Siemens
Cromme erleichtert nach Einigung mit Behörden

Nach der Einigung mit Behörden in den USA und Deutschland auf ein Milliarden-Bußgeld hat sich Siemens-Aufsichtsratschef Gerhard Cromme erleichtert gezeigt. Mit der wegen des Schmiergeld-Skandals in den USA verhängten Geldbuße von rund 800 Mio. Dollar sei der Konzern "vergleichsweise milde" davon gekommen.

HB MÜNCHEN. "Da können wir drei Kreuze machen", sagte Cromme dem Nachrichtenmagazin "Der Spiegel". "Wenn die Amerikaner alle Folterinstrumente genutzt hätten, die das US- Rechtssystem ihnen zur Verfügung stellt, hätte Siemens in eine existenziell bedrohliche Krise geraten können."

In dem Skandal geht es um 1,3 Mrd. Euro Schmiergeld-Zahlungen, die zur Erlangung von Aufträgen im Ausland eingesetzt worden sein sollen. Am Montag hatte Siemens die Einigung mit dem US-Justizministerium und der US-Börsenaufsicht SEC sowie der Staatsanwaltschaft München bekanntgegeben. Insgesamt zahlt Siemens demnach Geldbußen von rund einer Milliarde Euro, in den USA waren ursprünglich deutlich höhere Strafen befürchtet worden.

Cromme sieht in dem Korruptionsskandal nun "die wichtigsten Fälle und Ermittlungen" als "abgehakt" an. Es gebe zwar noch Ermittlungen in anderen Ländern, "aber etwaige Strafen werden dort allenfalls eine viel geringere Dimension haben", sagte der Siemens-Aufsichtsratschef. Cromme ist sich aber auch sicher: "Es ging immer auch um Moral ­ oder gerade deren Mangel." Kritik übte Cromme an den früheren Vorstandschefs Heinrich von Pierer und Klaus Kleinfeld: Von beiden hätte er sich "sehr viel mehr Offenheit gewünscht", zitierte das Magazin Cromme. Er und der Aufsichtsrat seien "überzeugt, dass der frühere Vorstand sich Fehlverhalten zuschulden hat kommen lassen, für das wir ihn zivilrechtlich belangen müssen". Siemens fordert wegen des Skandals Schadenersatz von früheren Managern um Pierer. Dieser hatte stets jede Verwicklung in die Schmiergeld-Affäre von sich gewiesen.

Cromme erklärte, er wolle "keinem das letzte Hemd rauben. Nein, uns geht es um einen eher symbolischen Beitrag in allerdings nennenswerter Höhe." Wenn jemand wie Pierer sich nicht einsichtig zeige, "müssen wir gegebenenfalls klagen". Bei Siemens habe über Jahrzehnte in puncto Korruption ein "Netzwerk" existiert, "ein Paralleluniversum, von früheren Vorständen gedeckt, geduldet oder gar initiiert". Der Aufsichtsrat sei von diesen Alt-Vorständen "unvollständig, irreführend und teilweise sogar falsch informiert worden". Bei Siemens habe sich "extern wie intern eine Art gemeinsamer Bestechungsindustrie entwickelt, die letztlich vor allem den Eindruck produzieren sollte, Schmiergelder seien notwendig".

Für die operative Zukunft des Konzerns wollte Cromme in dem Interview keine Prognose wagen: "Einen so plötzlichen und totalen Filmriss wie zurzeit habe ich in meiner ganzen Berufszeit nie erlebt. Diese weltweite Dramatik ist mir neu, und nicht nur mir." 2009 rechnet Cromme deshalb "auf der ganzen Welt mit Heulen und Zähneknirschen".

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