Sieben Fragen zum Thema Stahl an: Peter Albrecht
„Erfolg durch Konsolidierung“

Der Vorstand der Beratungsgesellschaft Pricewaterhouse Coopers spricht im Handelsblatt-Interview über die seit Jahren ansteigende Produktionsmenge in der Stahlbranche, zunehmende Rohstoffkosten und die perspektiven der deutschen Unternehmen.

Handelsblatt: Herr Albrecht, die weltweite Stahlindustrie eilt von Produktionsrekord zu Produktionsrekord. Wie lange kann die Branche dieses Tempo noch durchhalten?

Peter Albrecht: Soweit es um einfache Qualität geht, ist von weiteren Produktionssteigerungen auszugehen, dies gilt insbesondere für chinesische und indische Stahlhersteller. Bei Produkten höherer Güte sind heute bereits die Kapazitäten ausgelastet, sodass hier ohne weitere Investitionen der Produzenten in neue Fertigungsanlagen und neue Produktionstechnologie Steigerungsmöglichkeiten nicht unbegrenzt vorhanden sind. Diese Investitionsbereitschaft wird in Europa jedoch durch die Politik und ihre Gestaltung der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen, vor allem die geplanten Regelungen zur CO2-Reduktion, beeinflusst werden.

2007 stieg die weltweite Stahlproduktion um 8,3 Prozent auf 1,34 Milliarden Tonnen. Wie hoch wird die Produktionsmenge im Jahr 2020 sein?

Eine aktuelle Studie unseres Hauses sagt voraus, dass das Wachstum mittelfristig auf 4,3 Prozent pro Jahr abnehmen wird. 2020 dürfte die Produktionsmenge dennoch 2,3 Milliarden Tonnen erreichen.

In welchen Regionen wird die Nachfrage am stärksten steigen?

Besonders in China rechnen wir mit starken, kurzfristigen Nachfragesteigerungen. Auch im Nahen Osten ist mit kurzfristigen, in Indien hingegen eher mit mittel- bis langfristigen Steigerungen zu rechnen.

Wird der steigende Stahlverbrauch die Rohstoffpreise weiter in die Höhe treiben?

Davon ist auszugehen. Insbesondere das Produktionswachstum in China, das zwar über eigene Kokskohlevorkommen verfügt, aber bereits 60 Prozent des Eisenerzes importieren muss, wird dies die Faktorkosten weiter in die Höhe treiben. Dazu kommt die durch anhaltende Konzentrationstendenzen steigende Marktmacht der Rohstoffkonzerne. Die jüngsten Preiserhöhungen der Eisenerzlieferanten um fast 66 Prozent und die im Augenblick verhandelten Fusionen zwischen den australischen Konzernen BHP und Rio Tinto sowie der brasilianischen Vale und der Schweizer Xstrata belegen diese Annahme.

Wie können die Stahlhersteller den Kostenschub auffangen?

Neben weiteren Effizienzsteigerungen liegt der strategische Schwerpunkt der Stahlproduzenten in der weiteren Konsolidierung der Branche. In diesem Zusammenhang spielt auch die Sicherung der Rohstoffbasis eine wichtige Rolle. Daneben sind Investitionen in Forschung und Entwicklung die Basis für einen anhaltenden europäischen Qualitätsvorsprung in der Fertigung hochwertiger Stahlspezialitäten.

Sie erwarten also, dass die Konsolidierungsdynamik in der Stahlindustrie hoch bleiben wird?

Ja, das wird sie. Und unabhängig von der Realisierung der Vorgaben der chinesischen Zentralregierung werden die russischen Stahlhersteller in dieser Phase der Konsolidierung eine maßgebliche Rolle spielen.

Gemessen an der Produktion rangieren die deutschen Unternehmen nur noch im Mittelfeld der Stahlbranche. Wie können sie sich in Zukunft erfolgreich im Markt behaupten?

Der Schlüssel zum anhaltenden Erfolg deutscher Stahlhersteller ist der Erhalt des technischen Vorsprungs. Investitionen in Werkstoffforschung sichern alte und erschließen neue Absatzmärkte und erhalten die im Vergleich hohe Produktivität der hiesigen Produzenten.

Markus Hennes
Markus Hennes
Handelsblatt / Teamleiter Sport
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