Siegelbruch: Eon wehrt sich gegen saftiges Bußgeld

Siegelbruch
Eon wehrt sich gegen saftiges Bußgeld

Zum ersten Mal ahndet die Europäische Kommission einen Siegelbruch mit einem Bußgeld - und zwar mit einem saftigen: 38 Mill. Euro soll der deutsche Energiekonzern Eon zahlen. Den Fahndern hatte der Versorger zuvor eine ganze Reihe von fantasievollen Erklärungsversuchen für die Veränderungen an dem High-Tech-Verschluss präsentiert und will sich wehren.

HB BRÜSSEL. Eon hat den Vorwurf des Siegelbruchs am Mittwoch zurückgewiesen. Im Mai 2006 hatten die Brüsseler Wettbewerbshüter bei Eon Unterlagen zu vermuteten Verstößen gegen EU-Recht sichergestellt und über Nacht in einem Büro gelagert. Als sie am nächsten Tag wiederkamen, war die versiegelte Tür offensichtlich geöffnet worden.

"Eon leugnete, für den Siegelbruch verantwortlich zu sein, und wandte zunächst ein, dass sich die Kommission im Besitz des einzigen Schlüssels zu dem betreffenden Raum befand", erklärte die Brüsseler Behörde am Mittwoch. "Später stellte sich jedoch heraus, dass 20 weitere Schlüssel unter den Eon -Mitarbeitern im Umlauf waren."

Daraufhin lieferte der Konzern andere Erklärungen für die Veränderungen an dem Siegel. "Die Siegel der Kommission bestehen aus einer Plastikfolie, die nicht reißt, wenn wenn man versucht, sie zu entfernen, sondern auf deren Oberfläche "VOID"-Schriftzüge (Englisch für "nichtig") erscheinen", erläuterte die Behörde. Als die Fahnder der Kommission am Morgen nach der Durchsuchung wiederkamen, hätten sie sowohl diesen Schriftzug als auch Klebstoffreste festgestellt.

Eon verwies auf die Putzfrau. Die "Einwirkung eines scharfen Reinigungsmittels" könne die Siegel verändert haben. Schwingungen bei der Vorbereitung einer Konferenz im Nebenraum brachte der Konzern nach Kommissionsangaben ebenfalls vor. Eine "altersbedingte Vorschädigung des Siegels" und hohe Luftfeuchtigkeit mussten auch als Erklärung herhalten. Alles Ausreden, meinen die Fahnder - auch wenn Eon Energie am Mittwoch in München bekräftigte: "Niemand hat das Siegel beschädigt oder die Tür geöffnet. In dem versiegelten Raum fehlten keine Unterlagen."

Gründlich habe die Kommission alle Möglichkeiten untersucht und sogar einen unabhängigen Gutachter beauftragt. "Keine der angegebenen Erklärungen erwies sich als stichhaltig", betonte die Behörde. Der Zustand des Siegels am Morgen des 30. Mai 2006 könne "nur auf einen Siegelbruch zurückzuführen sein". Ob tatsächlich wichtige Dokumente verschwanden, bleibt indes offen: Die Fahnder hatten die Unterlagen noch nicht gesichtet und aufgelistet.

Das verhängte Bußgeld hält die Kommission für angemessen. Es hätte nach EU-Recht noch höher ausfallen können - bis zu einem Prozent des Konzernumsatzes von 67,7 Mrd. Euro im Jahr 2006. Man begnüge sich mit 38 Mill. Euro, weil es der erste Fall dieser Art war, heißt es in Brüssel. Die Razzia bei Eon und anderen Energieunternehmen zielte auf mutmaßlich viel höhere Summen: Die Kommission war verbotenen Preisabsprachen auf der Spur.

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