Serie: Folgen des Klimawandels
Energiekonzerne stehen vor dem Umbruch

Die Energiewirtschaft steht vor einem radikalen Umbruch: Zum einen erfordern die schrumpfenden Erdöl- und Erdgasreserven alternative Konzepte der Energiegewinnung und zum anderen zwingt der Klimawandel die ganze Branche dazu, einen neuen Kurs einzuschlagen. Noch sind aber alle auf der Suche.

DÜSSELDORF. Bayerns Ministerpräsident Edmund Stoiber (CSU) dürfte bald als Werbeträger durchs Land fahren. Vor der Münchner Staatskanzlei halten traditionell BMW-Limousinen. Ab nächstem Frühjahr wird vermutlich ein „Hydrogen 7“ am Heck glänzen. Stoiber wird gern das Aushängeschild für die neue, umweltfreundliche Wasserstofftechnologie spielen. Seine Hoffnung: Vielleicht färbt das innovative Image ein wenig ab.

Stoibers Fahrer können den Hydrogen 7 zwar an einer klassischen Tankstelle auftanken. Lieferant des kohlendioxidfreien Kraftstoffs wird allerdings kein Mineralölkonzern sein, sondern ein Industriegasehersteller wie Linde. So wird es auch dem Stromversorger EnBW in Karlsruhe ergehen, der gemeinsam mit Siemens den Bau eines Brennstoffzellen-Kraftwerks der Megawatt-Klasse plant. Steinkohle, Öl oder Erdgas kauft EnBW bislang bei einem der Energiemultis ein. In Zukunft stehen andere Namen auf der Einkaufsliste. Dafür heißen die direkten Wettbewerber künftig nicht nur Eon oder RWE, sondern vielleicht Shell oder BP. Die Mineralölkonzerne wollen nämlich in großem Stil in die Stromproduktion einsteigen. Bislang lieferten sie vor allem die Betriebsstoffe.

Die Energiewirtschaft steht vor einem radikalen Umbruch: Erstens gehen die Vorräte an Erdöl und Erdgas in etwa 40 beziehungsweise 60 Jahren zur Neige. Zweitens müssen die Erdölkonzerne und Stromversorger schon heute von ihren hohen CO2-Emissionen herunter. Die Branche gilt als einer der Hauptverursacher der globalen Erwärmung. Die Suche nach Alternativen zu fossilen Energien verfolgt also ein Doppelziel: Umweltschutz und Existenzsicherung. Ob Wasserstoff dafür der beste Weg ist, darüber ist das letzte Wort noch nicht gesprochen. Die Unternehmen testen alle Varianten. EnBW hat die Zukunft schon benannt: Projekt „Anke“ erforscht die „Anpassungen an Klimaveränderungen in Deutschland“.

Einige alternative Energieträger stehen schon jetzt auf der Investitionsagenda, vor allem Wind, Sonne und Biomasse. Die Branchenführer stecken schon ihre Claims ab – im wörtlichen Sinne. BP und Shell wollen riesige Areale in den USA mit Windrädern zustellen – entlegene Flächen, die für die Produktion nicht mehr benötigt werden, aber als windreich gelten. Windparks von 300 und mehr Megawatt (MW) Leistung sind geplant. Zum Vergleich: Herkömmliche Kraftwerke leisten bis zu 700 MW, die größten deutschen Windparks bislang rund 100 MW. Auch Solartechnik und Biokraftstoffe sind in den Mittelpunkt des Interesses gerückt. „Mindestens eine der erneuerbaren Alternativen“, sagt Shell-Chef Jeroen van der Veer, „wollen wir zu einem wesentlichen Geschäft entwickeln.“

Noch aber sind alle auf der Suche. „Keiner hat die Blaupause für die nächsten 30 Jahre“, räumt Lutz von Meyerinck, Klima-Experte bei der deutschen BP ein. Und damit meint er nicht nur die Suche nach alternativen Energiequellen, sondern auch den Versuch, die CO2-Emissionen zu senken. BP experimentiert mit der Einlagerung des Abgases in unterirdischen Speichern. CO2 wird direkt am Bohrloch oder aus Kraftwerken aufgefangen und in die Erde geleitet. Für BP, sagt von Meyerinck, lautet die Strategie nicht „weg vom Öl, sondern weg vom CO2“.

Seite 1:

Energiekonzerne stehen vor dem Umbruch

Seite 2:

Seite 3:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%