Sieben Fragen an Wiktor Wechselberg
„Beim Verkauf tue ich mich schwer“

Der russische Oligarch Wiktor Wekselberg besitzt mit seiner Holding Renova Anteile an TNK-BP, dem Aluminiumriesen Sual und Züblin oder der Schweizer Oerlikon. Im Gespräch mit dem Handelsbatt verrät er, welcher Markt ihn an Deutschland interessiert.

Handelsblatt: Wiktor Felixowitsch, was macht Ihr Unternehmen Renova?

Wiktor Felixowitsch:Wir sind eine große Investoren-Holding – einer der größten Anleger im russischen Stromsektor. Wir setzen Schwerpunkte in der Kommunalwirtschaft, bei Immobilien, in der Chemieindustrie, der Telekommunikation und im Wohnungsbau.

Was ist heute Ihr Hauptjob?

80 Prozent meiner Arbeitszeit brauche ich als Vorstand für den Gasbereich des Ölkonzerns TNK-BP. Sual, meine Aluminium-Tochter, die jetzt mit Rusal fusioniert, hat ein starkes Management – da werde ich nicht gebraucht.

Warum werden Sie bei TNK-BP so stark beansprucht?

Weil wir jetzt mit Gazprom um die Erschließung unseres sibirischen Kovykta-Gasfeldes verhandeln müssen und Zugang zu den Pipelines brauchen, die bisher Gazprom allein hat. Ich hoffe, dass wir am Ende einen Kompromiss finden, indem Gazprom und TNK-BP Kovykta zusammen erschließen. Aber Gazprom ist natürlich als Monopolist ein schwieriger Verhandlungspartner. An Gazproms Stelle würde ich mein Monopol auch verteidigen, aber der Staat müsste für eine Öffnung des Marktes für alle Gasförderer sorgen.

Ist die sich immer stärker ausbreitende Staatswirtschaft in Russland nicht ein Hemmschuh für die Entwicklung des Landes?

Dass einige Staatskonzerne ihre Beziehungen zur Regierung einsetzen, ist das Allernegativste für die Entwicklung. Der Anteil des Staates ist gar nicht die entscheidende Frage. Allerdings sollte der Staat gleiche Konkurrenzbedingungen für alle Unternehmen schaffen – ganz gleich welcher Eigentumsform.

TNK-BP ist ein privater Ölkonzern und je zur Hälfte in russischer und in ausländischer Hand. Ist das nicht ein Problem?

Das dachten alle am Anfang, sogar Russlands Präsident Wladimir Putin. Aber die Resultate unserer Arbeit zeigen, dass die 50:50-Lösung gut ist. Sie garantiert, dass der Konzern weder zu russisch noch zu westlich geführt wird. Früher war ich gewohnt, dass meine Meinung als Mehrheitsaktionär akzeptiert wird, heute muss ich argumentieren. Dabei muss man auch mal zugeben, dass man sich irrt. Das ist etwas völlig anderes, und ich habe in diesem Prozess viel gelernt.

Gerüchten zufolge wollen die russischen Aktionäre ihre Anteile an dem Öl-Joint Venture verkaufen.

Das stimmt nicht. Ich finde, der Ölpreis ist zu niedrig, um jetzt sinnvoll aussteigen zu können. Außerdem tue ich mich immer schwer, eine meiner Firmen zu verkaufen. Mein Herz hängt an ihnen.

Welche Pläne haben Sie für Deutschland?

Wir haben da einiges vor, aber die Pläne sind noch nicht so konkret, dass ich schon darüber sprechen kann. Generell interessiert uns der Verarbeitungssektor, ein Markt für unsere Produkte. Dabei wollen wir entweder Firmen kaufen oder fusionieren.

Die Fragen stellte Mathias Brüggmann.

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