Siemens
Betriebsräte treten aus der AUB aus

Sechs Siemens-Betriebsräte treten aus der Arbeitsgemeinschaft unabhängiger Betriebsräte (AUB) aus. In einer solchen Organisation hätten sie mit ihren Idealen „nichts mehr verloren“, sagten die Belegschaftsvertreter. Sie begründen ihre Entscheidung mit dem Eingeständnis des ehemaligen AUB-Chefs Wilhelm Schelsky.

fas MÜNCHEN. Sechs Betriebsräte der Siemens AG treten aus der Arbeitsgemeinschaft unabhängiger Betriebsräte (AUB) aus. Die Betriebsräte teilten am Siemens-Standort Erlangen ihren Entschluss per Aushang mit. Sie seien zutiefst betroffen und sich einig, „in einer solchen Organisation mit unseren Idealen nichts mehr verloren zu haben“, erklärten die Belegschaftsvertreter. Die Betriebsräte begründen ihre Entscheidung mit dem Eingeständnis des langjährigen AUB-Chefs Wilhelm Schelsky. Schelsky hatte in einem Stern-Interview zugegeben, in den vergangenen Jahren 34 Mill. Euro von Siemens erhalten und sie über eine Beratungsfirma an die AUB weitergeleitet zu haben. Siemens habe damit die Betriebsräte gefügig machen wollen.

Bereits am Mittwoch hatte sich Ingrid Brand-Hückstädt, erste stellvertretende Bundesvorsitzende der AUB, von Schelsky distanziert. „Sollte es richtig sein, dass es zwischen Siemens und der Unternehmensberatung Schelsky ein Vertragsverhältnis hinsichtlich des Aufbaus der AUB gab, hatten wir auch hiervon keine Kenntnis und distanzieren uns entschieden“, sagte Brand-Hückstädt. Sie kündigte an, dass die AUB bestehen bleibe und sich im Sommer mit neuem Vorstand und neuer Satzung präsentieren werde.

Der AUB-Gründer Schelsky ist am 27. März von seinem Amt als Bundesvorsitzender zurückgetreten. Seitdem sitzt er in Untersuchungshaft. Seinen Angaben zufolge, sei der Plan, die AUB als ein Gegengewicht zur IG Metall aufzubauen, „direkt aus dem Siemens-Zentralvorstand“ gekommen. Mit den Geldern aus der Münchener Zentrale sollen AUB-Personal und Werbekampagnen in den Jahren 1991 bis 2006 bezahlt worden sein.

Wegen der Zahlungen an Schelsky musste bei Siemens der ehemalige Zentralvorstand Johannes Feldmayer seinen Posten räumen. Er wurde im März vorübergehend in Untersuchungshaft genommen. Die Aussagen Schelskys belasten auch Heinrich von Pierer, der im fraglichen Zeitraum Vorstandsvorsitzender und später Aufsichtratschef war.

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