburt des US-Marktes genauso wie die Krise in Europa. Und kein Manager hat im Jahr 2012 stärker polarisiert als der Italo-Kanadier. In der Heimat wurde er angefeindet für seinen Sparkurs, im Ausland lieferte sich der freundlich-zahm wirkende Manager bissige Wortgefechte mit der scheinbar übermächtigen Konkurrenz.

Vor allem hat Marchionne als Kapitän im Auge des Orkans einen kühlen Kopf bewahrt, Gefahren früher erkannt als die Konkurrenz bei PSA und GM – und im Notfall umgesteuert. Bereits Ende 2011 schloss er die Fiat-Werke auf Sizilien. Seitdem wird er nicht müde zu betonen, dass weitere Werke in Europa geschlossen werden müssen. Mit dem Aussprechen der unangenehmen Wahrheit hat er nicht nur die Wut seiner Landsleute auf sich gezogen, selbst alte Freunde und Weggefährten wie der Lederwaren-Unternehmer Diego Della Valle greifen Marchionne öffentlich an.

Von nationalen Animositäten ließ sich Marchionne allerdings nicht beeindrucken, er blieb stets der Mann der rationalen Realitäten. Und die sehen düster aus: Fiat hat zuletzt in Europa einen Verlust von 700 Millionen Euro vorgelegt, die italienischen Werke sind gerade einmal zu 54 Prozent ausgelastet. Der Autoabsatz in Europa ist so niedrig wie seit 1995 nicht mehr. Im neuen Jahr ist keine Besserung in Sicht: Die europäische Schuldenkrise dürfte die Automärkte weiter belasten, prognostiziert Branchenexperte Ferdinand Dudenhöffer. „Das Jahr 2013 wird nach unserer Prognose die schlechtesten Autoverkäufe seit 1993 bringen“, heißt es in einer Studie seines Center Automotive Research (CAR) der Uni Duisburg-Essen. Auch der Verband der deutschen Automobilindustrie (VDA) prognostiziert für Westeuropa einen Absatz von 11,4 Mio. Neuwagen, das wären drei Prozent weniger als 2012 - und der schlechteste Wert seit 20 Jahren.

Weil in Europa kein Geld mehr zu verdienen ist, will Marchionne den Fiat-Konzern, den automobilen Stolz der Italiener, in einen internationalen Autokonzern umbauen. Einst prognostizierte der Manager, dass Autokonzerne nur überlebensfähig seien, wenn sie mindestens fünf bis sechs Millionen Autos im Jahr verkaufen. Deswegen buhlte er um neue Kooperationspartner - jedoch vergeblich. PSA und General Motors gaben Marchionne einen Korb - und kooperierten stattdessen miteinander. Mittlerweile ist Marchionne sogar bereit, seine eigenen Dogmen über Bord zu werfen.

Seite 1:

Kapitän im Auge des „Carmageddons"

Seite 2:

Radikaler Umbau

Seite 3:

High Noon in Paris

Kommentare zu " Sergio Marchionne: Kapitän im Auge des „Carmageddons""

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 7:30 bis 21 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Marchionne versteht nichts von Autos und warscheinlich auch von allem Anderen nichts. Er ist ein Blender und so gesehen ist er einer von vielen heute und bezeichnend für diese dekadente Zeit. Auf der anderen Seite befinden sich gleichfalls inkompetente Aktionäre, die in ihrer Verlegenheit keine Alternative wüssten. Und so nimmt das Unheil halt seinen Lauf.

  • Ein weiteres Problem bei Fiat ist auch, dass im Gegensatz zu VW die Marke immer noch zu stark mit billig Autos identifiziert wird und darunter leiden dann auch Lancia und Alfa Romeo auf welche das Fiat image abfärbt, Ferrari und Maserati haben da weniger bis keine probleme obwohl das technisch auch Fiat Autos sind in etwa so wie Audi und Porsche zu VW gehoeren. Bei VW ist dieses billig-image spätestens seit Ende der 90ern nicht mehr der Fall und die Marken VW und Audi konvergiernen zunehend. Dabei war das bis etwa 1970 noch umgkehrt wo VW nur wirlkiche Volkswagen produzierte und Fiat neben den Kleinwagen auch noch in der oberen Mittelklasse present war, mit Modellen wie Fiat 2100 und Fiat 2300 und sogar erfolgreiche Cabrios produzierte wie den 1600 spider und 124 spider. Darum sollten Modelle wie etwa Panda und Punto zumindest in Europa in Zukunft unter andern Marken Namen laufen (etwa IVECO, OM, Autobianchi oder aehnlichem was noch zu Fiat gehört) wie das VW mit Skoda/Seat macht oder Renault mit Dacia, zugleich sollten die andern Modelle unter dem Fiat Namen was Leistung, Technick und Design angeht dort angesiedelt werden wo derzeit der Lancia Delta und Lancia Thema/Thesis sind jedoch mit niedrigern Preisen wobei Alfa Romeo dann im Prinzip einfach das obere Segment abdecken wuerde. Falls es vom Reglement her möglich sein sollte, könnte man auch an den Einsatz eines elektrischen allrad Lancia in der Rallye WM denken was den Bekanntheitsgrad der Marke wieder beleben dürfte etwa durch einen Nachfolger des Beta coupé rally 037 oder Beta Montecarlo GR5 ...tja vieles würde möglich sein wenn man könnte ;)

  • Lancia wäre durchaus noch zu retten, wenn man sich bei Fiat dazu entscheiden würde die Marke wieder im obersten Segment des Marktes anzusiedeln wo sie bis in die 60er Jahre etabliert war, allerdings mit Elktroantrieb also in direkter konkurrenz zu Fisker, Tesla und telweise Lexus (obwohl das bei Toyota dort Hybridautos sind). Ein Lancia war zwar auch damals kein Rolls Royce aber immerhin ein durchaus nobles und technisch oft zukunftsweisendes Fahrzeug. Bei der späteren uebernahme durch Fiat ist da Einiges verloren gegenagen so wie es anfaenglich auch bei Alfa Romeo geschehen ist. Momentan stehen sich beide Marken gegenseitig im Weg wobei es bei Alfa Romeo wegen dem Potential auf dem US Markt um einges besser aussieht als bei Lancia. Ein gosser Lancia "Elktra" ähnlich dem Fisker Karma oder Tesla Model S und stylistisch als Nachfolger von modellen wie Lancia Astura, Aurelia oder Flaminia würde sicher in den USA und Asien punkten koennen und moeglicherweise auch in Europa. Zugleich wuerdeneine auf nur 4 bis 5 Modelle reduzierte Palette mit rein elktrische Lancia Stratos, Delta integrale und Fulvia coupé und cabrio nicht den selben Platz von Alfa Romeo und Maserati besetzen. Es wäre sogar Platz für einen zu 100% elektrischen luxus Lancia Y.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%