Siemens-Chef Kaeser zu Ägypten-Auftrag: „Das ist ein Megadeal“

Siemens-Chef Kaeser zu Ägypten-Auftrag
„Das ist ein Megadeal“

Siemens hat in Ägypten einen Milliardenauftrag für den Bau eines Kraftwerks und Windparks an Land gezogen. Im Interview spricht Vorstandschef Joe Kaeser über die Bedeutung, die Rolle Berlins und da Russland-Geschäft.
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Herr Kaeser, Sie haben gerade einen großen Vertragsabschluss hier in Ägypten gemacht. Warum ausgerechnet in Ägypten?
Siemens ist seit über 110 Jahren in Ägypten vertreten, wir sind hier ein anerkannter Partner für die Industrie und die Gesellschaft. Dies ist ein Land mit 90 Millionen Einwohnern und erheblichen Problemen im Energie- und Infrastruktursektor. Da können wir einen Beitrag leisten. Siemens ist die einzige Firma in der Welt, die die ganze Energiekette abdeckt von der Stromerzeugung bis zur Übertragung und Verteilung. Von diesem Konzept habe ich Ägyptens Präsidenten vor drei Wochen überzeugt. Jetzt haben wir hier noch einmal eine Stunde über unser sehr beachtliches Abkommen gesprochen.

Und was haben Sie dann am Ende unterschrieben?
Einen Vertrag über einen Kraftwerksbau mit einer Stromerzeugungskapazität von 4,4 Gigawatt für etwa zwei Milliarden Euro sowie ein Abkommen über Windparks von zwei Gigawatt für weitere zwei Milliarden Euro und eine exklusive Rahmenvereinbarung zur Planung des Aufbaus von weiteren 6,6 Megawatt Kapazität. Das ist also ein sehr beachtliches Abkommen im Gesamtwert von etwa zehn Milliarden Euro. 

Wird nun Ägypten zum zentralen Markt für Siemens im Mittleren Osten?
Nein, auch Saudi-Arabien, Katar und die Vereinigten Arabischen Emirate bleiben weiter sehr wichtig für uns. In Ägypten geht es sehr stark erst einmal um den Aufbau von Energieanlagen. In den anderen Ländern stehen Infrastrukturaufgaben wie der Bau der Metro von Riad im Fokus oder die Öl- und Gasindustrie und die Automatisierung.

Die deutsche Industrie wird doch am Golf aber inzwischen oft von Wettbewerbern aus Japan, China oder Korea verdrängt, oder?
Die Marke Deutschland bürgt hier immer noch für Qualität und Ingenieurskunst. Und man merkt, dass die Golfstaaten mehr nach Deutschland schauen. Aber wir können uns dem Wettbewerb nicht verschließen. Und da ist China mit teilweise unglaublichen Finanzierungsmodellen im Markt unterwegs, manchmal mit Krediten ohne Zinsen oder Sicherheiten. Und die USA betreiben auch eine sehr aktive Wirtschaftsförderung.

Tut die Bundesregierung also nicht genug zur Förderung deutscher Exporteure?
Doch, ich bin beeindruckt von Vizekanzler Gabriel, Frau Merkel und der Bundesregierung, wie sie sich auch für unser Projekt eingesetzt haben. Ohne sie hätte es diesen Megadeal nicht gegeben.

Und wie sieht es für Siemens in Russland aus, da gehen doch die Aufträge massiv zurück?
Russland bietet riesige Chancen, die man momentan nicht nutzen kann. Ich habe bei meinem Treffen mit Präsident Putin letztes Jahr gesagt, dass Moskaus aktuelle Politik dazu führt, dass Russland seine letzten Freunde verliert. Wir wollen Know how nach Russland geben und Produktion dort lokalisieren. Aber diese Möglichkeit gibt es momentan nicht. Wir halten uns voll an alle Sanktionsvorgaben.

Vielen Dank für das Interview.

Der Hamburger ist nach Stationen als Auslandskorrespondent in Moskau, Brüssel und Warschau jetzt Auslandschef des Handelsblatts. Er interessiert sich besonders für Osteuropa, die arabische Welt und Iran.
Mathias Brüggmann
Handelsblatt / Korrespondent

Kommentare zu " Siemens-Chef Kaeser zu Ägypten-Auftrag: „Das ist ein Megadeal“"

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  • Und wer bezahlt das ? Ägypten doch wohl kaum.

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