Sicherheitsüberprüfung
Vattenfall gibt AKW-Mängelliste frei

Nach langem Hin und Her hat die Betreibergesellschaft Vattenfall der Veröffentlichung einer Mängelliste des Atomkraftwerks Brunsbüttel zugestimmt. Für die Mitarbeiter im Leitstand des AKW Krümmel hat sich das Unternehmen jetzt eine simple Strategie ausgedacht, wie die Kommunikation verbessert werden soll.

HB HAMBURG/KIEL. Die vorläufige Bewertung aus einer so genannten Periodischen Sicherheitsüberprüfung des Kraftwerks und eine Offene-Punkte-Liste sollten veröffentlicht werden, erklärte Vattenfall Europe am Dienstag. Damit könne das für die Atomaufsicht zuständige Kieler Sozialministerium über die Veröffentlichung entscheiden, hieß es. Die Klage gegen die Bekanntgabe der Ergebnisse werde das Unternehmen zurückziehen.

Die schleswig-holsteinische Sozialministerin Gitta Trauernicht begrüßte diesen Schritt. „Ich hatte immer wieder gefordert, dass diese Liste veröffentlicht werden kann“, erklärte die SPD-Politikerin. Dies habe die Klage Vattenfalls vor Gericht verhindert. „Die Ereignisse der vergangenen Wochen haben nun offenbar zu einem Umdenken bei Vattenfall geführt“, sagte Trauernicht.

Die Mängelliste stammt aus dem Jahr 2001 und umfasst die Ergebnisse einer Periodischen Sicherheitsüberprüfung, die nach dem Atomgesetz für jedes Kernkraftwerk alle zehn Jahre erstellt werden soll. Nach Informationen der Deutschen Umwelthilfe enthält der Prüfbericht Hunderte Schwachstellen und Nachrüstanforderungen. Bisher hatte sich Vattenfall unter Hinweis auf das Betriebsgeheimnis gegen die Veröffentlichung gewehrt und erfolgreich dagegen geklagt.

Nach den Zwischenfällen im Atomkraftwerk Krümmel will der Betreiber Vattenfall Konsequenzen aus Missverständnissen im Leitstand ziehen und die Kommunikation zwischen den einzelnen Mitarbeitern verbessern. So sollen Mitarbeiter wichtige Anweisungen künftig laut wiederholen müssen. Bisher sei dies eine Empfehlung, sagte Vattenfall-Sprecher Ivo Banek am Dienstag auf Anfrage. Dies sei ein Ergebnis der Mitarbeiterbefragung am Montag zu den Vorgängen bei der Schnellabschaltung am 28. Juni.

Damals hatte der Reaktorfahrer nach dem Ausfall einer Wasserpumpe eine Anweisung des Schichtleiters falsch verstanden und zur Senkung des Drucks minutenlang Ventile offen gelassen statt sie abwechselnd zu öffnen und zu schließen. So fiel der Druck schneller als vom Schichtleiter beabsichtigt. „Das war für den weiteren Ablauf undramatisch, aber das ist natürlich nicht gewollt, dass die sich nicht richtig verstehen“, sagte Banek. Nun wolle man der Reaktoraufsicht einen Katalog vorschlagen, der im Störfall die Kommunikation regelt.

Die Reaktoraufsicht plant indes nach den Zwischenfällen im Atomkraftwerk Krümmel neue Auflagen an den Betreiber Vattenfall. Dies kündigte die Kieler Sozialministerin Gitta Trauernicht (SPD) am Dienstag an. Sie wolle zudem Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD) vorschlagen, für den Leitstand von Atomkraftwerken das Aufzeichnen von Gesprächen und gegebenenfalls auch eine Videoüberwachung vorzuschreiben. „Die Organisation der Verantwortung auf der Warte bei komplexen Störfällen muss verändert werden“, sagte Trauernicht der dpa. So sei der Schichtleiter strukturell überlastet.

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