Serie: Deutschland baut um - Teil 5
Eon sammelt seine Energie

Konzentration nach Lehrbuch: Mit Glück und Geschick hat sich das Unternehmen in wenigen Jahren von einem Mischkonzern zu einem reinrassigen Energieversorger gewandelt.

DÜSSELDORF. Aluminium und Stahl, Mobilfunk, Immobilien, Elektronikartikel, Spezialchemie, Glas und Verpackungen, Logistik, Wasser, sogar Silizium Wafer für die Chipindustrie und natürlich Strom und Gas – das neue Gebilde mit dem Kunstnamen Eon, das am 16. Juni 2000 ins Handelsregister eingetragen wird, ist ein richtiger Gemischtwarenladen. Der Zusammenschluss von Veba und Viag ist die größte Industriefusion, die Deutschland bislang gesehen hat.

Heute, gerade einmal fünf Jahre später, ist Eon ein lupenreiner Versorger. Das Unternehmen hat sich mit Glück und Geschick zum größten europäischen Anbieter von Strom und Gas hochgearbeitet, es ist die Nummer eins in Deutschland, die Nummer zwei in Großbritannien und gehört in Skandinavien zur Spitzengruppe, es ist in den USA aktiv und baut sich in Osteuropa ein flächendeckendes Netzwerk auf.

Eon hat sich wie kein zweiter Konzern auf das Kerngeschäft konzentriert, hat Randaktivitäten verkauft und neue Töchter in den Sparten Strom und Gas erworben. Mit energischem Portfoliomanagement haben Ex-Chef Ulrich Hartmann und sein Nachfolger Wulf Bernotat in nur fünf Jahren ein Transaktionsvolumen von 102 Mrd. Euro bewegt, 56,9 Mrd. nahmen sie durch Verkäufe ein, 45,2 Mrd. gaben sie für neue Töchter aus.

Am Reißbrett entstanden ist Eon freilich nicht. Als Veba-Chef Ulrich Hartmann und sein Gegenüber bei Viag, Wilhelm Simson, sich im Sommer 1999 in kleiner Runde treffen, um die Fusion auszuhandeln, können sie noch nicht ahnen, welche Eigendynamik der Zusammenschluss entwickeln wird. Sie führen zwei Traditionskonzerne. Beide Unternehmen werden in den 20er Jahren als Holdings für staatliche Industriebeteiligungen gegründet und schrittweise privatisiert. Beide haben ihren Schwerpunkt im Geschäft mit Strom und Gas, sind aber breit aufgestellt. Selbst die Goldgräberstimmung im Telekommarkt erfasst Viag und Veba. Die Unternehmen steigen ins Mobilfunkgeschäft ein. Ihren Ruf als sichere, aber auch langweilige Volksaktie kann Veba aber nie ablegen.

Natürlich soll das Energiegeschäft die wichtigste Säule des neuen Konzerns sein, darin sind sich die beiden Manager schnell einig. Die Töchter Preussen-Elektra im Norden und Bayernwerk im Süden ergänzen sich perfekt. Es ist auch klar, dass sich der Konzern aus vielen Randbereichen zurück ziehen muss. Das Telekommunikationsgeschäft gilt aber weiter als Zukunftsmarkt. Und die Spezialchemie soll sogar zu einem starken Standbein werden, die Töchter SKW Trostberg und Degussa-Hüls zu einer Branchengröße fusionieren.

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