Showdown in Oldenburg
Aktienkrieg bei Cewe Color

Das gab es noch nie. Beim Mittelständler Cewe Color werfen sich Unternehmen und Kapitalseite gegenseitig Wortbruch und Lüge vor. Der Kampf wird öffentlich ausgetragen und eskaliert von Tag zu Tag. In den vergangenen zwei Wochen hat allein der Aufsichtsratschef für 600 000 Euro Aktien gekauft. Doch der gefürchtete US-Investor Wyser-Pratte legt nach – und greift kräftig zu.

OLDENBURG. Bei Europas größtem Fotoentwickler Cewe Color verschärft sich kurz vor der Hauptversammlung der Kampf um die Macht in dem Oldenburger Unternehmen. Wie das Handelsblatt aus Handelskreisen erfuhr, hat der US-Investor Guy Wyser-Pratte seinen Anteil von 3,3 auf mehr als fünf Prozent der Aktien erhöht. Der Amerikaner war erst Mitte März bei Cewe eingestiegen und fordert gemeinsam mit anderen Investoren einen Strategiewechsel und eine Ablösung des Vorstandsvorsitzenden Rolf Hollander.

Hollander jedoch schlägt zurück – mit Mitteln, die von den Investoren als „am Rande der Legalität“ bezeichnet werden. Am Freitag gab der Vorstand bekannt, 113.000 Cewe-Aktien – dies entspricht 1,53 Prozent des Gesamtkapitals – aus dem eigenen Besitz an die Pensionskasse des Unternehmens verkauft zu haben. Wyser-Pratte bezeichnete die Transaktion gegenüber dem Handelsblatt als Taschenspielertrick. Aktien, die Cewe selbst hält, sind nicht stimmberechtigt. Werden sie jedoch von der Pensionskasse gehalten, kann diese auf der Hauptversammlung am 26. April im Sinne des Vorstands stimmen.

Am Wochenende blieb unklar, wer bei der Pensionskasse für den Kauf der Aktien verantwortlich ist. Eine Cewe-Sprecherin nannte keine Details, wies jedoch den Vorwurf von Wyser-Pratte zurück, sich mit halb legalen Mitteln Stimmen zu sichern. „Wir kaufen hier keine Stimmen, wir wollen nur unsere finanziellen Mittel optimal einsetzen“, sagte sie. Unklar blieb, warum Barmittel ein besseres Mittel sein sollten als Aktien, zumal Hollander selbst kürzlich Aktien als gute Akquisitionswährung bezeichnete. Was Cewe mit den restlichen 150.000 Aktien in seinem Besitz anfangen will, ließ die Sprecherin offen.

Fraglich ist auch, warum Cewe den Pensionären die Aktien jetzt zum Kurs von 44 Euro verkauft – vor zwei Monaten lag er noch ein Drittel niedriger. Die Cewe-Sprecherin bezeichnete den aktuellen Kurs als „relativ hoch“ – das Risiko eines Kursrückganges trägt nun aber nicht mehr die Gesellschaft, sondern die Pensionäre. Sie sind damit praktisch doppelt von der Cewe abhängig – sowohl als Empfänger der Pensionsleistungen des Unternehmens als auch als seine Aktionäre.

Die US-Investoren werten die jüngste Entwicklung als Zeichen, dass Hollander und der Aufsichtsrat von Cewe die Nerven verlieren. Noch vor wenigen Tagen hieß es aus Oldenburg, man betrachte den Angriff der Fonds gelassen. Neben der Erbengemeinschaft des Firmengründers Heinz Neumüller, die 27 Prozent der Aktien hält, könne man auf weitere Unterstützer zählen und wisse rund 40 Prozent des Kapitals hinter sich. Marcap Investors, K Kapital, Wyser-Pratte und andere kämen lediglich auf 30 Prozent.

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