Sicherheitsüberprüfungen
Bahn will ICE-Achsen vorsorglich austauschen

Nach monatelangen, ergebnislosen Sicherheitsüberprüfungen will die Deutsche Bahn in ihren ICE-Zügen die auf Risse untersuchten Achsen austauschen. An verkürzten Prüfintervallen will die Deutsche Bahn trotz ergebnisloser Suche festhalten.

DÜSSELDORF. Bahnchef Hartmut Mehdorn sagte der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“, er erwarte von der Industrie ein zügig umsetzbares Austauschprogramm. Eine Sprecherin von Siemens Mobility erklärte, man befinde sich in Verhandlungen, um die Flotte schnellstmöglich wieder vollständig einsetzbar zu machen.

Nachdem die Bahn im letzten Spätherbst angekündigt hatte, nach den laufenden Fahrzeug-Untersuchungen ab Februar wieder komplett nach Fahrplan fahren zu können, sagte ein Sprecher am Wochenende, es könne noch bis Juni dauern. Grund seien technische Probleme bei der Installation weiterer Ultraschall-Prüfanlagen für die Analyse der Achsen.

Nachdem bei einer Routine-Untersuchung an einem Neigetechnik-ICE T im letzten Sommer ein Riss entdeckt worden war und ein ICE 3 im Kölner Hauptbahnhof nach einem Achsbruch bei langsamer Fahrt entgleist war, hatte die Bahn mit der Überprüfung begonnen. Das Eisenbahnbundesamt (EBA) als Aufsichtsbehörde ordnete an, dass die Kontrollintervalle, die zuvor zwischen 300 000 und 450 000 Kilometer Laufleistung lagen, auf 30 000 Kilometer verkürzt wurden.

Trotz mehrmonatiger Untersuchungen, in die auch die Bundesanstalt für Materialforschung und die Staatsanwaltschaft Köln eingeschaltet waren, konnten für die Schäden keine eindeutigen Ursachen gefunden werden. Obwohl die Achsen dem Stand der Technik entsprechen, nahm das EBA die kurzfristigen Kontrollintervalle nicht zurück.

Die Überlegungen, nun die Achsen auszutauschen, stehen offenbar noch am Anfang. Denkbar ist, nur die eigentlichen Achsen auszutauschen oder die kompletten zweiachsigen Drehgestelle, heißt es in Bahnkreisen. Keinesfalls müssen alle Züge mit neuen Radsatzwellen ausgestattet werden. Denn es gibt eine Bauart aus einer Werkstoff-Zusammensetzung, die unbeanstandet durch die Sicherheitsüberprüfung kam. Diese Achsen sind laut Angaben aus Industriekreisen in die zweite Serie des ICE 3 eingebaut. Sie rollen auch in jenen Zügen, die Siemens als „Velaro“ nach Spanien und China verkauft hat.

Unklar ist, in welchem Zeitraum eine Umtauschaktion abgewickelt werden könnte. Schätzungen in der Industrie besagen, dass die Lieferzeit der neuen Achsen bei etwa sechs Monaten liege. Die Dauer des Einbaus hänge naturgemäß davon ab, wie schnell und wie viele Züge die Bahn jeweils für die Umrüstung aus dem Verkehr ziehen könne. Das könne ein bis eineinhalb Jahre dauern. Über die Kosten schweigen sich die Beteiligten aus. Im vergangenen Jahr hatten Fachleute eine Größenordnung von 10 Mio. Euro genannt.

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