Sicherheitssysteme
Lebensrettung made in Sauerland

Mit der Erfindung von zwei Arnsbergern können sich Menschen aus brennenden Hochhäusern in Sicherheit bringen. Experten sind angetan – doch noch fehlt ein Investor, der sich der vielversprechenden Entwicklung annimmt. Eine Handelsblatt-Reportage.

ARNSBERG. In Arnsberg ist der Terror weit weg. Herausgeputzte Häuser aus Fachwerk und Schiefer verströmen Beschaulichkeit – dazwischen sauber gestutzte Hecken und frisch gekämmte Rasenflecken. Alles adrett, klein und überschaubar, die Häuschen hier gehen in aller Regel nicht über ein oder zwei Etagen hinaus. Das höchste Gebäude am Ort ist die Kirche St. Johannes Baptist. Der Westturm bringt es inklusive Kreuz und Wetterhahn auf 83,6 Meter.

Otto Strauß, 52 Jahre alt, von Beruf Dachdecker, ist in Arnsberg zu Hause. Und seit fünf Jahren beschäftigt er sich genau mit diesen Dingen, die hier nicht zu finden sind: mit Terror und mit Hochhäusern. Genauer mit der Frage: Wie können sich möglichst viele Menschen aus einem Wolkenkratzer retten, der Zielscheibe eines Terroranschlags wird?

Strauß hat eine Antwort darauf gefunden und auch schon demonstriert, dass sie in der Praxis funktioniert. Er hat sein Rettungssystem Experten vorgestellt und viel Zuspruch bekommen. Er hat Geldgeber und Förderer gesucht, um aus einem Prototyp ein fertiges, ein serienreifes Produkt zu machen, bis heute aber keinen Finanzier gefunden – die Höhen und Tiefen eines Tüftlers mit einer viel versprechenden Idee.

Am Anfang stand die Bemerkung eines neunjährigen Jungen. „Ich wäre mit einem Fallschirm runtergesprungen.“ So kommentierte der Sohn eines Arbeitskollegen von Strauß die Bilder des 11. September 2001, als er sah, wie Menschen aus den oberen Stockwerken des World Trade Center lieber in den Tod sprangen, als im Inferno zu verglühen. Dieser Satz ließ Strauß nicht mehr los. „Das mit dem Fallschirm ist nicht so einfach, wenn man so etwas noch nie gemacht hat“, sagt der 52-Jährige, „aber der Gedanke hatte sich in meinem Kopf festgesetzt.“

Innerhalb von einer halben Stunde hatte er im Gespräch mit seinen Kollegen Otto Trautes, mit dem er einen Dachdeckerbetrieb hat, eine Lösung entwickelt – zumindest in groben Zügen. Zwei Monate später hatte er sie so weit ausgearbeitet, dass einer Patentanmeldung nichts mehr im Wege stand. Unter der Nummer 10156018 hat er seine Erfindung „Fallschirmrettungssystem für Hochhäuser“ eingetragen.

Das besteht im Kern aus einem Sitz, an dem drei Fallschirme befestigt sind – einer zum Steuern, zwei zum Bremsen. Dieser Sitz hängt an einer ausklappbaren Eisenschiene, an der die Menschen aus dem Fenster hinausgleiten können. Vor der Landung öffnet sich ein Airbag, der unter dem Sitz befestigt ist. „Damit kann sich jeder retten – egal ob alt oder jung, völlig untrainiert oder ganz gut in Form“, erzählt Strauß.

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