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Siemens beantragt Lizenz: Bankgeschäft elektrisiert Konzerne

Vor wenigen Monaten noch warnten Deutschlands Unternehmen vor einer bedrohlichen Kreditklemme – jetzt sind bei vielen von ihnen die Firmenkassen derart gefüllt, dass manche selbst ins Geldgeschäft drängen. Am mutigsten prescht derzeit der Siemens-Konzern vor, der nach Auskunft von Finanzchef Joe Kaeser sogar eine Banklizenz beantragt hat.

Siemens Finanzvorstand Joe Kaeser. Quelle: dpa
Siemens Finanzvorstand Joe Kaeser. Quelle: dpa

Christoph Schlautmann

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Düsseldorf

Vor wenigen Monaten noch warnten Deutschlands Unternehmen vor einer bedrohlichen Kreditklemme - jetzt sind bei vielen von ihnen die Firmenkassen derart gefüllt, dass manche selbst ins Geldgeschäft drängen. Am mutigsten prescht derzeit der Siemens-Konzern vor, der nach Auskunft von Finanzchef Joe Kaeser sogar eine Banklizenz beantragt hat. Für die fast neun Milliarden Euro, die der Dax-Konzern an Barmitteln besitzt, erhoffen sich die Münchener damit sichere Anlagemöglichkeiten.

"Wir prüfen den Antrag" , sagte gestern ein Sprecher bei der Genehmigungsbehörde BaFin. Zum möglichen Erfolg von Siemens' künftigem Bankengeschäft wollte er sich nicht äußern. Branchenbeobachter gehen davon aus, dass sich für Unternehmen mit großem Liquiditätsvolumen - sofern das Geschäftsmodell schlüssig ist - der Einstieg in den Banksektor lohnt.

Konzernkassen füllen sich

Damit dürfte Siemens kein Einzelfall bleiben. Weil zahlreiche Konzerne angesichts drohender Kreditengpässe zuletzt Lagerbestände abbauten, kürzere Zahlungsziele vereinbarten und Kostentreiber eliminierten, ging es bei ihnen mit dem Kassenbestand deutlich nach oben. Deutschlands 136 größte börsennotierte Unternehmen, das ergab eine Untersuchung an der Uni Saarbrücken, erhöhten ihre Liquidität im vergangenen Jahr um zusammen 16 Mrd. Euro.

Nicht nur Siemens wies zum Stichtag 31. März einen Barmittelbestand aus, der 27 Prozent über dem Vorjahreswert lag. Stärker noch glänzte die Deutsche Telekom mit einem Plus von 35 Prozent. RWE und Merck vervielfachten ihren Cash-Bestand sogar.

Dass auch Branchenfremde mit Banklizenzen Geld verdienen können, macht aktuell der Modehändler C&A vor. Vor drei Jahren erwarb das Familienunternehmen eine solche Lizenz, um neben dem Textilhandel ein zweites Standbein aufzubauen. Schon jetzt können die Düsseldorfer erste Erfolge vorweisen: "Wir werden dieses Jahr den Break-even erreichen", sagte ein Konzernsprecher. Das bestehende Bankgeschäft will man deshalb dieses Jahr weiter ausbauen. Zu den Dispo- und Ratenkrediten sollen neue Sparprodukte hinzukommen.

Ein solches Einlagengeschäft plant Siemens zwar nicht, bei der Finanzierung von Kundenaufträgen aber tritt der Dax-Konzern in Konkurrenz zu den etablierten Banken. Die Kreditwirtschaft regiert dennoch gelassen. Das sei weder ein Einzelfall unter den großen Dax-Unternehmen noch ein Ausdruck des Misstrauens, hieß es bei den Verbänden. So würden Automobilunternehmen wie Daimler, BMW und Volkswagen bereits über eigene Kreditinstitute verfügen, die auch Einlagen annehmen. "Wir sehen das völlig entspannt", kommentierte HVB-Vorstandssprecher Theodor Weimer den Siemens-Vorstoß. Traditionell könne eine Bank besser mit Liquidität umgehen.

Das zeigte sich zuletzt bei BMW. Der bayerische Autobauer, der stärker als die deutschen Wettbewerber den Absatz mit Finanzangeboten über die hauseigene BMW-Bank fördert, hatte sich auf dem Höhepunkt der Finanzkrise mit Anleihen von fast neun Prozent Zinsen refinanzieren müssen. Ende 2008 hatten die Münchener versucht, über günstige Tagesgeldangebote Geld aufzunehmen, mussten aber zeitweilig ihr Angebot aussetzen, weil das Back-Office dem Ansturm nicht standhielt. Da sich die Banklizenz nur auf Deutschland erstreckte, konnte BMW nicht auf die Einlagen seiner Auslandstöchter zurückgreifen. Seitdem arbeitet BMW am Aufbau einer Europa-Bank, um Einlagen flexibler managen zu können.

Schlimmer noch traf es Siemens-Wettbewerber ABB. Der Technologie-Riese besaß mit der ABB Export Bank über Jahre ein eigenes Institut mit Banklizenz, das meist Kundenprojekte finanzierte. Als sich der Konzern 2001 gegen milliardenschwere Klagen wegen der Verwendung von Asbest wehren musste, rutschte sein Rating massiv in den Keller. Die Refinanzierung der ABB Bank drohte zu kollabieren. 2003 gab man die Banklizenz zurück.

Die Hürden zur Banklizenz sind eher niedrig. Wer Bankgeschäfte in Deutschland betreiben will, braucht grundsätzlich eine schriftliche Genehmigung der Finanzaufsicht BaFin. Institute, die Einlagen annehmen und Kredite vergeben wollen, müssen ein Anfangskapital von mindestens fünf Mio. Euro bereitstellen, ebenso wie mindestens zwei fachlich geeignete Geschäftsleiter, die über mehrjährige Berufserfahrung verfügen.

Mitarbeit: pk, jkn, fas, fmd

  • 29.06.2010, 12:27 UhrAnonymer Benutzer: Profit

    Das ist wieder so eine typische Managermethode von Konzernen. Alles verschachteln, Admin veranstalten und sich selbst als unersetzbar machen. Alles zum Nachteil der Aktionäre. Was kann eine Siemens-bank anders oder besser machen als eine Siemens-Finanzabteilung? Das Geld ("Cash") bleibt trotz einer banklizenz nicht wie bei Dagobert Duck im Siemens-Tresor liegen, sondern wird am Kapitalmarkt angelegt. Was ist der Unterschied zu vorher? Man hat schöne, neue, unnütze Verwaltungsjobs geschaffen und kann jetzt ebenfalls lustig drauflos spekulieren und braucht sich als Vorstand nicht mehr um das technische Geschäft kümmern, da man davon eh nichts versteht, jedenfalls Kaeser und Löscher nicht!

  • 29.06.2010, 10:58 UhrAnonymer Benutzer: Oachi

    Schuster, bleib bei deinen Leisten...

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