Siemens Enterprise
Ex-Siemens-Sparte will zukaufen

Die Gores Group will aus SEN durch Übernahmen einen weltweit führenden Kommunikationskonzern machen. Einerseits geht es um Absatzmärkte in neuen Regionen, andererseits um wichtige Technologien und zusätzliche Vertriebskanäle. Die Beschäftigten sind skeptisch. Andere Siemens-Sparten fürchten derweil um ihre Zukunft.
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MÜNCHEN. Der neue Mehrheitseigentümer von Siemens Enterprise Communications (SEN), der Finanzinvestor The Gores Group, will den Kommunikationsanbieter durch Zukäufe stärken. "Wir führen viele Gespräche über Akquisitionen", sagte Mark Stone, der seit Sommer amtierende SEN-Chef, dem Handelsblatt. Einerseits gehe es darum, in neue Regionen vorzustoßen, andererseits sei SEN auch daran interessiert, wichtige Technologien oder zusätzliche Vertriebskanäle zu bekommen. Die Beschäftigten sind angesichts der hochfliegenden Pläne noch skeptisch.

Die Private-Equity-Firma The Gores Group hat die Mehrheit an SEN im Herbst vergangenen Jahres übernommen. Siemens hatte zuvor über zwei Jahre lang versucht, das angeschlagene Geschäft mit Telefonanlagen für Unternehmen zu verkaufen. Schließlich stieg der US-Milliardär Alec Gores ein, der 1987 den Finanzinvestor The Gores Group gegründet hat. Die Amerikaner brachten 175 Mio. Euro Eigenkapital und die US-Töchter Enterasys und SER Systems ein, Siemens dieselbe Summe und SEN.

Der neue Chef fackelte nicht lange

Weil der Umbau der über Jahre hinweg hochdefizitären früheren Siemens-Sparte nicht schnell genug voranging, übernahm Gores-Manager Stone im vergangenen Sommer selbst das Ruder. Der Amerikaner fackelte nicht lange und senkte die Kosten im Vergleich zum Vorjahr um ein Viertel. Mehrere Tausend der einst 18 000 Stellen wurden gestrichen, zahlreiche Entwicklungsprojekte eingestellt und Auslandsniederlassungen geschlossen. In vielen Ländern übernehmen jetzt Partner den Vertrieb.

Die Rosskur hat sich nach Angaben von Stone ausgezahlt. Das Unternehmen erwirtschafte einen positiven Cash-Flow, sei schuldenfrei, und im laufenden Geschäftsjahr seien schwarze Zahlen zu erwarten. Die Entwicklung wird vor allem Siemens freuen, denn der Konzern hält noch immer 49 Prozent der Anteile an seiner früheren Telefonsparte. "In der Krise läuft es vergleichsweise gut", hieß es gestern in Industriekreisen. Siemens selbst wollte sich zum Geschäftsverlauf von SEN nicht äußern.

Siemens hat ein großes Interesse am Wohlergehen von SEN. Sollte die Firma scheitern, wäre dies Wasser auf die Mühlen der Kritiker und könnte künftige Abspaltungen erschweren. "Die Portfolio-Bereinigungen sehen wir sehr kritisch", sagt Siemens-Aufsichtsrat Dieter Scheitor von der IG Metall. Ein Konzern wie Siemens müsse in der Lage sein, Problemsparten im eigenen Haus zu sanieren - oder im allerschlimmsten Fall in eigener Regie zu schließen.

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