Siechtum made in USA Wie GM beim Traditionskonzern Opel versagte

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Die Ironie der Geschichte

So kam am 1. Juli 2004 mit dem US-Manager Fritz Henderson der US-Manager nach Europa, der den nun mit mehr Macht ausgestatteten Job als GM-Europachef übernahm - und erneut den Rotstift ansetzte.

Henderson baute 2004 und 2005 europaweit knapp 10.000 Jobs ab. Die Folge: Nach jahrelangen hohen Verlusten machte GM 2006 und 2007 in Europa wieder Gewinn.

Doch, Ironie der Geschichte: Nun rutscht der Mutterkonzern in die Krise, die 2009 zur Insolvenz führte - und zog die Tochter mit hinab. Opel suchte nach neuen Eigentümern und Geldgebern. Es folgte ein mehr als zwei Jahre dauernder Hickhack zwischen Detroit, der Bundesregierung und dem potenziellen Käufer, dem Zulieferergiganten Magna, um Staatshilfen. Doch letztlich verhinderte GM nach der Rückkehr aus der Insolvenz den Verkauf von Opel.

Der Brite Nick Reilly sollte nun den Rüsselsheimer Autobauer sanieren. Er ordnete eine Modelloffensive, die Schließung des belgischen Werks Antwerpen und den Abbau von rund 8 000 Stellen in Europa an, davon knapp 4 000 Jobs in Deutschland.

Der Hilflose: Rick Wagoner führte Opels Mutter GM bis 2009, dem Jahr der Insolvenz. Quelle: AFP

Der Hilflose: Rick Wagoner führte Opels Mutter GM bis 2009, dem Jahr der Insolvenz.

(Foto: AFP)

Doch auch Reilly blieb erfolglos, im April 2011 wurde er vom bisherigen GM-Entwicklungschef abgelöst, Karl-Friedrich Stracke. Der gebürtige Hesse dachte zunächst, er könne sich hauptsächlich um neue Modelle und technische Details kümmern. Es war ein riesiger Irrtum. Auf Anweisung von Detroit musste auch Stracke in eine Rolle schlüpfen, in der er keine Erfahrung hat: die des harten Sanierers. An dieser Rolle scheiterte Stracke letztendlich. Nach Übergangchef Thomas Sedran soll nun der ehemalige VW-Manager Karl-Thomas Neumann die Aufgabe meistern.

In den Köpfen vieler Opel-Mitarbeiter hat das jahrelange Hickhack über die Zukunft des Unternehmens aber vor allem eines hinterlassen: das Gefühl, das ungeliebte Kind zu sein. "Es gibt einige in Detroit, für die sind wir das Geschwür am Arsch von GM", formuliert ein Arbeitnehmervertreter drastisch. Die Deutschen seien als Verlustbringer mit widerspenstigen Gewerkschaftern verschrien. Das Vertrauensverhältnis ist seit dem in letzter Sekunde abgeblasenen Verkauf an Magna schwer belastet. Öffentlich hatten die Mitarbeiter damals gegen GM protestiert. Der damalige Opel-Gesamtbetriebsratschef Klaus Franz wetterte gar über einen "schwarzen Tag für Opel". Bis heute sind die Wunden nicht verheilt. Denn auch in Detroit fühlt sich das Management unverstanden.

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3 Kommentare zu "Siechtum made in USA: Wie GM beim Traditionskonzern Opel versagte"

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  • Opel müßte wieder einen Manta, oder Kadett C Coupe, bauen. Es fehlt an Produkten, die an das Opel Image aus guten Zeiten anknüpfen. Gerade der C-Kadett, bis heute erfolgreich im Renneinsatz bei Slalom oder Bergrennen, das ist für mich Opel. GM hat keine konsequente Markenstrategie und kannibalisiert Opel mit koreanischen Chevorlets. Warum soll man so vertrauen in die Marke Opel haben?

  • Das Opel schlechte Autos baut, tonnenschwere Säufer mit schlechter Raumökonomie, kann nicht nur den Amis angelastet werden.

    Das gab es reihenweise Entwicklungsleiter, die konsequent daneben lagen, angefangen beim - näheren Hinschauen - gar nicht so legendären Indra. Zuletzt ein deutsche Frau. Mit der habe ich mich mal 30 Minuten unterhalten, das war so gar nicht überzeugend im Quervergleich der Industrie.

  • Wenn ich mich recht entsinne, ohne den Artikel gelesen zu haben und somit möglicherweise den wiederholend, waren es folgende Punkte, die Opel dort hin brachten, wo sie sind:

    - 90er Jahre Qualitätsdesaster
    - Markt-Begrenzung durch GM
    - Ausnutzen der Technologie-Sparte durch GM
    - Subventionsverlust bei GM, dadurch Sparmassnahmen, die in den USA weniger Schaden anrichten
    - Marketing Begrenzung durch GM

    Heute baut Opel sehr gute Autos, die sich nicht verkaufen, weil sie sich Preislich nicht ganz mit der Konkurrenz messen können. Durch den Image Verlust (hier haben die ständigen schlechten, vor allem aber schlecht wiedergegebenen Nachrichten auch nachgeholfen, das Kaufinteresse zu senken) aber auch garnicht mehr auf einen grünen Zweig kommen können.

    Sehr schade.

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