Sieben statt vier Jahre Haft
Strafen im Berufungsprozess um Elf-Korruptionsaffäre verschärft

Im Berufungsverfahren um den Schmiergeldskandal beim französischen Öl-Konzern Elf sind in Paris eine Reihe von Haftstrafen verschärft worden. So muss der frühere Elf-Manager André Tarallo nach dem Urteil vom Donnerstag für sieben Jahre ins Gefängnis. Im November 2003 war er in erster Instanz zu vier Jahren Haft und einer Geldstrafe von zwei Millionen Euro verurteilt worden.

HB PARIS. Der Geschäftsmann André Guelfi, der damals drei Jahre Haft auf Bewährung erhielt, muss jetzt für eineinhalb Jahre ins Gefängnis. Eineinhalb Jahre wurden zur Bewährung ausgesetzt. Bei dieser größten Korruptionsaffäre in der Geschichte der französischen Republik geht es um Unterschlagung in Höhe von etwa 305 Millionen Euro. Erhöht wurden auch die Strafen für einen Versicherungsmakler und einen Unternehmensberater. Insgesamt standen 14 Angeklagte erneut vor Gericht.

Die Strafe für den deutschen Geschäftsmann Dieter Holzer wurde dagegen bestätigt. Holzer soll bei dem Verkauf der ostdeutschen Leuna-Raffinerie an Elf 1992 insgesamt 39 Millionen Euro an Provisionen kassiert haben. Er wurde zu 15 Monaten Haft auf Bewährung und zu einer Geldstrafe von 1,5 Millionen Euro verurteilt. Holzer hatte Berufung gegen das Urteil eingelegt ebenso wie die Staatsanwaltschaft, die die Strafe als zu milde ansah.

Nicht vor Gericht stand der Ex-Elf-Konzernchef Loïk Le Floch- Prigent, der keine Berufung gegen seine Strafe eingelegt hatte. Er war der Hauptdrahtzieher der Affäre. Sein früherer engster Vertrauter Alfred Sirven, eine der Schlüsselfiguren dieses weit verzweigten Skandals, war im Februar dieses Jahres an einem Herzinfarkt gestorben. Er war im Mai 2004 aus dem Gefängnis entlassen worden.

Seit über zehn Jahren beschäftigt dieser Skandal die französische Justiz, und es könnte noch weiter gehen. Auf die Erben Sirvens könnten noch Entschädigungsklagen des Konzerns zukommen. Als „Vorspiel“ war 2001 der frühere Außenminister Roland Dumas wegen illegaler Millionenzahlungen an seine damalige Geliebte Christine Deviers-Joncourt zu sechs Monaten Haft verurteilt worden. In der Berufung zwei Jahre später sprach ihn das Gericht allerdings von allen Vorwürfen frei.

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