Severstal bessert nach
Stahlindustrie brodelt weiter

Der Übernahmepoker in der Stahlindustrie bleibt spannend: Während der russische Stahlkocher Severstal am Mittwoch sein Angebot für eine Fusion mit dem luxemburgischen Stahlkonzern Arcelor nachgebessert hat, beriet der Arcelor-Verwaltungsrat über seinen künftigen Kurs.

HB LUXEMBURG. Nach einer sechsstündigen Sitzung teilte das 18-köpfige Gremium am Mittwoch mit, sich zu den jüngsten Angeboten von Mittal Steel und Severstal am Sonntag offiziell äußern zu wollen. Arcelor hatte in der vergangenen Woche erstmals direkte Gespräche mit dem weltgrößten Stahlhersteller aufgenommen, der den Branchenzweiten gegen dessen Willen übernehmen will.

Die russische Severstal hatte ihr Angebot nach der Kritik etlicher Arcelor-Aktionäre verbessert. Die Russen kündigten an, auch mit einer Beteiligung von 25 statt 32 Prozent an dem fusionierten Unternehmen zufrieden zu sein. Dadurch steige der Wert des Gebots um zwei Mrd. Euro, hieß es. Zudem besteht der Konzern nicht mehr auf die Einrichtung eines Strategie-Komitees, das von Severstal- Eigentümer Alexej Mordaschow geleitet werden sollte.

Mittal kritisierte die nachgebesserte Offerte der Russen. „Es bleibt eine einseitige Transaktion, die Arcelor unterbewertet und ohne eine ordentliche Abstimmung der Aktionäre durchgepeitscht werden soll“, sagte eine Sprecherin. „Auch in seiner neuen Form verleihe der Vorschlag Mordaschow erhebliche Kontrolle. Auf einer außerordentlichen Hauptversammlung am 30. Juni soll über die vom Arcelor-Management geplante Fusion mit Severstal abgestimmt werden. Arcelor will mit Severstal fusionieren, um die feindliche Übernahme durch Mittal zu verhindern. Der Handel mit der Arcelor-Aktie war mit Blick auf die Sitzung am Mittwoch zwischenzeitlich vom Handel ausgesetzt worden.

Vor dem Hintergrund möglicher Fusionen in der Stahlbranche forderte der Stahlbeauftragte der Gewerkschaft IG Metall, Friedhelm Matic, die Vorlage eines industriellen Konzepts. „Nur dann kann eine akute Bedrohung von Arbeitsplätzen ausgeschlossen werden“, sagte Matic am Mittwoch in Düsseldorf. Die Gewerkschaft sei mit dieser Forderung bereits an Arcelor sowie an Severstal und Mittal herangetreten. Eine Antwort liege jedoch erst von Arcelor vor. Die Luxemburger hätten zugesichert, dass es durch eine Fusion zu keinem zusätzlichen Arbeitsplatzabbau kommen werde.

Bei einer möglichen Fusion könnten nach Einschätzung der Gewerkschaft Arbeitsplätze etwa bei der Arcelor-Tochter Eko-Stahl im brandenburgischen Eisenhüttenstadt in Gefahr geraten, die bislang als Brückenkopf nach Osteuropa diene. „Es gibt viele Risiken aber auch Chancen“, sagte Matic. Unter den derzeitigen Vorzeichen erscheine ein Zusammenschluss in der Stahlbranche derzeit jedoch als „keine gute Idee“.

Am Donnerstag werden Arcelor und mehrere Minderheitsaktionäre vor Gericht gegeneinander antreten. Die französische Aktionärsvereinigung „Adam“ und verschiedene Investmentfonds wollen vor dem Bezirksgericht Luxemburg erzwingen, dass die Hauptversammlung am 30. Juni verschoben wird, sagte Gerichtspräsident Pierre Gehlen am Mittwoch. Sie beklagten, dass nicht ausreichend Informationen über die geplante Fusion mit Severstal vorlägen, um darüber abstimmen zu können. Ein Beschluss des Gerichts wird nach Angaben von Gehlen erst nächste Woche erwartet. „Adam“ hält 2,5 Prozent des Arcelor-Kapitals.

Arcelor hatte zuvor die am (heutigen) Mittwoch geplante außerordentliche Hauptversammlung abgesagt, in der über ein Aktienrückkaufprogramm in Höhe von 6,5 Mrd. Euro entschieden werden sollte. Es wird vermutet, dass Arcelor auf Grund des wachsenden Widerstands der eigenen Aktionäre gegen das Programm die Versammlung gestrichen hatte. Mit dem Aktienrückkauf soll eine Übernahme durch Mittal zusätzlich erschwert werden.

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