Shell
Indiens Energiehunger lockt Ölkonzerne an

Indiens Energiebranche lockt immer mehr internationale Konzerne an. Gestern unterzeichnete Royal Dutch Shell ein Kooperationsabkommen mit dem teilstaatlichen Energieriesen Oil & Natural Gas Corp (ONGC). Die Konzerne wollen von der Gas- und Öl-Exploration in Indien und Übersee über Kohlevergasung bis zur Vermarktung von Produkten zusammenarbeiten.

HB NEU DELHI/LONDON. Shell folgt damit dem Konkurrenten BP, der im Oktober 2005 einen indischen Partner fand. Indien hat nicht nur eigene Vorkommen zu bieten, sondern gilt vor allem nach China als wichtigster Wachstumsmarkt für den Absatz von Ölprodukten.

Shell will ONGC, Indiens größtes Unternehmen, denn auch beim Bau einer neuen Raffinerie und einer Petrochemieanlage unterstützen. So hofft ONGC die Stellung als größter Öl-Lieferant des Landes zu halten. Außerdem soll der niederländisch-britische Konzern den Indern helfen, mehr aus den alternden einheimischen Ölfeldern herauszuholen. Deren Produktion schrumpft derzeit. Gemeinsam wollen die Partner für neue Explorationsblöcke in Indien bieten. Darüber hinaus erkunden sie die Möglichkeit, auch außerhalb Indiens bei der Suche nach neuen Vorkommen zu kooperieren.

Indiens Regierung drängt die Konzerne des Landes, weltweit neue Reserven aufzutun, um den Energiehunger des Milliardenvolks zu stillen. ONGC hat unter anderem in große Vorkommen im Sudan und in Sibirien investiert. Oft ziehen die Inder jedoch gegen chinesische Staatskonzerne den kürzeren. Das macht Kooperationen mit westlichen Konzernen interessant. Vor einem halben Jahr vereinbarte ONGC bereits mit dem Stahlmagnaten Lakshmi Mittal, gemeinsam Gebote für Öl- und Gasfelder abzugeben. „Um schnell weltweit Erfolg zu haben, brauchen wir strategische und operative Synergien mit Shell“, sagt ONGC-Chairman Subir Raha.

Auf der anderen Seite wird Indien für die westlichen Ölkonzerne immer wichtiger. BP schloss im vergangenen Herbst als erster der Ölmultis einen indischen Pakt. Der britische Konzern vereinbarte mit der teilstaatlichen Hindustan Petroleum den Bau einer Raffinerie für drei Mrd. Dollar. Der Deal beinhaltet den Aufbau eines Tankstellennetzes, das BPs Stellung auf dem indischen Markt stärken würde. Die rapide zunehmende Motorisierung des Landes ist ein Hauptgrund für seinen rasch steigenden Energiebedarf.

Shell hatte 2001 eine große Chance verpasst, in Indien stärker Fuß zu fassen. Damals verkaufte das Unternehmen für nur sieben Millionen Dollar einen 50-Prozent-Anteil an einem Ölfeld in Rajasthan an Cairn Energy. Kurz darauf fand die schottische Explorationsfirma dort riesige Reserven. Am Mittwoch hat Shell einen Liefervertrag mit der staatlichen Gujarat State Petroleum Corp. für Flüssiggas geschlossen.

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