Siemens-Geschäftsbericht

Joe Kaeser verdient 6,5 Millionen Euro

Neben dem Konzern-Gewinn ist auch das Gehalt von Siemens-Chef Joe Kaeser gestiegen. Das offenbart der neue Geschäftsbericht des Dax-Konzerns. Warum das Papier im Vergleich zum Vorjahr von 368 auf 150 geschrumpft ist.
Freut sich über eine Gehaltserhöhung: Siemens-Chef Joe Kaeser. Quelle: Reuters
Siemens-Chef Joe Kaeser

Freut sich über eine Gehaltserhöhung: Siemens-Chef Joe Kaeser.

(Foto: Reuters)

MünchenWenn ein Unternehmen den Geschäftsbericht veröffentlicht, geht der erste Blick vieler zum Vergütungsbericht. Bei Siemens zum Beispiel konnte man am Mittwoch im neuen Geschäftsbericht im Internet nachlesen, dass Vorstandschef Joe Kaeser im Geschäftsjahr 2014/15 rund 6,5 Millionen Euro verdient hat. Das ist etwas mehr als im Vorjahr, als die Gesamtvergütung rund 6,2 Millionen Euro betrug. Eine Überraschung ist das nicht. Schließlich ist auch der Siemens-Gewinn im vergangenen Jahr wie von Kaeser versprochen gestiegen. Vor allem dank Veräußerungsgewinnen legte der Gewinn nach Steuern um ein Drittel auf 7,4 Millionen Euro zu.

Vor allen den Lesern des gedruckten Geschäftsberichts wird in diesem Jahr aber etwas anderes auffallen: Das Werk ist deutlich dünner als in früheren Jahren. Der neue Geschäftsbericht hat gerade einmal 150 Seiten. Im Jahr zuvor waren es noch 368 Seiten, mehr als doppelt soviel. Der Bericht wurde auch für Image- und Marketingzwecke genutzt.

Doch Kaeser hat angekündigt, den Konzern zu verschlanken – und dabei offenbar nicht nur an die Struktur gedacht, in der er unter anderem die Ebene der Sektoren strich.

Was mal alles Siemens war
Siemens will sechs Milliarden Euro sparen
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Siemens Hausgeräte

Die bekannten Waschmaschinen, Kaffeeautomaten oder Staubsauger mit dem Siemens-Logo stammen in der Regel vom Gemeinschaftsunternehmen Bosch und Siemens Hausgeräte GmbH (BSH), das bereits seit 1967 existiert. Im Jahr 2013 stieg der BSH-Umsatz um 7 Prozent auf 10,5 Milliarden Euro. Inzwischen hat sich Siemens aus dem Geschäft ganz zurückgezogen und die Anteile für drei Milliarden Euro an den Partner Bosch verkauft.

Siemens Gamesa
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Das Geschäft mit Windturbinen hat Siemens im Jahr 2016 mit der spanischen Firma Gamesa zusammengelegt zu „Siemens Gamesa“. An der neuen Gemeinschaftsfirma hält Siemens 59 Prozent.

Im November 2017 besuchte die britische Königin Elizabeth ein Werk des Unternehmens in Kingston upon Hull (Bild).

Siemens Hörgeräte
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Die Hörgerätetochter wollte Siemens ursprünglich an die Börse bringen. Nun verkauft der Konzern sie für 2,15 Milliarden Euro. Die neuen Eigentümer sind der schwedische Finanzinvestor EQT und die Hexal-Gründerfamilie Strüngmann. Sollte sich das Geschäft gut entwickeln, bekommen die Münchner über einen Besserungsschein noch einen Nachschlag. Siemens bleibt mit 200 Millionen Euro Vorzugskapital an der traditionsreichen Tochter beteiligt.

Osram
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Osram

„Licht ist Osram“, lautet der Werbespruch von Osram. Von 1978 bis 2013 gehörte der Hersteller zu Siemens, dann brachte der Mutterkonzern die Tochter an die Börse. Die Siemens-Aktionäre wurden beteiligt. Der Markt ist jedoch im Umbruch, die Preise für LED-Leuchten sind wegen der großen Konkurrenz unter Druck. Der Hersteller fährt deswegen einen Sparkurs und streicht Stellen.

Gigaset bilanziert zweites Quartal
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Gigaset

Das Geschäft mit schnurlosen Telefonen hat Siemens im Jahr 2008 an den Finanzinvestor Arques verkauft, der seit 2011 als Gigaset AG firmiert. Ein Streit über den Verkaufspreis zog sich bis weit in das Jahr 2010 hin, Siemens verzichtet schließlich wohl auf einen niedrigen zweistelligen Millionenbetrag.

huGO-BildID: 8061727 ** ARCHIV ** Ein Stopschild ist am 28. Sept. 2006 in Kamp-Lintfort an einer Produktionshalle des Handy-Herstellers BenQ zu sehe
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Siemens Mobile

Der Verkauf der Handy-Sparte an den taiwanischen Elektronikkonzern 2005 war für Siemens ein unrühmliches Kapitel. Das Rennen mit Branchengrößen wie Nokia konnte Siemens nicht mithalten, doch auch unter den neuen Besitzer hatte das Unternehmen keine Zukunft. Die Firma mit etwa 7000 Mitarbeitern stellte Ende 2006 die Produktion ein.

huGO-BildID: 31796967 FILES - A general view of Nokia Siemens Networks in Espoo on November 23, 2011. Finnish telecom equipment maker Nokia is buying
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Siemens Networks

Das Geschäft mit der Ausrüstung für Telefonnetze brachte Siemens im Jahr 2007 in ein Gemeinschaftsunternehmen mit Nokia ein. Nokia Siemens Networks machte danach etliche Sparrunden durch. Anfang Juli kündigte Siemens den Verkauf seines 50-Prozent-Anteil für 1,7 Milliarden Euro an Nokia an.
Siemens hatte bereits seit langem den Ausstieg aus dem Gemeinschaftsunternehmen gesucht. Mit dem Verkauf des NSN-Anteils treibe das Unternehmen die „Fokussierung auf unser Kerngeschäft weiter konsequent voran“, teilte Joe Kaeser, damals Siemens-Finanzvorstand, mit.

In einem Interview mit dem Mitarbeitermagazin „SiemensWelt“ begründet Finanzvorstand Ralf Thomas die Umstellung. „Wir konzentrieren uns in unserem Geschäftsbericht nun auf die Angaben, die regulatorisch erforderlich sind“, sagt er. Geschichten und Bilder, die die Strategie und Aufstellung von Siemens erläutern, finde man ja weiterhin im Intra- oder Internet.

In den vergangenen zehn Jahren hatte sich der Geschäftsbericht bei Siemens verdoppelt. „Damit steht Siemens nicht alleine da“, sagte Thomas. Viele große Unternehmen hätten auch wegen neuer Vorgaben immer umfangreichere Informationen aufgenommen. Um eine möglichst große Zielgruppe zu erreichen, seien freiwillige Angaben hinzugekommen. „Viele dieser Informationen sind aber für einen breiten Adressatenkreis zur Beurteilung des Unternehmens nicht relevant oder stellten keine zusätzliche Information zu anderen Veröffentlichungen dar.“ Mehr Information bedeute nicht zwangsläufig mehr Transparenz. Es werde immer schwieriger, wesentliche von unwesentlichen Informationen zu unterscheiden. Tatsächlich geht es auch ums Geld. Mit dem schlankeren Bericht spart Siemens Druck- und Produktionskosten.

Den Neuanfang will der Konzern auch mit dem Namen deutlich machen. Ab sofort heißt das Werk wieder ganz altbacken Geschäftsbericht. Im vergangenen Jahr stand noch Jahresbericht auf dem Titel.

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