Siemens-Aufsichtsrat
Gewerkschaft will Kleinfeld bremsen

Die Arbeitnehmervertreter im Siemens-Aufsichtsrat haben am Mittwoch in der Konzernzentrale über die Zukunft des Unternehmens beraten. Dabei ging es nach Angaben aus Gewerkschaftskreisen sowohl um die Folgen aus der Affäre um die Arbeitnehmerorganisation AUB, als auch um den geplanten Börsengang der Autozulieferertochter VDO.

cha/rob/pot MÜNCHEN. Der bayerische IG-Metall-Vorsitzende Werner Neugebauer hatte die Siemens-Konzernführung zuvor aufgefordert, wegen der Skandalserie eine Atempause beim Umbau des Konzerns einzulegen. Eine für Mittwoch anberaumte Sitzung des gesamten Aufsichtsrats war bereits am Montagabend abgesagt worden. Der Kurs der Siemens-Aktie gab deutlich nach.

Am Dienstag war der im Zentralvorstand für Europa zuständige Topmanager Johannes Feldmayer verhaftet worden. Er soll einen Vertrag mit dem Unternehmensberater und langjährigen Chef der Siemens-treuen Arbeitnehmerorganisation AUB, Wilhelm Schelsky, unterschrieben haben. Es geht dabei um mindestens 15,5 Mill. Euro, denen nach Ansicht der Nürnberger Staatsanwaltschaft keine ernsthafte Gegenleistung gegenübersteht.

Die IG Metall prüft nun eine Klage gegen Siemens nach Paragraf 119 des Betriebsverfassungsgesetzes. Nach Einschätzung der Gewerkschaft bestätigt sich zunehmend der Verdacht, dass „Siemens über Jahrzehnte systematisch versucht hat, Betriebsratswahlen und die Arbeit der Betriebsräte zu beeinflussen“. Siemens-Chef Klaus Kleinfeld bestritt unterdessen eine persönliche Verstrickung in die jüngste Affäre. Er habe von den Zahlungen an die AUB bis zum Bekanntwerden des Ermittlungsverfahrens Mitte Februar „keine Kenntnis“ gehabt, sagte er der „Süddeutschen Zeitung“.

Die Affäre um die AUB hat keinen direkten Zusammenhang mit dem Skandal um Schmiergeldzahlungen im Telefonbereich Com, in dem die Staatsanwaltschaft München seit Monaten ermittelt. Dort geht es um unklare Zahlungen von mindestens 200 Mill. Euro, sechs ehemalige Siemens-Manager mussten deshalb vor Weihnachten in U-Haft.

Wegen der Serie von Skandalen forderte die IG Metall den Konzern zu einer Atempause beim Konzernumbau auf. Siemens brauche Ruhe, sagte Bayerns IG-Metall-Chef Werner Neugebauer. Kleinfeld sei daher nicht gut beraten, wenn er trotz aller Turbulenzen die Ausgliederung des Autozulieferers VDO gegen den Widerstand der Beschäftigten vorantreibe. In Unternehmenskreisen heißt es, die Planungen für den VDO-Börsengang seien ins Stocken geraten. Kleinfeld hatte der IG Metall laut Gewerkschaft signalisiert, dass VDO Teil des Konzerns bleibe. Nun fürchten die Arbeitnehmer einen Komplettverkauf.

Auch Bankenkreise halten einen VDO-Verkauf für wahrscheinlicher. Der Mehrpreis, den Siemens im Vergleich zu einem Teil-Börsengang erzielen könne, liege im Milliardenbereich. Als Favorit für den Kauf gilt Continental, eine Variante, die bei der Gewerkschaft auf eisige Ablehnung stößt.

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