Siemens bezieht Stellung
„Unser China-Geschäft ist nicht korrupt“

Der von einem Korruptionsskandal erschütterte Industrieriese Siemens hat am Donnerstag zwar auch in China Unregelmäßigkeiten eingeräumt, größeren Fälle sind dem Konzern im Reich der Mitte aber nicht bekannt.

PEKING. Bei den bislang aufgedeckten Unregelmäßigkeiten handele es sich ausschließlich „um kleinere Fälle“, sagte Siemens-China-Chef Richard Hausmann am Freitag in Peking. Zudem sei es „absolut falsch“ und „wirklich nicht haltbar“, dass Siemens fast alle China-Aufträge über dubiose Berater abwickele und dass mehr als die Hälfte des Chinas-Geschäfts auf Schmiergelder basiere.

Der Konzern, der wegen Korruptionsvorwürfen unter Druck steht, reagierte damit erstmals in China auf entsprechende Presseberichte. Der Konzern hatte vor einigen Tagen in Schanghai Unregelmäßigkeiten beim China-Geschäft eingeräumt. Vorstandschef Peter Löscher hatte laut Agenturberichten bei seinem ersten Besuch in der Volksrepublik auch betont, dass Bestechungen als Verstoß gegen die Politik des Konzerns in keinem Fall geduldet würden.

Hausmann bestätigte, dass es in den vergangenen zwölf Monaten in der chinesischen Landesgesellschaft 20 Entlassungen wegen aufgedeckter Unregelmäßigkeiten gegeben habe. Dies betreffe alle Siemens-Sparten und alle Konzernebenen. „Darunter sind auch Führungskräfte“, so Hausmann. Allerdings handele es sich nicht immer um Korruptionsvorgänge. Einzelheiten wollte er mit Blick auf die laufende Überprüfung durch Anwälte nicht nennen.

Vor gut zwei Jahren sind nach seinen Worten alle Beraterverträge von Siemens in China überprüft worden. Hausmann: „Jeder muss unterschreiben, dass Gelder nicht für falsche Zwecke benutzt werden dürfen.“ Die Verfahren mit Beratern seien unter ihm nochmal deutlich verschärft worden. Hausmann ist seit 2005 Siemens-China-Chef.

„Wir haben gelernt, dass noch mehr Maßnahmen nötig sind“, räumte er mit Blick auf die aktuellen Vorwürfe allerdings ein. Seit kurzem bietet Siemens in China ein anonymes Beschwerdesystem im Internet an, über das Mitarbeiter intern Unregelmäßigkeiten melden können. „Das wird schon gut genutzt und wir gehen jeder Sachen knallhart nach“, so Hausmann.

Über ein neues SAP-Abrechnungssystem würde zudem immer wieder nach dubiosen Zahlungen bei Siemens-China geforstet. Jede Zahlung im weiten China-Netz werde zentral in Peking erfasst und könne überprüft werden.

Hausmann betonte, dass es mit seinem Wissen keine Großaufträge in China durch Bestechung geben werde. „Wir sind deswegen sogar schon aus einem Bieterverfahren ausgestiegen.“ Er persönlich sei noch nie von einem Vertragspartner nach Schmiergeld gefragt worden.

Siemens macht in der Volksrepublik umgerechnet rund 5 Mrd. Euro Umsatz und beschäftigt momentan 46 000 Mitarbeiter. China ist der wichtigste Wachstumsmarkt des Münchner Konzerns, der in 190 Ländern aktiv ist. Allein im vergangenen Jahr legte der Umsatz um 39 Prozent zu. Dafür hat Siemens in China bereits etliche Milliarden investiert.

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