Siemens
Aufsichtsräte bekommen pauschale Vergütung

Wer zu stark nach dem Erfolg des Unternehmens bezahlt wird, handelt bisweilen sie kurzsichtig. Siemens will seine Aufsichtsräte künftig pauschal bezahlen und auf eine erfolgsabhängige Vergütung des Kontrollgremiums verzichten. Die Begründung klingt durchaus logisch.
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HB MÜNCHEN. Die Aufsichtsräte von Siemens wollen künftig unabhängig vom Konzernerfolg bezahlt werden. Die Aktionäre sollen Anfang kommenden Jahres einer pauschalen Vergütung des Kontrollgremiums zustimmen, wie aus der Einladung zur Hauptversammlung vom Dienstag hervorgeht.

„Das Unternehmen begründet die geplante Änderung damit, dass der Umfang der Arbeitsbelastung und das Haftungsrisiko der Aufsichtsratsmitglieder sich in aller Regel nicht parallel zum geschäftlichen Erfolg entwickele“, hieß es. Gerade in schwierigen Zeit mit womöglich rückläufigen Ergebnissen sei das Gremium besonders gefordert. Die neue Regelung entspreche eher internationalen Referenzmodellen.

Einfache Mitglieder sollen künftig 140 000 Euro pro Jahr erhalten, der Aufsichtsratsvorsitzende 280 000 Euro, seine Stellvertreter 220 000 Euro. Für die Arbeit in Ausschüssen gibt es noch etwas extra. Mit der Regelung bescheidet sich vor allem Chefaufseher Gerhard Cromme: Dessen Bezüge waren im vergangenen Geschäftsjahr um gut ein Viertel auf knapp 490 000 Euro gestiegen, er erhielt mit gut 287 000 Euro mehr variable als feste Entgeltbestandteile.

Die Aktionäre sollen auf der Hauptversammlung Anfang kommenden Jahres zudem grünes Licht für die Ausgabe von weiteren Wandel- und Optionsschuldverschreibungen geben. Für solche Emissionen gebe es zwar keine konkreten Pläne, der gestiegene Aktienkurs habe aber dazu geführt, dass der aktuelle Vorratsbeschluss der Hauptversammlung für eine entsprechende Transaktion nicht mehr ausreichen würde.

Derweil hat Siemens die Ausrichtung seiner geplanten eigenen Bank verändert. Statt auf dem Zugang zur Bundesbank soll der Schwerpunkt des Geldhauses nun offiziell doch auf der Absatzfinanzierung liegen. Die Siemens Bank GmbH werde in Kürze das Angebotsspektrum der bestehenden Siemens-Finanzsparte SFS erweitern, teilte der Konzern am Dienstag mit. Das Unternehmen habe von der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) die beantragte Lizenz erhalten. Für Privatkunden ist das Institut nicht zugänglich, anders als der Rivale GE will Siemens keinen allgemeinen Finanzservices anbieten.

Noch im Sommer hatte Konzern-Finanzchef Joe Kaeser die Bankgründung vor allem damit begründet, dass Siemens mit einem eigenen Geldhaus mittels eines direkten Zugangs zur Zentralbank sein Geld im Ernstfall vor den Gefahren in der Finanzwirtschaft in Sicherheit bringen will. „Vor drei Jahren kam ich noch nicht einmal auf die Idee, mir Sorgen zu machen, wo wir zum Beispiel unsere Liquidität anlegen, mit wem wir Währungs- oder Zinssicherungsgeschäfte machen. Nach den Erfahrungen der vergangenen zwei Jahre sehe ich hier realen Handlungsbedarf“, hatte Kaeser seinerzeit gesagt.

Nun soll die Siemens Bank vor allen den Konzernkunden Geld für den Kauf von Siemens-Produkten verschaffen, die bei konventionelle Kreditinstituten keine Finanzierung bekämen, wie SFS-Chef Roland Chalons-Browne im Interview mit der „Börsen-Zeitung“ sagte. „Zu den künftigen Kunden sollen vor allem Unternehmen, die öffentliche Hand und Projektgesellschaften zählen“, hieß es.

Chalons-Browne soll künftig zusätzlich zu seinem aktuellen Posten die Bank mit zunächst 100 Mitarbeitern aus München heraus führen. Der Amerikaner steckte sich bereits ehrgeizige Ziele: In zwei bis drei Jahren peilt er ein Volumen von ein bis zwei Milliarden Euro an, die Eigenkapitalrendite könnte nach der Startphase zwischen 18 und 25 Prozent erreichen.

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