Serie: Die Zukunft der Industrie
Die Achillesferse der Medizintechnik

Die große Stärke deutschen Medizintechnik ist ihre Innovationskraft. Ärzte in aller Welt setzen auf High-Tech aus Deutschland – doch die Finanznot der Kliniken schwächt die Firmen auf dem Heimatmarkt.

FRANKFURT. Der Schnitt misst nur wenige Millimeter, doch er wird ein Schicksal verändern. Als der Operateur Professor Diethelm Wallwiener in der Universitätsklinik Tübingen einen Tumor aus dem Unterleib entfernt, verfolgen 700 Kilometer weiter nördlich hunderte Augenpaare die Operation in Echtzeit. Sie gehören wissbegierigen Kollegen, die sich in Hamburg auf einem Kongress für ambulantes Operieren über neueste Behandlungsmethoden informieren. Die Ausrüstung für die medizinische Tele-Fortbildung kommt aus Schwaben. Der komplett vernetzte Operationssaal, im Firmenjargon „OR 1“ genannt, ist das Vorzeigeprodukt der Tuttlinger Medizintechnikfirma Karl Storz.

„Der OP der Zukunft“, sagt der für die Vermarktung verantwortliche Bereichsleiter Horst Skupin. Entwickelt wurde er gemeinsam mit Chirurgen, die früher als andere medizinisches Potenzial minimalinvasiver Operationsmethoden erkannten.

Das Ergebnis wirkt simpel. Ein OP-Tisch, den neben den üblichen Spezialleuchten auch mehrere an der Decke aufgehängte Flachbildschirme umkreisen. Doch das integrierte System hat es in sich. Per Touchscreen kann der Operateur den Tisch, die Beleuchtung, und sämtliche Geräte steuern. Ein integriertes Audio- und Bildsystem ermöglicht die Ausstrahlung des Eingriffs in Hörsäle am anderen Ende der Welt – oder aber auch die zeitnahe Dokumentation. „Das spart Zeit und minimiert das Haftungsrisiko“, preist Skupin die Vorteile des Systems.

Karl Storz ist nur einer von vielen Medizintechnikherstellern, die auf die Vernetzung als Verkaufsargument setzen. Angesichts der hohen Produktions- und Entwicklungskosten in Deutschland können es sich auch Gerätehersteller wie Siemens und Dräger nicht erlauben, den Wettbewerb auf dem Weltmarkt über den Preis auszutragen.

„Wir sehen unsere Chance in Systemen, mit denen Krankenhäuser ihre Prozesse verbessern und damit die Gesamtkosten senken“, sagt Wolfgang Reim, Chef des Lübecker Medizintechnik-Spezialisten Dräger Medical. Auch Carl Zeiss Meditec, ein schnell wachsendes Medizintechnikunternehmen, dass sich auf die Augenheilkunde spezialisiert hat, setzt auf Lösungen für die gesamte Behandlungskette von der Diagnose bis zum operativen Eingriff.

Seite 1:

Die Achillesferse der Medizintechnik

Seite 2:

Seite 3:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%