Siechtum made in USA Wie GM beim Traditionskonzern Opel versagte

Seite 9 von 13:
Unabhängigkeit bewahren

Opel-Retter mit 30.000 Gesichtern

Opel-Retter mit 30.000 Gesichtern

Fehler 3: Kampf der Kulturen

Alfred P. Sloan, General-Motors-Chef im Jahre 1929, betrieb bei Opel eine Politik der "koordinierten Dezentralisierung". Hinter dem betriebswirtschaftlichen Kauderwelsch verbirgt sich ein simples Konzept: Die Konzernmutter wollte zu ihrer Tochter Abstand bewahren. Eine Integration oder Vernetzung, bei der die Rüsselsheimer etwa Motoren oder andere Teile aus den USA verbaut hätten, galt es aus seiner Sicht zu verhindern. Sloan fürchtete Zollerhöhungen. Opel musste sich deshalb fortan bei anstehenden Investitionen selbst Kapital besorgen und wurde ansonsten in Ruhe gelassen.

Das zeigte sich schon unmittelbar nach dem Kauf von Opel. Die deutsche Wirtschaft fiel in eine Rezession, im Dezember 1929 musste GM die Opelwerke für zwei Wochen schließen, um Geld zu sparen. 1930, im ersten vollen Geschäftsjahr für GM, fuhr Opel einen Verlust von drei Millionen Dollar ein. Die Amerikaner waren entsetzt, aber ihr Einfluss in Rüsselsheim war begrenzt. Die aus Detroit entsandten Ingenieure und Manager sprachen kein Deutsch. Und - Krise hin oder her - selbst bei Aufsichtsratssitzungen von Opel tauchten die amerikanischen Mitglieder kaum auf.

Zwar gehörte den Amerikanern das Unternehmen zu 100 Prozent, trotzdem beließen sie Opel als eigenständige Aktiengesellschaft mit einem Aufsichtsrat und jährlicher Aktionärsversammlung bei - wie es bis heute der Fall ist. Der Sohn des Firmengründers Wilhelm von Opel war lange Zeit Aufsichtsratsvorsitzender, sein Bruder Fritz Opel der Stellvertreter.

Das hatte auch politische Gründe. "In einer Zeit des anschwellenden Nationalismus in Deutschland eiferte GM danach, einen Anschein von Unabhängigkeit zu wahren", schreibt der ehemalige Yale-Geschichtsprofessor Henry Turner in seinem Buch "General Motors und die Nazis". Die Anpassung zahlte sich aus. Im Dritten Reich erwirtschaftete GM Rekordgewinne. Der Autohersteller soll selbst im Zweiten Weltkrieg Gewinne aus Rüsselsheim überwiesen bekommen haben, wie Turner ermittelte, der als Erster völlig freien Zugang zu den Konzernarchiven hatte.

Nach dem Zweiten Weltkrieg ging die Politik der Selbstständigkeit weiter: Opel erwirtschaftete vor allem in den 70er- und 80er-Jahren Traumrenditen für GM. Doch ab den 80er-Jahren etwa, so berichten Wirtschaftshistoriker, wäre eine stärkere Abstimmung sinnvoll gewesen. Während andere Autobauer in dieser Zeit anfingen, Synergien zwischen ihren Werken und Tochtergesellschaften aufzubauen, versäumte es GM, Produkte international zu integrieren und ein gemeinsames Vorgehen zu entwickeln. "Man hat nicht miteinander gesprochen", sagt Rebecca Lindland, Analystin von IHS.

Länder wie Deutschland oder Brasilien wurden wie ein Aktienportfolio gesehen: Einmal lief es in dem einen Markt gut, während es im anderen brannte. Doch das konnte sich im nächsten Jahr wieder ändern. So war die Sicht in Detroit. Nur das Gesamtergebnis musste stimmen. "Bis vor wenigen Jahren gab es keine globale Strategie", sagt Bill Sowerby, der 37 Jahre bei GM als Manager arbeitete und heute Programmdirektor bei der Clemson University ist.

Die wichtigsten Neuigkeiten jeden Morgen in Ihrem Posteingang.
Deutsche, Amerikaner und heikle Situationen
Seite 12345678910111213Alles auf einer Seite anzeigen

3 Kommentare zu "Siechtum made in USA: Wie GM beim Traditionskonzern Opel versagte"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Opel müßte wieder einen Manta, oder Kadett C Coupe, bauen. Es fehlt an Produkten, die an das Opel Image aus guten Zeiten anknüpfen. Gerade der C-Kadett, bis heute erfolgreich im Renneinsatz bei Slalom oder Bergrennen, das ist für mich Opel. GM hat keine konsequente Markenstrategie und kannibalisiert Opel mit koreanischen Chevorlets. Warum soll man so vertrauen in die Marke Opel haben?

  • Das Opel schlechte Autos baut, tonnenschwere Säufer mit schlechter Raumökonomie, kann nicht nur den Amis angelastet werden.

    Das gab es reihenweise Entwicklungsleiter, die konsequent daneben lagen, angefangen beim - näheren Hinschauen - gar nicht so legendären Indra. Zuletzt ein deutsche Frau. Mit der habe ich mich mal 30 Minuten unterhalten, das war so gar nicht überzeugend im Quervergleich der Industrie.

  • Wenn ich mich recht entsinne, ohne den Artikel gelesen zu haben und somit möglicherweise den wiederholend, waren es folgende Punkte, die Opel dort hin brachten, wo sie sind:

    - 90er Jahre Qualitätsdesaster
    - Markt-Begrenzung durch GM
    - Ausnutzen der Technologie-Sparte durch GM
    - Subventionsverlust bei GM, dadurch Sparmassnahmen, die in den USA weniger Schaden anrichten
    - Marketing Begrenzung durch GM

    Heute baut Opel sehr gute Autos, die sich nicht verkaufen, weil sie sich Preislich nicht ganz mit der Konkurrenz messen können. Durch den Image Verlust (hier haben die ständigen schlechten, vor allem aber schlecht wiedergegebenen Nachrichten auch nachgeholfen, das Kaufinteresse zu senken) aber auch garnicht mehr auf einen grünen Zweig kommen können.

    Sehr schade.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%