Siemens-Chef im Reich der Mitte: Hier sind alle fröhlicher
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Unbemerkt leert Siemens-Chef Heinrich von Pierer seine Taschen. Seit drei Stunden schon laufen die Verhandlungen mit dem damaligen Regierungschef Chinas, Zhu Rongji, es geht um das Prestigeprojekt Transrapid. Sie sind festgefahren.

Von Pierer steht auf, stülpt die beiden Taschen nach außen. Peinliche Stille. Nach einigen Sekunden lächelt Zhu Rongji, gibt von Pierer die Hand – der Milliardenvertrag über den Bau des Transrapids in Schanghai ist unter Dach und Fach.

„Es war ein plötzlicher Einfall. Manchmal klappt es“, erinnert sich von Pierer. Ihm ist noch immer die Freude über seinen Coup anzumerken. Der 63-Jährige ist China-Fan („Hier sind alle fröhlicher“), und er ist einer der Veteranen auf diesem schwierigen Markt. Gleich nach seinem Amtsantritt als Siemens-Chef 1992 kürte er China und Asien zu den neuen Schwerpunkten.

Wie kaum ein anderer sind die Münchener heute im Reich der Mitte präsent. Siemens peilt in diesem Jahr einen Umsatz von vier Milliarden Euro an und beschäftigt rund 30 000 Mitarbeiter. Jetzt geht von Pierer in die Offensive: Für die kommenden drei bis fünf Jahre sind Investitionen von einer Milliarde Euro, unter anderem in eine neue Konzernzentrale, und eine Umsatzverdoppelung geplant.

In dieser Woche tourt der gebürtige Erlanger mal wieder durch China. Gefeiert wird 100 Jahre Siemens in China: 1904 eröffneten die Münchener ihre erste Niederlassung in Schanghai. Aber die Geschichte beginnt viel früher, schon 1872 liefert Siemens den ersten Zeigertelegrafen. 1899 wird die erste elektrische Straßenbahn nach Peking verkauft, damals mit 20 Kilometern pro Stunde eine der schnellsten der Welt. 1985 sind dann die Münchener eines der ersten westlichen Unternehmen, die nach der langen Isolation Chinas zurückkehren. Pierers Vorgänger Karlheinz Kaske schließt ein langfristiges Kooperationsabkommen.

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