Siechtum made in USA Wie GM beim Traditionskonzern Opel versagte

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Sechs falsche Entscheidungen
Die Versuche, die Marke mit dem Blitz wieder begehrenswert zu machen, waren allesamt halbherzig. Quelle: dpa

Die Versuche, die Marke mit dem Blitz wieder begehrenswert zu machen, waren allesamt halbherzig.

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Das Handelsblatt hat den Patienten untersucht und sieben Fehler diagnostiziert, die insbesondere der Eigentümer von Opel, der US-Konzerns General Motors zu verantworten hat - sieben falsche Entscheidungen und Versäumnisse, die zu dem anhaltenden Siechtum des Unternehmens führten.

Fehler 1: Kaum Markenpflege

Jeder Verkäufer weiß, dass Autokauf immer etwas mit Psychologie zu tun hat. Oder, um es ganz platt auszudrücken: mit Neid. Staunt der Nachbar, wenn er das neue Auto sieht? Oder nickt er zumindest anerkennend? Dann hat der stolze Besitzer eines Neuwagens alles richtig gemacht.

Fragt der Nachbar jedoch: "Wieso hast du denn den gekauft?", wird es schnell peinlich: "Äh, ja, also die Kinder haben da doch einfach mehr Beinfreiheit."

Viele Jahrzehnte lang waren die Autos von Opel nicht erklärungsbedürftig. Ganz im Gegenteil: Die Autos waren einfach cool, weil sie sportlich waren.

Schon 1903 war Opel eine Größe im Rennsport. Carl Jörns, einer der ersten Werksfahrer der Renngeschichte, fuhr für Opel mehr als 200 Siege ein - unter anderem im seinerzeit berühmten "grünen Monster", einem PS-Boliden aus dem Jahr 1914. Und Fritz von Opel stellte 1928 im Raketenwagen RAK 2 auf der Berliner Rennstrecke Avus einen Geschwindigkeitsrekord auf: 120 Kilogramm Raketentreibstoff katapultierten den Enkel des Firmengründers samt seinem Gefährt auf 238 Kilometer pro Stunde.

Nach dem Krieg, unter der Regie von Detroit, stand die deutsche Marke Opel einerseits für technische Zuverlässigkeit - andererseits für den gefragten amerikanischen Lifestyle.

Opel setzte wieder auf extrem sportliche Modelle, die "schwarze Witwe" etwa, ein Record aus den 60er-Jahren, oder den GT. In den 70er-Jahren folgte der Ascona - mit dem Walter Röhrl 1974 Rallye-Europameister und 1982 Weltmeister wurde. "Er war zuverlässig, unheimlich stark - ein Büffel", sagt Röhrl heute noch.

Zudem war Opel für viele Deutsche ein Stück Wirtschaftswunder, stand für erreichbaren Wohlstand. Legendäre Modelle wie die eleganten Oberklassengefährte Admiral, Diplomat oder Kapitän nahmen denselben Rang ein wie die konkurrierenden Mercedes-Modelle.

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Selbst der Manta war Teil des Erfolgs
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3 Kommentare zu "Siechtum made in USA: Wie GM beim Traditionskonzern Opel versagte"

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  • Opel müßte wieder einen Manta, oder Kadett C Coupe, bauen. Es fehlt an Produkten, die an das Opel Image aus guten Zeiten anknüpfen. Gerade der C-Kadett, bis heute erfolgreich im Renneinsatz bei Slalom oder Bergrennen, das ist für mich Opel. GM hat keine konsequente Markenstrategie und kannibalisiert Opel mit koreanischen Chevorlets. Warum soll man so vertrauen in die Marke Opel haben?

  • Das Opel schlechte Autos baut, tonnenschwere Säufer mit schlechter Raumökonomie, kann nicht nur den Amis angelastet werden.

    Das gab es reihenweise Entwicklungsleiter, die konsequent daneben lagen, angefangen beim - näheren Hinschauen - gar nicht so legendären Indra. Zuletzt ein deutsche Frau. Mit der habe ich mich mal 30 Minuten unterhalten, das war so gar nicht überzeugend im Quervergleich der Industrie.

  • Wenn ich mich recht entsinne, ohne den Artikel gelesen zu haben und somit möglicherweise den wiederholend, waren es folgende Punkte, die Opel dort hin brachten, wo sie sind:

    - 90er Jahre Qualitätsdesaster
    - Markt-Begrenzung durch GM
    - Ausnutzen der Technologie-Sparte durch GM
    - Subventionsverlust bei GM, dadurch Sparmassnahmen, die in den USA weniger Schaden anrichten
    - Marketing Begrenzung durch GM

    Heute baut Opel sehr gute Autos, die sich nicht verkaufen, weil sie sich Preislich nicht ganz mit der Konkurrenz messen können. Durch den Image Verlust (hier haben die ständigen schlechten, vor allem aber schlecht wiedergegebenen Nachrichten auch nachgeholfen, das Kaufinteresse zu senken) aber auch garnicht mehr auf einen grünen Zweig kommen können.

    Sehr schade.

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