Siemens-Ermittler bittet um Hinweise
„Verschlossene Türen gibt es nicht“

Der amerikanische Ermittler Michael Hershman, den Siemens im Skandal um Schwarze Kassen engagiert hat, bittet öffentlich alle Siemens-Mitarbeiter um Hinweise. "Ich werde nicht gehen", sagte er. Gleichzeitig setzt die Staatsanwaltschaft bereits inhaftierte Verdächtige wieder auf freien Fuß.

cha/HB MÜNCHEN. An deutlichen Worten mangelt es Michael Hershman, den Siemens als unabhängigen Ermittler in der Korruptionsaffäre berufen hat, nicht: „Kommen Sie zu mir. Erzählen Sie mir, was Sie wissen. Bleiben Sie nicht sitzen und warten sie nicht, dass es vorübergeht. Ich werde nicht gehen.“ Diesen Appell richtete der Amerikaner am Mittwoch vor Journalisten an alle Siemens-Mitarbeiter.

„Die ganze Wahrheit wird ans Licht kommen und alle, die in die Affäre involviert sind, werden identifiziert“, warnte Hershman. Siemens habe ihm Zugang zu allen notwendigen Unterlagen sowie Kooperation der Mitarbeiter zugesagt. „Es wird keine verschlossenen Türen geben“, sagte Hershman. Seine Untersuchungen würden jedoch etwas erschwert durch die Tatsache, dass viele Unterlagen bereits bei der Staatsanwaltschaft lägen. Er hoffe, in den nächsten Wochen erste Ergebnisse vorstellen zu können, fügte Hershman hinzu.

Gleichzeitig setzt die Staatsanwaltschsaft zwei der sechs in Untersuchungshaft sitzenden Verdächtigen nach umfangreichen Aussagen wieder auf freien Fuß. Einer der beiden ist Michael Kutschenreuter, der als ehemaliger kaufmännischer Vorstand des Bereichs als eine der Schlüsselfiguren gilt. Ebenfalls entlassen ist ein Manager, der Zugang zu einigen der Konten gehabt haben soll, die Teil des Systems schwarzer Kassen gewesen sind.

In den vergangenen Tagen hatten Kutschenreuter und der Beschuldigte J. mehrfach ausgesagt und sich dabei ausführlich zu den Beschuldigungen der Staatsanwaltschaft geäußert. Kutschenreuter hatte dabei wie der bereits seit längerem auf freiem Fuß befindliche Mitbeschuldigte Reinhard S. Hinweise darauf gegeben, dass die Konzernspitze zumindest teilweise Kenntnis von illegalen Provisionszahlungen hatte.

Nach Informationen des Handelsblatts aus Justizkreisen verfolgt die Staatsanwaltschaft den Vorwurf der Bandenbildung, den sie zu Beginn ihrer Ermittlungen gegen die Beschuldigten erhoben hatte, nicht mehr intensiv. Vielmehr gehe man davon aus, dass es sich bei den Provisionszahlungen über verdeckte Konten um eine seit langem übliche Praxis im Bereich Com gehandelt habe. Für die Beschuldigten wäre das eine große Entlastung, Mitglieder einer Bande hätten im Fall einer Verurteilung mit einem erheblich höheren Strafmaß zu rechnen. Die Spitze des Konzerns beruft sich dagegen bis heute darauf, dass sie von einer überschaubaren Gruppe von Managern des Bereichs Com hintergangen worden sei.

Nach Informationen des Handelsblatts hat auch der bislang prominenteste der Beschuldigten, der ehemalige Zentralvorstand Thomas Ganswindt, gestern in der U-Haft ausführlich ausgesagt. Er hatte bereits kurz nach seiner Inhaftierung erklärt, Ende 2004 von den Provisionszahlungen Kenntnis erhalten zu haben, ohne vom dahinter stehenden System zu wissen.

Seite 1:

„Verschlossene Türen gibt es nicht“

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%