Sieg gegen Toyota Erdbeben bringen VW in Führung

Mitten im Dieselskandal überholt Volkswagen den japanischen Konkurrenten Toyota beim Absatz. Am Jahresende könnte man sich den Titel als Weltmarktführer zurückholen. Doch das scheint in Wolfsburg nebensächlich zu sein.
Der VW T-Prime Concept GTE soll demonstriert auf der Autoshow in Peking, wie man sich in Wolfsburg die Zukunft vorstellt. Quelle: Reuters
Das neue Gesicht von VW

Der VW T-Prime Concept GTE soll demonstriert auf der Autoshow in Peking, wie man sich in Wolfsburg die Zukunft vorstellt.

(Foto: Reuters)

Düsseldorf/PekingAuf den Titel als Weltmarktführer geben sie in Japan nicht viel. Fragt man Toyota-Manager danach, erntet man bestenfalls ein Schulterzucken. Der japanische Autoriese legt Wert darauf, der rentabelste Volumenhersteller der Welt zu sein. Wie oft sich die Autos verkaufen, scheint da oft nebensächlich.

Bei VW war das lange anders. Die Weltspitze galt als erklärtes Ziel des ehemaligen Konzernchefs Martin Winterkorn. Ausgerechnet in der schwersten Krise des Konzerns könnte man dieses Ziel erneut erreichen. 2,5 Millionen Autos haben die Wolfsburger in den ersten drei Monaten des Jahres verkauft. Etwa 0,8 Prozent mehr als im Vorjahr. Kein rasantes Wachstum, aber es reicht, um an Toyota vorbeizuziehen. Denn die Japaner müssen einen Absatzrückgang von 2,3 Prozent vermelden. Mit 2,46 Millionen Fahrzeugen liegen sie knapp hinter VW. Der Grund ist offenbar höhere Gewalt.

Denn die Erdbeben im Heimatmarkt Japan machen dem Weltmarktführer zu schaffen Im Februar gab es Produktionsunterbrechungen im Zusammenhang mit einer Explosion und einem Brand in einem Werk der Tochterfirma Aichi Steel Corp., was die Zulieferung von Motor-, Getriebe- und Chassisteilen störte. In dem Monat brach die Produktion von Toyota um 17 Prozent auf rund 300.000 Fahrzeuge ein. Das schwerste Erdbeben seit 2011 hat damit die Produktion von 80.000 Autos verhindert, mit denen man vor VW gelandet wäre. „Es gab Auswirkungen auf zahlreiche Teile, Modelle und Werke“, sagte Toyota-Manager Hiroji Onishi am Sonntag zu Journalisten im Vorfeld der Automesse in Peking. „Wir tun alles, um die Lage in den Griff zu bekommen und den Wiederaufbauplan voranzutreiben.“ 

Die Wolfsburger schlagen sich dagegen trotz der Dieselkrise wacker, vor allem in Märkten, in denen der Diesel eine untergeordnete Rolle spielt. Die Rückkehr an die Spitze vor allem der starken Entwicklung in China, wo VW um 6,4 Prozent zulegen konnten. Aber auch in Westeuropa kann VW mit einem Plus von 3,5 Prozent zum zweiten Mal innerhalb der letzten zwölf Monate einen Quartalssieg über Toyota erringen.

Diener vieler Herren
Wolfgang Porsche
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Als Aufsichtsratsvorsitzender der Familienholding Porsche SE vertritt er die Interessen der beiden Sippen Porsche und Piëch. Ohne und gegen sie läuft nichts bei Volkswagen.

Ministerpräsident Stephan Weil (SPD)
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Er vertritt den Großaktionär Niedersachsen im VW-Aufsichtsrat und sorgt sich vor allem um die Arbeitsplätze in seinem Land.

US-Justizministerin Loretta Lynch
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Die unbarmherzige Chefermittlerin hat schon Fifa-Chef Sepp Blatter zur Strecke gebracht – und zieht mit ihrer Klage gegen Volkswagen auch die Schlinge um Müllers Hals noch ein Stück enger.

VW-Markenchef Herbert Diess
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Unbelastet vom Abgasskandal steht der ehemalige BMW-Manager als Kronprinz für die Konzernspitze bereit, wenn Müller scheitern sollte.

Gina McCarthy, Chefin der US-Umweltbehörde Environmental Protection Agency (EPA)
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Ihre Mitarbeiter fühlen sich von Volkswagen in der Dieselaffäre hingehalten und verschaukelt. Schon deshalb will sie VW nicht zu leicht davonkommen lassen.

Volkswagen-Betriebsratschef Bernd Osterloh
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Mächtiger Statthalter der IG Metall in Wolfsburg.

Patriarch Ferdinand Piëch
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Offiziell hat der langjährige Konzernlenker und Großaktionär kaum noch Einfluss bei Volkswagen – aber was heißt das schon bei einem wie Piëch?

Trotzdem scheint der Titel Weltmarktführer derzeit auch in Wolfsburg niemand in Hochstimmung versetzen. Angesichts der großen Herausforderungen in den kommenden Monaten dürfte Konzernchef Matthias Müller eher an der Rentabilität der Kernmarke als am bedingungslosen Wachstum arbeiten. Am harten Umbauprozess, der in den kommenden Monaten ansteht, ändert sich damit nichts.

Denn um die bisherigen Kosten von 16,2 Milliarden Euro, die das Unternehmen für den Dieselbetrug zurückgestellt hat, auch stemmen zu können, braucht VW weiterhin Milliardengewinne.

Die sind bei Toyota trotz des Abgasrückgangs fest eingeplant. Mittlerweile laufen bei den Japanern auch wieder einige Montagebänder an, die wegen der Erdbeben auf der Insel Kyushu in Südjapan gestoppt worden waren. Weitere Produktionslinien sollen nach und nach bis Donnerstag ihre Arbeit wieder aufnehmen, hieß es in einer Mitteilung vom 20. April. 

  • bay
  • Bloomberg
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