Industrie

Wie GM beim Traditionskonzern Opel versagte

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Angst vor Werksschließung Bouffier und Betriebsrat warnen Opel

Politik und Betriebsrat pochen auf die Zusagen der Opel-Mutter GM.

Angst vor Werksschließung: Ministerpräsident Bouffier und Betriebsrat warnen Opel

Deutsche, Amerikaner und heikle Situationen

Erst seit etwa acht Jahren versuchen die Amerikaner, die Krise bei Opel zu lösen, indem sie stärker in die Tochter hineinregieren. Was aber gar nicht so leicht ist. Denn: "Deutsche und Amerikaner ähneln sich nur oberflächlich betrachtet", warnt Rob Houck, ein auf transatlantische Übernahmen spezialisierter Anwalt in New York.

Während Amerikaner etwa zu Beginn eines Meetings gern über ihren Segelausflug vom Wochenende oder das gestrige Baseballspiel Small Talk betreiben, gehen die Deutschen gleich in medias res. In ihren Umgangsformen sind Amerikaner legerer, aber sie verhandeln in der Sache mindestens ebenso hart. Mit einem gewinnenden Lächeln und gesundem Selbstbewusstsein haben sie zuweilen leichtes Spiel mit den Deutschen, die die Charmeoffensive falsch interpretieren. Auch sind Amerikaner dazu erzogen, Kritik freundlich zu verpacken. Deutsche dagegen sagen meist direkt heraus, was sie denken. Houck: "Das führt nicht selten zu heiklen Situationen.

Fehler 4: Masse statt Klasse

Volkswagens Patriarch Piëch hält auch nach vier Jahrzehnten in der Autoindustrie an einer Schlüsselerkenntnis fest: "Wer sich aus der Oberklasse verabschiedet, verliert auch in den unteren Segmenten."

Lange Zeit war diese Weisheit unbewiesene Theorie - doch um die Jahrtausendwende wurde die Hypothese gleich mehrfach getestet: Piëch, damals Vorstandschef in Wolfsburg, setzte durch, die Massenmarke Volkswagen um ein Oberklassenfahrzeug zu erweitern.

Vielen Beobachtern erschien der Plan, in die Luxusliga vorzustoßen, in der die Mercedes S-Klasse, der 7er BMW und Audi A8 den Takt angaben, geradezu größenwahnsinnig. Für den Wolfsburger Autobauer war das ein riesiger Sprung, endete die Modellpalette bis dato doch beim Passat, einem Auto der Mittelklasse. Doch 2002 rollte der erste Phaeton vom Band. Heute bringen die Modelle oberhalb des Passats die besten Renditen.

Opel ging den umgekehrten Weg. Viel zu lange diskutierten die europäischen Opel-Gremien und Konzernmutter General Motors in Detroit über einen Nachfolger des zur Jahrtausendwende in die Jahre gekommenen Topmodells Omega - und kamen zu keinem Ergebnis. Dabei hatte der Konzern eine jahrzehntelange Tradition mit teuren Luxusschlitten.

Lange bevor der Audi A8 oder der 7er BMW auf den Markt kamen, spielte Opel in der Luxusschlitten-Liga mit. Erschwinglicher als ein Mercedes, aber technisch auf Augenhöhe - dafür standen die "großen drei" mit den klangvollen Namen Kapitän, Admiral und Diplomat.

Der Kapitän galt in den 50ern als Statussymbol. Mit Haifischmaul und Heckflossen erinnerte er an die amerikanischen Cadillacs. Lange war er das Spitzenmodell von Opel - bis 1964 sein großer Bruder, der Admiral, wieder gebaut wurde. Der Admiral war die gehobene Version des Kapitäns, hatte beispielsweise Seitenschutzleisten aus Chrom, auf Wunsch kam er mit V8-Motor, fuhr 200 Stundenkilometer schnell.

Das Spitzenmodell der sogenannten "KAD-Reihe" von Opel wurde der Diplomat. Er war der Konkurrent der S-Klasse von Mercedes - acht Zylinder, fast fünf Meter lang. Politiker und Diplomaten fuhren mit dem eleganten Opel. Weiche Sitze und eine Klimaanlage machten die Fahrt zum Luxus. Allerdings war der großzügige Verbrauch von 20 Litern auf 100 Kilometern nur etwas für gut Betuchte. 1977 stellte Opel den edelsten Opel aller Zeiten ein, zog sich peu à peu aus der Oberklasse zurück.

Doch die stolze Vergangenheit überzeugte die Amerikaner in Detroit nicht. Ein Opel musste profitabel sein, nicht unbedingt schön. Und auch nicht prestigeträchtig. Trotz vieler Diskussionen und trotz Bitten und Forderungen des damaligen Opel-Chefs Carl-Peter Forster wurde kein neues Luxusmodell entwickelt. 2003 lief der letzte Omega vom Band.

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"Es war ein zentraler Fehler, sich nicht weiter nach oben zu orientieren", sagt Branchenkenner Bratzel. "In der Folge wurde Opel nach unten durchgereicht." Der Chef des Center of Automotive Research kann das Phänomen genau erklären: Die einstmals hochklassige Marke Opel nahmen die Kunden immer stärker als Generalisten wahr, mittlerweile ist Opel eher im unteren Segment positioniert. "Diese Dynamik entfaltete sich nicht, weil Opel schlechter geworden ist", sagt Bratzel. "Sondern weil andere Konkurrenten wie Volkswagen aufgestiegen sind, Opel aber auf der Stelle blieb."

  • 12.07.2012, 21:14 Uhrmathias

    Danke für diesen sehr guten und vor allem seriösen Artikel, der eben Opel mal nicht als Verlierer da stehen lässt, sondern die wahren Ursachen aufzeigt.

    Ich hoffe Opel überlebt dieses Affentheater und das nicht nur als Ramschmarke.

    Technik die begeistert!

    Mathias

  • 12.07.2012, 19:18 UhrJAP27

    War doch klar , dass das nichts werden kann. Da nützen auch gute Modellpolitik und inzwischen wieder gute Autos nichts, wenn man Opel untersagt z.B. auf den zukunftsträchtigen asiatischen Markt zu gehen und dort die Stückzahlen zu generieren, die notwendig sind um auf annehmbare Lohnstückkosten zu kommen. Würde mich nicht wundern, wenn das bei der letzten Opel-Krise, bei der es fast gelang Opel aus den Klauen von GM zu befreien, Kalkül der GM-Manager war; eben Opel dann doch zu behalten und sich somit durch die eben beschriebene Politik auf dem Weltmarkt einen lästigen Konkurrenten vom Leib zu halten.
    Selbst dadurch verursachte rote Zahlen über ein paar Jahre haben sich somit für GM trotzdem rentiert; - sonst wären diese beim Mutterkonzern in den USA entstanden und wesentlich höher ausgefallen.

  • 17.06.2012, 12:13 UhrRobibastler

    Fast 30 Jahre arbeite ich bei Opel in der Rohbaufertigung als Facharbeiter und kann bestätigen,daß die aktuellen Modelle - in Deutschland produziert - einen hohen Qualitätsstandard aufweisen.Leider steht die Qualität der Fahrzeuge nicht bei Allen im Mittelpunkt.Bezeichnend sind dafür Diskussionen mit leitenden Angestellten (unter Androhung von Disziplinarmaßnahmen) über Stillstandszeiten durch Qualitätsoptimierungen (Stückzahl vor Qualität).Auch in diesen Strukturen ist eine hohe Fluktuation zu verzeichnen-alle 2-3 Jahre gibt es neue Vorgesetzten, von denen der Nachfolger noch weniger Fachkompetenz aufweist, als sein Vorgänger.Wenn man sich dann den Aufbau der europäischen Werke und die standardisierte Produktionstechnik (...aus den USA kommend,technisch um Jahrzehnte hinter europäischer oder deutscher Technik zurückliegend) ansieht, kommt man zu dem Schluß, dass die Produktion der Fahrzeuge wie in einem Karussell von einem Werk zum anderen geschoben werden soll. Wer sich über mangelnde Auslastung der Werke beschwert, sollte sich einmal die vielen Standorte in Billiglohnländern ansehen.Alles standardisiert und auf dem Papier innerhalb wahnsinnig kurzer Zeit auf ein anderes Modell umgestellt. Was dabei nicht standardisiert werden kann,sind die Mitarbeiter. Interne Qualitätsaudits (deren Zahlen immer schön frisiert werden) belegen VOR der Zensur die führenden Positionen der deutschen Standorte in Sachen Qualität! Wenn man sich nun vor Augen führt, daß die Inhaberin der Markenrechte (unsere beliebte "Mutter" GM) Opel für das Führen des EIGENEN "Opel-Blitzes" Jahr für Jahr 400 Mio. Euronen abknöpft,brauch man sich über Verluste nicht zu wundern Und an Herrn Stracke, dem "German Wunderkind" an der Spitze von Opel: Personaltechnisch sind wir gerade noch in der Lage, einen Zweischichtbetrieb aufrecht zu halten.Welcher Träumer redet dann von 3-Schichtbetrieb??? Aber solange man Einem Facharbeiter 3 Vorgesetzte bei Reparaturen zur Seite stellen kann,geht es einem doch gut...

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