Siemens contra Emerson
Fabrik-Ausrüster profitieren vom Öl-Boom

Wachsende Nachfrage aus Asien und der Modernisierungsbedarf im Energiesektor beleben den Markt für Prozessmanagement.

HB LONDON. Die Beratungsfirma ARC Advisory Group sagt den Anbietern von Fabriksteuerungen für Branchen wie Öl, Chemie und Stahl für die kommenden vier Jahre Wachstumsraten von sechs Prozent voraus. „Wir wollen mindestens doppelt so schnell wie der Markt wachsen“, sagt John Berra, Chef des US-Unternehmens Emerson Process Management. Als führender Anbieter auf dem Markt wolle sich Emerson durch Zukäufe in Deutschland verstärken, kündigt Berra im Gespräch mit dem Handelsblatt an. Die Konkurrenz hält dagegen: Siemens etwa will in dem für den Konzern recht neuen Geschäft an die Spitze vorstoßen.

Nach schwachen Jahren habe sich der Prozessmanagement-Markt seit 2004 deutlich belebt, sagt Berra. Eines der stärksten Wachstumsfelder sei die Öl- und Gasindustrie. Sie fördere in immer entlegeneren Gegenden, was die Betriebskosten in die Höhe treibe. „63 Prozent der Wartungseinsätze sind Standardchecks, die keinen Reparaturbedarf ergeben“, sagt Berra. Fernwartungssysteme brächten riesige Einsparungen. Auch in Anlagen zur Verflüssigung und Rückvergasung von Erdgas flössen viele Milliarden Dollar. Und dann würden weltweit neue Raffinerien gebaut. Immer dabei: die Prozessmanagement-Branche.

Großen Bedarf gebe es auch bei Kraftwerken, sowohl was den Neubau als auch was die umweltfreundliche Modernisierung anbelange. In der Chemie gebe der Bau von Anlagen in Ländern wie China neue Impulse. Emerson sei zum Beispiel im neuen BASF-Werk in Nanjing Generalunternehmer für Automation.

Als wichtiger Wachstumsmarkt erweisen sich laut ARC-Analyst David Humphrey auch die so genannten hybriden Industrien, die einerseits Prozessmanagement und andererseits herkömmliche Fabrikautomation wie Verpackungsmaschinen brauchen. Siemens ist erst Ende der Neunzigerjahre in das Prozessmanagement eingestiegen und findet sich hier in der ungewohnten Position des aggressiven Angreifers. „Wir sehen uns auf Platz vier oder fünf und wollen nächstes Jahr mindestens auf die Zwei“, sagt ein Konzernsprecher. Helmut Gierse, Chef des Konzernbereichs Automatisierung und Antriebstechnik, hat Übernahmen angekündigt, um dieses Ziel zu erreichen.

Auch Emerson will dazukaufen. In Deutschland interessieren Berra Nischenanbieter und mittelgroße Ingenieurdienstleister „mit ein paar hundert Ingenieuren“. Auch eine Fusion unter den Großen will der Emerson-Chef nicht ausschließen, doch es sei schwer, Synergien zu erreichen. Er sieht sein Unternehmen vor ABB an der Spitze des Prozessmanagement-Markts, den er auf 25 Mrd. Dollar veranschlagt. Der Umsatz von Emerson wuchs im abgelaufenen Geschäftsjahr um 13 Prozent auf 4,2 Mrd. Dollar. Weitere große Anbieter sind laut ARC Honeywell und die britische Invensys.

ABB sehe sich ebenfalls in den meisten Abnehmerbranchen als Nummer eins, sagt ein Sprecher. Er bezifferte den Umsatz des Schweizer Konzerns in diesem Bereich auf 4,6 Mrd. Dollar. Der Markt werde von der Modernisierung bestehender Anlagen beherrscht. Hier könnten neue Technologien Impulse geben.

Emerson – ein unbekannter Riese

Kennzahlen

Emerson ist mit 17,3 Mrd. Dollar Umsatz fast genau so groß wie MAN – an der Börse allerdings mit 31,5 Mrd. Dollar vier Mal so viel wert. Die Rendite auf das eingesetzte Kapital liegt über 15 Prozent. Aus der Zentrale in St. Louis steuert Vorstandschef David Farr einen Konzern mit 108 000 Beschäftigten und 245 Werken, der in 150 Länder vertreibt.

Produkte

Prozessmanagement ist nur eines der acht Geschäftsfelder. Das Produktangebot reicht von Kabelverbindungen über Werkzeuge bis zu Klimaanlagen und Motoren.

Geschichte

Die Emerson Electric Co. wurde 1890 von den Schotten Charles und Alexander Meston zum Bau von Elektromotoren und Ventilatoren gegründet. Namens- und Geldgeber war John Emerson. 1954 begann die Diversifizierung, 1973 überschritt der Umsatz eine Milliarde.

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