Siemens-Chef zu Griechenland
Kaeser sieht Hilfspaket als Einstieg in Transferunion

Griechenland wird aus eigener Kraft nicht mehr auf die Beine kommen, glaubt Joe Kaeser. Der Siemens-Chef sieht das neue Hilfspaket als Einstieg in eine Transferunion. Die Abwertung des Yuan nimmt er gelassen hin.
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Berlin/PassauDer Siemens-Chef Joe Kaeser sieht die neuen Finanzhilfen für Griechenland als Einstieg in eine Transferunion. Bei den aktuellen Verhandlungen sei es letztlich um die Frage gegangen, ob Europa es schaffe, „ein Land, das über Jahrzehnte hinweg seine Wettbewerbsfähigkeit verloren hat, weiterhin zu integrieren und damit letztlich den Beginn einer Transferunion zu konstituieren“, sagte Kaeser der „Passauer Neuen Presse“ (Samstagsausgabe). An einer Transferunion führe nichts vorbei, „wenn man den Anspruch hat, ein wirtschaftspolitisches Europa mit einheitlicher Währung zu formen“.

Kaeser zeigte sich von dem Ergebnis der Verhandlungen „beeindruckt“. Er halte dies „für einen großen Verdienst von Bundeskanzlerin Angela Merkel“. Griechenland habe „keine reale Chance“, aus eigener Kraft wieder auf die Beine zu kommen, sagte Kaeser. Das Land sei daher auf längere Zeit auf Transferzahlungen angewiesen. Die Frage sei gewesen, wie Europa stabilisiert werden könne, ohne dass falsche Anreize für andere Länder gesetzt würden. „Hier die Balance zu finden, war und bleibt die große Aufgabe“, sagte der Siemens-Chef.

Er verwies darauf, dass Deutschland am meisten von der europäischen Währungsunion und einer gemeinsamen europäischen Politik als Gegengewicht zu den beiden anderen großen Wirtschaftsblöcken Amerika und Asien profitiere. „Und wer am meisten profitiert, sollte auch den größten Beitrag leisten“, sagte Kaeser der „Passauer Neuen Presse“. Nach dem griechischen Parlament hatten am Freitagabend auch die Euro-Finanzminister einem dritten Hilfsprogramm für Griechenland im Umfang von bis zu 86 Milliarden Euro zugestimmt.

Kaeser rechnet damit, dass die Autoindustrie in den kommenden beiden Jahren an Schwung verliert. Der „Passauer Neuen Presse“ (Samstagausgabe) sagte Kaeser: „Ich wäre nicht überrascht, wenn wir 2016 oder 2017 eine Eintrübung im Automobilsektor sehen, bedingt durch die abnehmende Exportdynamik“. Umso mehr, so der Konzernchef, müsse sich die deutsche Wirtschaft auf „Innovation und Produktivität“ konzentrieren – und auch die Chancen der Digitalisierung.

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