Sieben Fragen an: Alexander Dibelius
„Eine Blase sehe ich nicht“

Alexander Dibelius ist Deutschland-Chef von Goldman Sachs. Gegenüber dem Handelsblatt spricht er über vernünftige Bewertungen, mehr Professionalität und den Trend zu grenzüberschreitenden Übernahmen. Klar ist für ihn auch: Der Boom wird nicht ewig weitergehen.

Handelsblatt: Herr Dibelius, an welchem Punkt der Übernahmewelle befinden wir uns?

Alexander Dibelius: Es wäre sicher zu optimistisch zu glauben, dass der Boom noch ewig weitergehen wird. Ich denke aber, dass die Rahmenbedingungen für Fusionen und Übernahmen noch eine längere Zeit günstig bleiben werden.

Machen Ihnen die steigenden Kaufprämien keine Sorge?

Im Gegensatz zu früher sind die Bewertungskriterien heute ökonomisch vernünftig. Die aufgekauften Unternehmen haben meist ein funktionierendes Geschäftsmodell und weisen Gewinne aus. Eine mit dem Jahr 2000 vergleichbare Spekulationsblase sehe ich nicht.

Was hat sich bei der Durchführung einer Übernahme verbessert?

Die Unternehmen gehen heute auch dank des besseren Know-hows ihrer Berater viel professioneller zu Werke. Zum Teil haben sie sich das bei den Private-Equity-Firmen abgeschaut. Auch die Integration von gekauften Firmen läuft besser als früher.

Woran liegt das?

Der Kauf oder Verkauf eines Unternehmens hat den Ruch des Scheiterns verloren. Fusionen und Übernahmen gehören heute zum Alltag und sind ein normales Managementwerkzeug geworden. Genauso wie die Finanzierung eines Unternehmens.

Warum sehen wir heute mehr grenzüberschreitende Übernahmen?

Das ist eine direkte Konsequenz der Globalisierung. Die Unternehmen arbeiten immer internationaler.

Gestiegen ist auch die Zahl der feindlichen Attacken. Warum?

Was vom Zielunternehmen zunächst als feindlicher Übernahmeversuch bezeichnet wird, endet oft in einer vom Management empfohlenen Transaktion. Die Unternehmen lassen sich ihre Freundlichkeit in den Verhandlungen abkaufen, um den Preis nach oben zu treiben. Große, voller Emotionalität geführte Übernahmeschlachten gibt es kaum noch.

Wonach bemessen Sie den Erfolg einer Übernahme?

Für mich als Investmentbanker ist der Abschluss einer Transaktion ein erster und wesentlicher Erfolg. Natürlich müssen wir uns heute auch fragen lassen, was aus den Übernahmen später wird, also wie nachhaltig ihr Erfolg ist. Das lässt sich am besten daran ablesen, ob der Unternehmenswert für die Aktionäre gesteigert wurde. Allerdings ist das häufig schwer abschließend zu bewerten, da man ja nicht weiß, wie sich der Wert entwickelt hätte, wenn die Transaktion nicht stattgefunden hätte.

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