Siechtum made in USA Wie GM beim Traditionskonzern Opel versagte

Seite 4 von 13:
Kleine Fehler - hohe Summe
Opel und General Motors-Fahnen im Opel-Museum. Quelle: dpa

Opel und General Motors-Fahnen im Opel-Museum.

(Foto: dpa)

2001 beendete Opel das Engagement beim Fußball-Rekordmeister FC Bayern aus finanziellen Gründen. Die bayerische VW-Tochter Audi gab sich später generöser und sicherte sich neun Prozent an der FC Bayern AG.

Für Michael Brandtner, Spezialist für strategische Marken- und Unternehmenspositionierung, hat Opel im Lauf der Jahre sein Gesicht in der Öffentlichkeit verloren. "Heute ist niemandem mehr klar, wofür Opel eigentlich steht", sagt er. Doch bisher habe GM es bei kosmetischen Ansätzen belassen. Die Amerikaner haben kurzatmig kaum eine Imagekampagnen durchgehalten. Das Flickwerk zeige sich auch im Wechsel der Slogans: Erst "Technik, die begeistert", dann "Frisches Denken für bessere Autos", dann "Entdecke Opel" und heute schließlich "Wir leben Autos". Dem Hersteller fehle ein Modell, an dem sich die ganze Marke ausrichten könne.

Die wichtigsten Eckpfeiler der Marke, die lange mit dem Slogan "Der Zuverlässige" warb, verspielten die meist aus den USA entsandten Opel-Manager, indem sie bei der Qualität schlampten, die Wünsche der Händler ignorierten und auf markenprägende Nischenmodelle verzichteten. Nur eines zählte: Bei jedem neuen Modell musste die Produktivität deutlich steigen.

Es waren scheinbar kleine Fehler. Doch in der Summe prägten sie schon bald das Bild der Marke.

Während etwa VW in Autotests mit der aufwendigen Mehrlenkerhinterachse des Golf punktete, wurstelte Opel mit der klassischen Verbundlenkerkonstruktion weiter. Das Geländemodell Frontera wurde viel zu spät vom Nachfolger Antara abgelöst. Sportliche Modelle wie der weitgehend von Lotus stammende Opel GT blieben die Ausnahme und konnten das angestaubte Image von Astra und Corsa nicht drehen. Die Produktion des von jungen Fahrern geschätzten Coupés Calibra wurde ganz eingestellt.

Der Vertrieb sollte es richten - so stellten sich das die US-Chefs vor. Doch die Händler verloren die Übersicht angesichts von mehr als 20 verschiedenen Verkaufsförderungsmodellen, darunter Null-Prozent-Finanzierung, Eintauschprämien und diversen Sonderaktionen. "Unzählige Fußnoten und Änderungen im Wochentakt machen uns das Leben schwer", schimpfte Hans-Joachim Flohr, ehemals Chef des Opel-Händlerverbands. "Keiner blickt mehr durch, das kostet Marktanteile." Und so ist es noch heute.

Die bittere Ironie liegt darin, dass Opel unter Forster seit 2001 zwar deutliche Fortschritte bei der Produktqualität erreichte - es allerdings kaum jemand merkte, weil Opel den meisten als zu wenig attraktiv erschien, um in den Augen der Nachbarn zu punkten.

Die wichtigsten Neuigkeiten jeden Morgen in Ihrem Posteingang.
Die „Detroiter Krankheit“
Seite 12345678910111213Alles auf einer Seite anzeigen

3 Kommentare zu "Siechtum made in USA: Wie GM beim Traditionskonzern Opel versagte"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Opel müßte wieder einen Manta, oder Kadett C Coupe, bauen. Es fehlt an Produkten, die an das Opel Image aus guten Zeiten anknüpfen. Gerade der C-Kadett, bis heute erfolgreich im Renneinsatz bei Slalom oder Bergrennen, das ist für mich Opel. GM hat keine konsequente Markenstrategie und kannibalisiert Opel mit koreanischen Chevorlets. Warum soll man so vertrauen in die Marke Opel haben?

  • Das Opel schlechte Autos baut, tonnenschwere Säufer mit schlechter Raumökonomie, kann nicht nur den Amis angelastet werden.

    Das gab es reihenweise Entwicklungsleiter, die konsequent daneben lagen, angefangen beim - näheren Hinschauen - gar nicht so legendären Indra. Zuletzt ein deutsche Frau. Mit der habe ich mich mal 30 Minuten unterhalten, das war so gar nicht überzeugend im Quervergleich der Industrie.

  • Wenn ich mich recht entsinne, ohne den Artikel gelesen zu haben und somit möglicherweise den wiederholend, waren es folgende Punkte, die Opel dort hin brachten, wo sie sind:

    - 90er Jahre Qualitätsdesaster
    - Markt-Begrenzung durch GM
    - Ausnutzen der Technologie-Sparte durch GM
    - Subventionsverlust bei GM, dadurch Sparmassnahmen, die in den USA weniger Schaden anrichten
    - Marketing Begrenzung durch GM

    Heute baut Opel sehr gute Autos, die sich nicht verkaufen, weil sie sich Preislich nicht ganz mit der Konkurrenz messen können. Durch den Image Verlust (hier haben die ständigen schlechten, vor allem aber schlecht wiedergegebenen Nachrichten auch nachgeholfen, das Kaufinteresse zu senken) aber auch garnicht mehr auf einen grünen Zweig kommen können.

    Sehr schade.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%