Siemens abgeblitzt

Frankreich unterstützt GE bei Alstom-Übernahme

Die französische Regierung hat die Offerte von Siemens für Alstom abgelehnt. Stattdessen übernimmt der Staat nun selber Anteile am Industriekonzern – und will den Weg für eine Übernahme durch General Electric bereiten.
Update: 21.06.2014 - 10:55 Uhr 9 Kommentare
GE-Chef Jeffrey Immelt: Erfolgreiche Verhandlungen um Alstom. Quelle: AFP

GE-Chef Jeffrey Immelt: Erfolgreiche Verhandlungen um Alstom.

(Foto: AFP)

ParisIm Übernahmepoker um den französischen Industriekonzern Alstom hat der US-Mischkonzern General Electric (GE) die Konkurrenz von Siemens und Mitsubishi Heavy Industries (MHI) ausgestochen. Die französische Regierung sprach sich am Freitag für das Angebot der Amerikaner aus. Das gab Wirtschaftsminister Arnaud Montebourg in Paris bekannt.

Gleichzeitig will der Staat mit 20 Prozent größter Aktionär bei Alstom werden. Werde Frankreichs Einstieg bei Alstom nicht akzeptiert, werde die Regierung das GE-Angebot blockieren, sagte Montebourg. Die Regierung hatte im Lauf der Verhandlungen für sich ein Veto-Recht bei Übernahmen verankert.

Mitsubishi bedauerte die Entscheidung. Das Unternehmen wolle jedoch auch weiterhin seine Beziehungen zu Frankreich und französischen Industriepartnern in der Zukunft entwickeln, erklärte der japanische Mischkonzern am Samstag in einer Stellungnahme.

Siemens/Mitsubishi und GE wollten vor allem das Energiegeschäft von Alstom übernehmen. Die Münchner hatten es vor allem auf das Geschäft mit Gasturbinen abgesehen. Montebourg bedankte sich ausdrücklich für das Siemens-Angebot, das hart erarbeitet worden sei. Gegen die Offerte der Münchner stünden auch Beschränkungen des europäischen Kartellrechts.

Der Minister kündigte nun an, im Energiebereich solle eine gleichberechtigte Partnerschaft mit GE geschaffen werden. Er sprach von einer Kooperation mit jeweils 50 Prozent von Alstom und GE.

Im Übernahmepoker um den französischen Industriekonzern Alstom kämpften die Kontrahenten bis zur letzten Minute. Siemens und der japanische Partner Mitsubishi Heavy Industries (MHI) besserten am Freitag ihre Offerte auf. Am Vortag hatte bereits der US-Rivale General Electric (GE) nachgelegt. Am Nachmittag warben die Parteien beim französischen Präsidenten François Hollande für ihre Angebote. Die Regierung in Paris hatte sich noch vor der heißen Phase des Bietergefechts ein Vetorecht bei Übernahmen gesichert.

Sowohl Siemens-Chef Joe Kaeser als auch GE-Chef Jeff Immelt strahlten optimistisch in die Kameras der wartenden Fotografen, als sie den Élyséepalast betraten. Am frühen Abend wollte Frankreichs Wirtschaftsminister Arnaud Montebourg eine Pressekonferenz zur aktuellen Einschätzung der Regierung geben.

Siemens und MHI teilten am Freitag nochmals überraschend eine Aufbesserung ihres Angebots mit: „Im Ergebnis erhöht sich der Bar-Anteil der Offerte um 1,2 Milliarden Euro auf 8,2 Milliarden Euro.“ Die Gesamtbewertung des Energiegeschäfts von Alstom steige um 400 Millionen Euro auf insgesamt 14,6 Milliarden Euro.

GE bewertet Alstoms Energiegeschäft weiterhin mit 12,35 Milliarden Euro, bietet aber nun auch die Gründung von Gemeinschaftsunternehmen an. Ein Vergleich der Offerten ist wegen der unterschiedlichen Ausgestaltung schwer. Das Angebot von GE steht bis zum Montag. Die Bieter müssen aber nicht nur den Verwaltungsrat von Alstom für sich gewinnen, sondern auch die Regierung in Paris.

Name Alstom soll fortbestehen
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9 Kommentare zu "Siemens abgeblitzt: Frankreich unterstützt GE bei Alstom-Übernahme"

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  • Zitat : Frankreich unterstützt GE bei Alstom-Übernahme


    - da sieht man doch, wie "link" die Franzosen sind.

    Die haben SIEMENS benutzt, um den Preis von GE hochzutreiben.

    SIEMENS sollte sich aber trotzdem freuen, dass sie den Bankrottladen ALSTOM mit der Bagage der Französischen Regierung nicht übernommen haben.

    Das wäre der schleichende Tod von Siemens gewesen !

    .

  • Es mag wie eine Niederlage für Siemens/Mitsubishi aussehen, doch ob dies wirklich der Fall sein wird, ist stark zu bezweifeln.

    Genauso, ob Immelt von GE in zwei Jahren noch genauso lacht.

  • Russland ist kein natürlicher Partner, sondern ein Land ohne jede Rechtssicherheit. Sobald ein Partnerunternehmen lukrativ wird, wird der ausländische Partner durch staatliche Strafen und Auflagen aus dem Rennen gedrängt. Leute wie Sie, können aber gerne Geschäfte in Russland machen, aber hinterher nicht jammern, wenn man ein Dach für die Abdeckung eines Hauses gehalten hat.

  • Hat Siemens wohl seine Schuldigkeit getan und den Preis für GE maximal hochgetrieben. Pokern können die Franzosen zumindest.

  • Man kann GE nur Erfolg wünschen, das Klima in Frankreich ist für Umstrukturierungen maximal vergiftet. Die Streiks bei SNCF sind erst der Anfang. Die Atomkraftwerke sind veraltet und fast kann man den Eindruck haben die Franzosen verlängern die Laufzeiten weil sie Angst haben vor den Kosten der Stilllegung. Die Regierung beschließt mal eben aus politischen Gründen dieses Jahr die Stromkosten nicht zu erhöhen. Das kann man sich hier gar nicht vorstellen.
    Alstom hat riesige Probleme vor sich. Der TGV ist in Frankreich am Ende der Entwicklung angelangt. Nur einige der alten Strecken sind rentabel und neue schon gar nicht mehr.
    In Afrika geheh die alten Kolonien verloren an die Chinesen.
    Siemens soll froh sein, dass sie die Kosten noch in die Höhe getrieben haben und dann aus sich selbst wachsen, vielleicht mit den Japanern und den Russen.

  • Es ist höchste Zeit dass Deutschland sich nach anderen Partnern umsieht. Wieso fallen wir auf das Russen-bashing der Amerikaner schon wieder rein? Rußland ist unser idealer Partner, bei den anderen dürfen wir immer nur zahlen oder die zweite Geige spielen. Merkel soll endlich mal ihre Komplexe überwinden und sich mit Putin an einen Tisch setzen. Bei Deutschland habe ich immer mehr den Eindruck, dass die Menschen zwar die Werte schaffen, dass ihre Politiker diese aber verspielen unter irgendwelchen Komplexen. Der letzte Krieg ist fast 70 Jahre her, dass sollten wir mal langsam verinnerlichen.

  • Wer bzw. was ist schon Deutschland. Nur Europa interessiert unsere Politiker. Wer ist für Deutschland wenn Deutschland, so Hr. Gauck, überall einmarschieren will/soll/muss?

  • Immerhin kann man den französischen Politikern Patriotismus zugute halten.

    Hochtief, Hoechst, Airbus, DEA beispielsweise, interessiert deutsche Politiker ja gar nicht. Die sind nur im Euro und Europa Wahn. Sollten sich mal untersuchen lassen. So ganz stimmt's doch bei denen nicht.

  • Graz atmet auf. Beruhigt ins Wochenend mit Sonneschein.

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