Siechtum made in USA Wie GM beim Traditionskonzern Opel versagte

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Leerlauf in den Werken

Werner Günther, 56, war 30 Jahre lang Lagerist bei Opel in Bochum. Ab 2001 bekamen die Mitarbeiter die Einsparungen zu spüren: "In den Toiletten wurden die Warmwasserhähne abmontiert, die Boiler sollen zu teuer gewesen sein." Außerdem durften sich die Arbeiter ihren neuen Opel nicht mehr während der Arbeitszeit bestellen, sondern nur noch nach der Schicht. "Man hat gemerkt, die sparen hinten und vorne", so Günther.

Die gescheiterte Konzern-Sanierung deckte erbarmungslos einen der Schwachpunkte des Opel-Produktionssystems auf: die unflexible Fertigung. Für den Autoexperten Ferdinand Dudenhöffer ist sie "der Knackpunkt" bei Opel. "Sobald der Markt Europa schwächer wird, läuft das Unternehmen in Probleme." Während große Rivalen wie VW ihre Produktion über mehreren Konzernmarken sowie große außereuropäische Auslandsmärkte ausbalancieren, leben die Opel-Werke allein vom Verkauf in Europa - und der sinkt beständig.

So herrscht Leerlauf in vielen Werken.

Die deutschen Opel-Werke könnten viel mehr Autos bauen, als sie es tun. So liegen nach internen Zahlen in einzelnen Fabriken mindestens 40 Prozent der Kapazität brach. Die massiven Überkapazitäten sind ein großes Problem. Denn nur gut ausgelastete Werke verdienen auch gutes Geld.

Hilfe aus dem Konzern für die Opel-Werke wäre indes machbar - und zwar aus den USA: So könnte gerade die Einsteigermarke Chevrolet für Opel einen Ausgleich bieten, um Kapazitätsrisiken zu mildern. Vor allem Gesamtbetriebsratchef Wolfgang Schäfer-Klug kämpft für diesen Weg, um die Existenz der deutschen Werke zu sichern. Es sei doch Politik von GM, "dort zu fertigen, wo man verkauft", lockt er das Management. Bisher verkauft Chevrolet in Europa zwar 176.000 Autos - produziert werden sie aber zum Ärger der Arbeitnehmer ausschließlich in günstigeren Regionen außerhalb Europas.

Der oberste Arbeitnehmervertreter von GM in Europa will dagegen Opel-Produkte wie den neuen kleinen Geländewagen Mokka, der bisher in Asien auf GM-Bändern gefertigt wird, nach Europa holen und auch die günstige Schwestermarke Chevrolet künftig von den Bändern der europäischen Opel-Werke laufen lassen. So wollen die Arbeitnehmer die Auslastung um mehr als 300.000 Fahrzeuge verbessern. Das entspricht der Jahresproduktion eines großen Werks.

Mitarbeit: Catrin Bialek, Christian Hellermann, Saskia Littmann, Katharina Slodczyk, Ulf Sommer

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3 Kommentare zu "Siechtum made in USA: Wie GM beim Traditionskonzern Opel versagte"

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  • Opel müßte wieder einen Manta, oder Kadett C Coupe, bauen. Es fehlt an Produkten, die an das Opel Image aus guten Zeiten anknüpfen. Gerade der C-Kadett, bis heute erfolgreich im Renneinsatz bei Slalom oder Bergrennen, das ist für mich Opel. GM hat keine konsequente Markenstrategie und kannibalisiert Opel mit koreanischen Chevorlets. Warum soll man so vertrauen in die Marke Opel haben?

  • Das Opel schlechte Autos baut, tonnenschwere Säufer mit schlechter Raumökonomie, kann nicht nur den Amis angelastet werden.

    Das gab es reihenweise Entwicklungsleiter, die konsequent daneben lagen, angefangen beim - näheren Hinschauen - gar nicht so legendären Indra. Zuletzt ein deutsche Frau. Mit der habe ich mich mal 30 Minuten unterhalten, das war so gar nicht überzeugend im Quervergleich der Industrie.

  • Wenn ich mich recht entsinne, ohne den Artikel gelesen zu haben und somit möglicherweise den wiederholend, waren es folgende Punkte, die Opel dort hin brachten, wo sie sind:

    - 90er Jahre Qualitätsdesaster
    - Markt-Begrenzung durch GM
    - Ausnutzen der Technologie-Sparte durch GM
    - Subventionsverlust bei GM, dadurch Sparmassnahmen, die in den USA weniger Schaden anrichten
    - Marketing Begrenzung durch GM

    Heute baut Opel sehr gute Autos, die sich nicht verkaufen, weil sie sich Preislich nicht ganz mit der Konkurrenz messen können. Durch den Image Verlust (hier haben die ständigen schlechten, vor allem aber schlecht wiedergegebenen Nachrichten auch nachgeholfen, das Kaufinteresse zu senken) aber auch garnicht mehr auf einen grünen Zweig kommen können.

    Sehr schade.

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